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Porsche startet das E-Zeitalter in Leipzig

Leipzig 14.03.2019
Der Sportwagenbauer investiert an seinem sächsischen Standort 600 Millionen Euro. Und die nächste Investition steht bevor.

Bisher ist auf dem Werksgelände von Porsche in Leipzig nur ein riesiges, blankes Sandfeld zu sehen. Doch auf der planierten Brachfläche soll in den nächsten zwei bis drei Jahren ein komplett neues 75.000 Quadratmeter großes Karosseriewerk entstehen – mit Solaranlage auf dem Dach. 

Die nächste Generation des Erfolgsmodells Macan, von dem jährlich bis zu 100.000 Stück in alle Welt verkauft werden, soll ein rein elektrisches Familiensportauto werden. Dafür braucht der Autobauer andere Karosserien als mit dem Verbrennungsmotor. Mehr als 600 Millionen Euro investiert der Sportwagenkonzern daher in den nunmehr fünften Ausbau seines ostdeutschen Standortes, kündigte Albrecht Reimold, Porsche-Vorstand für Produktion und Logistik, diese Woche bei der Grundsteinlegung in Leipzig an.

Spätestens 2022 soll die Produktion des vollelektrischen Mittelklasse-SUVs beginnen. Er soll mehr als 200 Stundenkilometer schnell sein und 400 bis 500 Kilometer Reichweite haben. „Diese Reichweite ist ein klares Entwicklungsziel“, sagt Reimold. Während die rohen Karosserien für das E-Auto in der neuen Fabrikhalle entstehen, werden beide Antriebs-Modelle künftig auf ein und derselben Montage-Linie zusammengebaut. Die Mitarbeiter würden dafür bestens qualifiziert und seien hochflexibel, so der Vorstand. Ein sprunghafter Anstieg der Belegschaft ist daher allerdings nicht zu erwarten.

Ohnehin werden für den Bau von Elektroautos generell weniger Mitarbeiter benötigt, da die Fahrzeuge auch deutlich weniger Bauteile haben. Laut Leipzigs Standortleiter Gerd Rupp wird dort dennoch mit 300 Stellen mehr geplant – zusätzlich zu den jetzt schon 4.300 Mitarbeitern. Betriebsratschef Knut Lofski bat seine Chefs indessen, frühzeitig mit den Qualifizierungen zu beginnen: „Wir müssen einen Vorlauf schaffen, damit die Menschen abgeholt werden.“

Zwei bis drei Jahre dürften zukünftig beide Modelle parallel vom Band laufen. Wann der bisherige Macan mit Benzinmotor ganz verschwindet, darauf will sich noch niemand genau festlegen. Dies hänge auch von der Nachfrage in den weltweiten Märkten ab, die sehr unterschiedlich seien. „Wir rechnen damit“, sagte Reimold, „dass bereits 2025 jeder zweite Porsche-Neuwagen mit einem Elektromotor ausgestattet sein könnte – als Hybrid oder reines Elektrofahrzeug.“ Dafür investiere der Konzern bis 2022 insgesamt sechs Milliarden Euro.

Auch im Umfeld des Leipziger Werks sollen neue Jobs entstehen. Unter anderem rechnet der Vorstand mit der Ansiedlung eines Lieferanten für die Lithium-Ionen-Batterien, der künftig vor Ort produzieren wolle. Die Ausschreibung läuft allerdings noch. Außerdem hat Porsche mit dem weltweit führenden Hersteller von Press-Systemen, der Schuler AG, ein Joint-Venture gegründet, um bis 2021 ein Presswerk in der Region Leipzig zu bauen. Auch dafür sollen zweistellige Millionensummen investiert werden und mehr als 100 neue Arbeitsplätze entstehen. Details sollen im April veröffentlicht werden.

Porsche hatte sich 1999 für den neuen Standort entschieden und seit dem ersten Spatenstich Anfang 2000 bereits gut 1,3 Milliarden Euro in das Werk investiert. Künftig sind es insgesamt rund zwei Milliarden Euro. Auch der Panamera entsteht seit 2009 in Leipzig. Der neue elektrische Sportwagen-Pionier Taycan wird allerdings ab Ende dieses Jahres am Stammsitz in Stuttgart-Zuffenhausen gebaut, wo 1.500 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen.

Zur Grundsteinlegung kam auch Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und lobte den „starken Vertrauensbeweis in die Zukunftskraft des Freistaates“. Porsche und Sachsen würden eine ausgezeichnete Symbiose bilden: Beide seien „schnell, kraftvoll und voller Eleganz“, so Kretschmer. Der Bau des neuen Elektrosportwagens zeige, dass Umweltschutz nicht Verzicht und Einschnitte bedeuten müsse, sondern Innovation, Kreativität und Fortschritt. Er könne nur an Politiker-Kollegen appellieren, solche Fragen nicht künstlich zu verengen. „Wir helfen gerne, wo wir können – nur Porsche fahren, dakönnen wir uns leider nicht leisten.“ Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) betonte, das Wachstum der Stadt auf 600.000 Einwohner und das Schrumpfen der Arbeitslosenquote auf sechs Prozent sei ohne die Entscheidungen von Porsche für Leipzig nicht zu erklären.

Tatsächlich wächst der Konzern seit Jahren. Laut der Bilanz, die Volkswagen am Dienstag in Wolfsburg vorstellte, hat Porsche 2018 seinen Umsatz um 9,2 Prozent auf 23,7 Milliarden Euro gesteigert. Das operative Ergebnis stieg zugleich auf 4,1 Milliarden Euro. Weltweit lieferte Porsche 2018 rund 256 000 Autos aus, ebenfalls vier Prozent mehr als im Jahr zuvor. Fast jedes dritte Fahrzeug geht inzwischen nach China: rund 80.000 Autos. Das Land ist inzwischen der größte Einzelmarkt, gefolgt von den USA. Und fast zwei Drittel aller Porsches kommen aus Leipzig.

 

Von Sven Heitkamp

Foto: © Ronald Bonß
 

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