50e9vg0gvgfimcc2tfntr9ehpsrtu6k1.jpg

Rekordproduktion im Stahlwerk

04.06.2020
Trotz Corona läuft es bei Feralpi. Aber nicht von allein.

Von Christoph Scharf

Riesa. Erst Corona, dann noch ein flächendeckender Stromausfall in Riesa: Trotz allem ist Feralpi bislang gut durch die Krise gekommen, sagt Geschäftsführer Christian Dohr, der Anfang des Jahres das Chefbüro im Stahlwerk bezogen hat.

Zum Glück habe man noch keine positiv getesteten Corona-Fälle in der 650 Mitarbeiter zählenden Belegschaft. "Einige Verdachtsfälle hatten wir, aber die Tests sind alle negativ ausgefallen", sagt der Ingenieur. Anfangs sei zwar manch Kollege wegen der neuen Situation etwas verunsichert gewesen. Wie kann man trotz der Corona-Gefahr weiter im Werk zusammenarbeiten? Und mit welchen Abständen? Man habe aber gut bei der Ausstattung mit den nötigen Hygienematerialien vorgesorgt und Regeln gefunden. "Tatsächlich konnten wir im April und Mai sogar eine Rekordproduktion fahren", sagt Dohr. Das sei nur durch eine gute Vorbereitung und die sehr gute Zusammenarbeit zwischen Produktion, Instandhaltung und Planung möglich gewesen. Alle 45 Minuten werden im Stahlwerk dann 100 Tonnen Stahl aus Schrott geschmolzen, das entspricht in etwa dem Stahlgewicht von 100 Pkw.

Preisgekrönte Trasse als Achillesferse

Dabei hatte der flächendeckende Stromausfall in Riesa am 18. Mai über Umwege auch Feralpi getroffen: Der Stahlhersteller, der als größter Energieabnehmer der ganzen Stadt über ein eigenes Umspannwerk verfügt, war zwar die ganze Zeit über am Netz. "Die Produktion mussten wir aber trotzdem für mehrere Stunden runterfahren", sagt Christian Dohr. Als Achillesferse erwies sich die preisgekrönte Dampftrasse zu den Stadtwerken, über die sonst überschüssige Wärme aus dem Stahlwerk abgegeben und weiter ans Riesaer Reifenwerk geliefert wird. Die Pumpstation für das nötige Speisewasser hängt aber nicht am Feralpi-, sondern am städtischen Stromnetz - und fiel also ebenfalls aus. Das traf so auch die Stahlproduktion, in der es ohne frisches Kühlwasser zu heiß geworden wäre. "Das Walzwerk lief allerdings weiter", sagt Dohr.

Sollte Feralpi doch einmal direkt von einem Stromausfall getroffen werden, habe man aber vorgesorgt - mit einem Notfallplan und entsprechender Technik. Das größte Problem wäre bei einem Stromausfall die dringend nötige Kühlung im Stahlwerk. "Für so einen Fall haben wir einen Hochbehälter mit Wasser, der die Notfallkühlung gewährleistet", sagt Dohr. Mit Hilfe des markanten Bauwerks an der zentralen Einfahrt könne man auch bei einem Stromausfall die Anlagen kontrolliert herunterfahren.

Christian Dohr leitet seit Anfang 2020 das Unternehmen ESF Elbe-Stahlwerke Feralpi in Riesa.
Christian Dohr leitet seit Anfang 2020 das Unternehmen ESF Elbe-Stahlwerke Feralpi in Riesa. © Sebastian Schultz

Besser ist allerdings, der Strom fließt. Denn die Nachfrage nach Baustahl aus Riesa sei immer noch hoch - trotz Corona. "Die deutschen Baustellen laufen trotz der Pandemie zum größten Teil weiter", sagt Christian Dohr. Problematisch sei, dass das in anderen Ländern nicht so ist. Dort werden Baustellen teils gestoppt, so dass die dortigen Stahlwerke ihre Produkte nicht wie gewohnt loswerden - und in den deutschen Markt drängen. Als weitere Herausforderung könne sich erweisen, dass die Versorgungsketten in den unterschiedlichen Ländern nicht gleichmäßig wieder anlaufen.

Schon seit Beginn der Corona-Krise hätten sich die Einkäufer bei Feralpi überaus anstrengen müssen, um alle nötigen Produkte zu bekommen - weil regelmäßig Lieferanten im Ausland ausfielen, etwa in Italien oder Spanien. Das betrifft  etwa Legierungselemente, Hilfs- oder Betriebsstoffe. "Einkauf und Technik haben einen sehr guten Job gemacht", lobt der Feralpi-Geschäftsführer die Mitarbeiter. "In so einer Situation neue Lieferanten zu finden, ist nicht einfach."

Ein Lichtblick in Gröba

Er dankt auch den Mitarbeiter, die Feralpi in der Krise die Treue gehalten haben - obwohl es etwa mit der Betreuung von Kindern nicht einfach war. "Wir haben angeboten, in gewissem Ausmaß Arbeitszeiten zu verschieben. Außerdem gestanden wir einen Tag Sonderurlaub zu, um die Kinderbetreuung zu organisieren. Aber das half natürlich nur begrenzt", so Dohr, dessen eigene Familie in Potsdam lebt, während er sich mittlerweile eine Werktags-Wohnung in der Region genommen hat. Eine eigene Kinderbetreuung habe man bei Feralpi leider nicht anbieten dürfen - das war aus Infektionsschutzgründen untersagt.

Dohr ist zuversichtlich, mit "Bella Gröba" am 5. September ein Fest für Mitarbeiter und die Nachbarschaft anbieten zu können. Das wird wohl das erste öffentliche Fest sein, das in Riesa überhaupt seit Beginn der Corona-Krise stattfindet. "Ich freue mich sehr drauf, denn die Menschen haben doch das Bedürfnis, sich wieder zu treffen." Einen Tag der offenen Tür werde man in diesem Jahr unter den Umständen zwar nicht anbieten können, vielleicht aber 2021 wieder.

Weitere Artikel

Mehr Sachsen wollen früher in Rente gehen

Mehr Sachsen wollen früher in Rente gehen

Die Corona-Krise treibt viele in den vorzeitigen Ruhestand. Unsere neue Serie erklärt Möglichkeiten und finanzielle Folgen.

Solartechnik kehrt nach Freiberg zurück

Solartechnik kehrt nach Freiberg zurück

Das Schweizer Unternehmen Meyer Burger wählt traditionsreiche Solarstandorte in Bitterfeld-Wolfen und Freiberg für den Aufbau einer eigenen Fertigung.

Sein Traum ist die digitale Küche

Sein Traum ist die digitale Küche

Wilfried Hänchen begann in der DDR als Koch, arbeitete sich hoch bis ins Ministerium. Heute führt er eines der größten Catering-Unternehmen Deutschlands.

Firma kauft belastetes Grundstück

Firma kauft belastetes Grundstück

Im Gewerbepark an der Bischofswerdaer Straße in Neustadt wurde ein weiteres Grundstück veräußert. Der Bauherr hat einiges zu tun.