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Rammenau: Insolvenz mit Happy-End

22.07.2020
Der neue Eigentümer des Fensterwerkes plant jetzt eine Millionen-Investition. Auch, um die rund 45 Arbeitsplätze zu sichern.

Von Ingolf Reinsch 

Rammenau. Aus dem Unternehmen Sachsenfenster in Rammenau wurde vor gut einem Jahr German Windows. Das gleichnamige Münsterländer Familienunternehmen übernahm zum 1. Juni 2019 den insolventen Betrieb, um ihn am etablierten Standort weiterzuführen - mit der bisherigen 45-köpfigen Belegschaft, aber mit neuem Konzept.

Eine Erfolgsgeschichte nach einem auch durch die Corona-Pandemie bedingten schwierigen ersten Jahr, wie Denise Schiffer, Mitglied der Geschäftsleitung von German Windows, jetzt gegenüber Sächsische.de deutlich macht. 

Alle Mitarbeiter auf Covid-19 getestet

Die Auswirkungen der neuen Krankheit schlugen im Rammenauer Betrieb weniger wirtschaftlich als viel mehr gesundheitlich ins Kontor. Denise Schiffer: "Natürlich ist die Corona-Pandemie mit ihren Maßnahmen und Hygiene-Konzepten für jedes Unternehmen eine Herausforderung. An unserem Standort Rammenau hatten wir im März vier positive Corona-Fälle, zwölf Kollegen befanden sich insgesamt in Quarantäne." 

Das Gesundheitsamt des Bautzener Landkreises habe "hervorragende Arbeit" geleistet und auf  Bitte der Unternehmsleitung hin alle Mitarbeiter in Rammenau getestet. "Die Zusammenarbeit war sehr gut – an dieser Stelle noch einmal unser herzliches Dankeschön",  erklärt Denise Schiffer. 

Wirtschaftlich verbucht das Unternehmen trotz Corona ein deutliches Auftragsplus. Bereits im ersten Jahr wurde das Vertriebsgebiet von Sachsen auf Bayern und Baden- Württemberg ausgeweitet. Arbeitsprozesse wurden und werden angepasst sowie die EDV auf den aktuellen Stand gebracht, um rationeller zu werden, erklärt die Unternehmenssprecherin weiter. Der Kurs sei klar gesetzt: Man wolle weiteres Wachstum sowie eine Steigerung der Effizienz. 

Diesem Ziel dient auch eine für diesen Sommer geplante Großinvestition. Im Rammenauer Werk wird eine neue Holzbearbeitungsmaschine installiert. Dafür sind  Umbauarbeiten in der Produktionshalle erforderlich. Zudem investieren die Eigentümer in neue Informationstechnik. Mehr als eine Million Euro fließt in diesem Jahr in den Betrieb. 

Neue Kunden in Frankreich und den Benelux-Ländern

"Mit dem Start von German Windows Rammenau haben wir auf Kündigungen verzichtet, die Zahl der Beschäftigten ist gleich geblieben. Es gilt, die Arbeitseinsätze unserer Kollegen effizienter zu gestalten", sagt Denise Schiffer. Aktuell suche man Unterstützung für die Arbeitsvorbereitung in der Auftragserfassung.

German Windows produziert an sechs Standorten in Deutschland, darunter zwei sächsischen - Rammenau und Ottendorf-Okrilla. Der Schwerpunkt der Unternehmensgruppe lag bisher auf der Fertigung von Fenstern und Türen aus Kunststoff und Aluminium. 

Das Werk in Rammenau ist dagegen auf die Herstellung dieser Erzeugnisse aus Holz spezialisiert. "Damit werden wir zum Vollsortimenter", sagte Prokurist Helmut Paß vor einem Jahr gegenüber Sächsische.de. Somit könne man den Kunden nun alles aus einer Hand bieten: Fenster und Türen aus Kunststoff, Aluminium und Holz.

Auch hier fällt die Bilanz der Geschäftsführung nach dem ersten Jahr positiv aus: "Viele unserer bisherigen Kunden haben uns ihr Vertrauen auch im Holz bekundet und Aufträge in Rammenau platziert", heißt es jetzt in der Unternehmenszentrale in Südlohn-Oeding.

 Interessenten kämen nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Nachbarländern. So habe man in Frankreich bereits neue Kunden gewonnen. Darüber hinaus gebe es Anfragen aus den Benelux-Staaten.  "Das Holz-Portfolio wurde auf die Bedürfnisse unserer Kunden ausgebaut", sagt Denise Schiffer. 

Zweiter Neustart innerhalb weniger Jahre

Mit dem Firmenwechsel bekam das Rammenauer Fensterwerk zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre eine neue Chance. Andreas Langhammer,  der im Jahr 2013 als angestellter Geschäftsführer zu Sachsenfenster kam, bewahrte das Unternehmen zwei Jahre später vor der Schließung, indem er es kaufte, weil der bisherige Eigentümer in den Ruhestand ging.

Im Sommer 2018 musste er jedoch Insolvenz anmelden. Die  Branche stehe unter  einem "extrem starken Wettbewerbsdruck", sagte er damals. Bestehen könne man entweder nur durch Massenproduktion oder in einer Nische, in der man den Kunden überdurchschnittliche Qualität bietet, einschließlich dem damit verbundenen hohen Beratungsaufwand. 

Die Rammenauer verfolgten von Anfang an den zweiten Weg - auch in Zusammenarbeit mit dem Insolvenzverwalter Olaf Seidel, um eine zukunftsträchtige Lösung zu finden. Mit German Windows ging das Werk schließlich an einen Markenhersteller, der bundesweit 450 Mitarbeiter beschäftigt und im Jahr 58 Millionen Euro umsetzt. 1.400 Fenster werden täglich in den sechs Werken produziert. 

Der ehemalige Betriebsleiter Andreas Langhammer ist mit seinen Branchenkenntnissen weiterhin mit an Bord.  Er betreut Projekte im Vertrieb. Ihm sei es wichtig, den Produktionsstandort zu erhalten und die Arbeitsplätze in Rammenau zu sichern, sagte er kurz nach dem Betriebsübergang vor einem Jahr. Diese Erwartung scheint sich zu erfüllen. 

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