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Rammenau: Baustellen-Ärger vorm Hofladen

16.09.2020
Seit Monaten ist das Geschäft an der B 98 nur über Umwege zu erreichen. Ein Ende der Bauarbeiten ist noch nicht in Sicht - nur eine vorübergehende Erleichterung.

Von Manuela Paul 

Rammenau. In Nadine Menzels Hofladen in Rammenau gibt es jetzt wieder Äpfel aus eigenem Anbau. Die waren sonst immer ein absoluter Magnet - und der Kundenparkplatz  zur Erntezeit stets rappelvoll. Doch dieses Jahr ist alles anders. Nicht etwa wegen Corona. Sondern wegen der Baustelle, welche die Rammenauer Geschäftsfrau seit April direkt vor ihrer Ladentür hat.  

Wer bei Menzels frisches Obst und Gemüse kaufen will, der muss seit Monaten einen langen Umweg in Kauf nehmen. Denn die direkte Zufahrt von der Bundesstraße auf den Parkplatz im Hof ist nicht mehr möglich. Die Straße ist zur Großbaustelle geworden.

Noch bis Ende September 2021 soll dort gebuddelt werden. Neben dem grundhaften Ausbau der Ortsdurchfahrt lässt der Freistaat an der Gabelung B 98/S 158 einen Kreisverkehr errichten. Immerhin ist die B 98 ein wichtiger Zubringer für die Autobahn. Entsprechend viele Autos fahren dort täglich entlang. Durch den Kreisel soll der Verkehr künftig flüssiger und sicherer rollen. 

Viele Kunden meiden langen Umweg

Doch bis es soweit ist, geht noch ein Jahr ins Land. Ein Jahr, in dem im Rammenauer Hofladen Kunden und damit Umsatz wegbleiben. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so viele sind“, resümiert die Unternehmerin. „Viele Leute vermeiden den langen Umweg, wenn sie andernorts problemloser einkaufen können", sagt die 35-Jährige. Einige hätten ihr auch klipp und klar gesagt, dass sie nicht kommen werden, wenn es keine direkte Zufahrt mehr gibt.

Zwar hielten ihr Stammkunden die Treue, aber dennoch fehlen die Käufer, die bisher schnell mal einen Abstecher in ihr Geschäft gemacht haben. Denn beim Vorbeifahren werden viele auf den unmittelbar an der Bundesstraße gelegenen Hofladen aufmerksam, erzählt die Rammenauerin. Davon habe sie bisher profitiert.

Profitiert hat sie auch vom Lockdown. In der Zeit, als die Menschen zu Hause bleiben mussten, sei in ihrem Hofladen viel Betrieb gewesen. „Die Leute haben in der Zeit viel frisch gekocht, und wir konnten den Umsatz erstmal steigern.“ Damals war das Geschäft auch noch gut erreichbar. Inzwischen sieht die Lage anders aus. Wer den Umweg über die Niederdorfstraße bis zu Menzels auf sich nimmt, findet auf jeden Fall Platz für sein Auto. Kein Vergleich zu Vorjahren, in denen der Hof meist komplett zugeparkt war. 

In ehemaliger Gaststätte angefangen

Der vor 15 Jahren entstandene Hofladen von Nadine Menzel erfreut sich großer Beliebtheit. Angefangen hat alles in der ehemaligen Gaststätte Feldschlösschen an der B 98. Dort richtete Nadine Menzel ihr erstes Geschäft ein. „Damals hab‘ ich ganz klein angefangen. Mit Äpfeln und ein wenig anderem Obst.“ Das kam gut an. Deshalb entstand 2006 nur ein paar Schritte neben ihrem Haus ein geräumiger Hofladen, den sie 2014 modernisierte. Damals wurde die Verkaufsfläche auf 120 Quadratmeter erweitert.

Inzwischen werden längst nicht mehr nur Äpfel, Birnen, Beeren und Kirschen vom elterlichen Hof verkauft, sondern auch Obst und Gemüse ausländischer Herkunft. Bananen und Co. wachsen hierzulande nun einmal nicht. Vorrang haben bei Nadine Menzel aber Lebensmittel aus der Region. Und so gibt’s unter anderem auch Nudeln aus Wehrsdorf, Müsli von der Rätze-Mühle Spittwitz, Senf aus Bautzen, Walthers Säfte aus Arnsdorf, Öle aus Kaschwitz und Süßes von Dr. Quendt.

Nadine Menzel hofft nun auf den Winter. Denn bleibt alles so wie geplant, soll die Baustelle ab 21. Dezember bis zum März ruhen. So sei es bei der letzten Baubesprechung gesagt worden. In dieser Zeit soll es auch wieder möglich sein, direkt an den Hofladen heranzufahren. Das freut die Unternehmerin. Die kältere Jahreszeit sei nämlich eigentlich ihre Hautgeschäftszeit. Denn: „Im Sommer ernten viele Leute in ihrem eigenen Garten Obst und Gemüse.“

Für eine Zufahrt in der Baustellen-Ruhezeit habe sich vor allem auch ihr Vater stark gemacht. Der elterliche Obstbaubetrieb in Stolpen ist Nadin Menzels wichtigster Geschäftspartner. Auf 24 Hektar wird dort Obst angebaut. 16 verschiedene Apfelsorten sind dabei - von Gala bis Boskop. Zudem gewähren eine eigene Kühlzelle sowie der klimatisierte Verkaufsraum in Rammenau optimale Verkaufs- und Lagerbedingungen. So bekommen Kunden immer frisches Obst und knackiges Gemüse.

Direkte Zufahrt nur mit Auflagen

Allerdings gibt es Auflagen für die dreimonatige Bau-Pause. Eine direkte Zufahrt zum Hofladen ist nur für jene, die aus Richtung Bischofswerda kommen, vorgesehen. Sie sollen die bisherige Einfahrt nutzen. Die Ausfahrt wird mit Ampelregelung über die benachbarte Wiese erfolgen, auf der Menzels dafür eine Schotterspur aufbringen müssen, erzählt die Hofladen-Chefin. 

Wer aus Richtung Kamenz kommt, muss weiterhin über die Niederdorfstraße heranfahren. Außerdem soll Menzel ihren Parkplatz mit Betonelementen so abteilen, dass ihn Kraftfahrer nicht etwa als Schleichweg missbrauchen können. Und: Man habe ihr angekündigt, dass die zwischenzeitliche Zufahrt sofort wieder zugemacht werde, wenn sich herausstellt, dass sie als illegale Abkürzung genutzt wird, erzählt Nadine Menzel. Das möchte sie auf gar keinen Fall.

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