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Restaurants zum Arbeiten

07.07.2021
Das Start-up Two Stay aus München verwandelt leerstehende Cafés und Bars in offene Großraumbüros für alle. Auch in Sachsen.

Von Sven Heitkamp 

Das Klischee könnte treffender kaum erfüllt sein: An einem Nachmittag Ende Juni steht Barth Porthun in einem weitläufigen, hellen Restaurant in der Leipziger Innenstadt und stellt jungen Leuten mit Laptops seine Idee vor: Einen Zen-Geist-Drink mit viel koreanischem Ginseng und wenig Zucker, wahlweise vegan oder vegetarisch. Es ist die erste Präsentation, die dieser ganz besondere Ort erlebt: Das schicke „Micello’s“ am Brühl, das in erster Linie für Entspannung bei Pizza, Pasta und Pesce steht, ist nun tagsüber zu einem offenen Büro für alle geworden. Ein kreativer Ort, an dem sich nebenbei auch Gründer wie Barth Porthun präsentieren können.

Das Start-up „Two Stay“ hat dafür gesorgt, dass die obere Etage des italienischen Restaurants, die nur an Wochenenden genutzt wird, zu einem inspirierenden Coworking-Space wird, einem Platz zum Wohlfühlen und Arbeiten, allein oder im Team. Eine Idee, die schon vor Corona entstanden ist, aber bestens zur Pandemie passt: Leere Cafés, Bars und Restaurants geben ihre freien Flächen tagsüber für diejenigen frei, die es im Homeoffice oder im tristen Büroalltag nicht mehr aushalten und die mehr Gesellschaft und Austausch suchen.

Essen und Getränke darf man mitbringen

Man bucht online oder im Lokal einen Tisch für 6 Euro für vier Stunden oder für 12 Euro den ganzen Tag. Essen und Getränke darf man mitbringen – oder eben bestellen, was der Hintersinn für die Gastronomie ist. Zehn Two-Stay-Lokale gibt es schon, vor allem in München, Köln und Frankfurt. In Regensburg, Wien und Düsseldorf sind sie zurzeit wegen strikter Corona-Auflagen noch geschlossen.

Hinter der Idee stecken zwei junge Frauen aus München: Cecilia Chiolerio und Dorothea Haider haben das Start-up 2018 gegründet und suchen seither immer neue Orte für ihr Konzept. Auch in Dresden sind sie unterwegs, haben aber noch nicht die passende Adresse gefunden. In Leipzig ist Tow Stay seit April geöffnet, es gibt lange Holztische, gepolsterte Bänke, Sofas und runde Stühle mit Armlehnen, dazu warmes Licht und Wlan.

Ein kleiner Teil der Etage ist eigens für Meetings reserviert, auch Unternehmen mieten sich hier für ein paar Stunden ein – oder buchen Tische für ihre Mitarbeiter. Geöffnet ist montags bis freitags ab 9 bis 17.30 Uhr. Manche Nutzer kommen nur mal für einen Tag, andere haben gleich für Monate gebucht. Der Monatstarif beträgt 95 Euro – weniger als eine Büromiete. „Wir haben eine sehr bunte Mischung von Leuten, viele kreative Köpfe und viele internationale Gäste“, erzählt Dorothea Haider. Tatsächlich wird viel Englisch gesprochen im Two Stay. „Meist sind es Leute, die flexibel sind, die nicht allein arbeiten wollen, die Abstand von Zuhause brauchen und andere Menschen treffen wollen, die ähnlich ticken.“

Noch wirft das Start-up keinen Gewinn ab

An einem der Tische sitzt Sascha Billig, ein stark tätowierter Mann mit Glatze, der als Model, Fotograf und Marketingmanager für eine namhafte PR-Agentur arbeitet. Zu seinen Füßen liegt der Golden Retriever Arthos, ein friedlicher, ehemaliger Therapiehund. Sascha Billig ist einer der „Space Captains“, die halbtageweise die Verantwortung übernehmen, neue Nutzer begrüßen und im Gegenzug kostenlos einen Platz nutzen dürfen. Der kreative Kopf hat mit seiner Agentur vereinbart, dass er nicht den ganzen Tag im Büro sitzen muss, sondern frei sein darf. Im Two Stay sammelt er seit der Eröffnung Coworking-Erfahrungen. Das Restaurant liegt nur ein paar Minuten zu Fuß von seiner Wohnung entfernt und gleich neben dem Museum der bildenden Künste. „Ich mag die kreative Atmosphäre“, sagt er.

Weil die Gründerinnen nur hin und wieder in Leipzig sein können, vertritt Debbie Baumgartl das junge Unternehmen in der Stadt. Sie hat das Restaurant ausfindig gemacht, kümmert sich um Fragen, um den Kontakt zum Gastronomen und das Team. Sie arbeitet in erster Linie für ein großes Softwareunternehmen, aber nebenberuflich für Two Stay. Sie hat Spaß an der Coworking-Idee und könnte sich vorstellen, irgendwann intensiver in dem Bereich einzusteigen, als Beraterin etwa.

Noch wirft das Start-up aber keinen Gewinn ab, es wird von Investoren unterstützt und hat mehrere Preise gewonnen. Der Lockdown hat den Aufbau ausgebremst. Doch das Ziel sind Locations in verschiedensten Vierteln der Großstädte, als Treffpunkte und Netzwerke, sagt Dorothea Haider. Die 37-Jährige, die früher als Gründungsberaterin an der TU München gearbeitet hat, hat noch viel vor: „Wir planen 33.000 Spaces überall in der Welt.“

 

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