Geert Mackenroth.jpg

Sachsen will Wettbewerb um Auslands-Fachkräfte gewinnen

21.06.2022
Sachsens Ausländerbeauftragter Geert Mackenroth (CDU) fordert einen Ausschuss, der für mehr ausländische Fachkräfte sorgt. Der Handwerkstag hat technische Ideen dafür.

Von Georg Moeritz

Dresden. Sachsens Handwerkstag-Präsident Jörg Dittrich und der Ausländerbeauftragte Geert Mackenroth (CDU) fordern gemeinsam, dass die Landesregierung sich stärker um die Anwerbung ausländischer Fachkräfte kümmert. Mackenroth schrieb in einer Pressemitteilung am Montag, zwar gebe es inzwischen das Fachkräftezuwanderungesetz. Doch damit sei der Staat "nicht so vorangekommen wie erwartet". Das liege auch an der Corona-Pandemie. Das Gesetz gilt seit März 2020. Damit wurde beispielsweise der Vorrang für EU-Bürger bei der Einstellung abgeschafft.

Mackenroth warb mit dem Handwerkstag dafür, dass Sachsens Landesregierung einen "ressortübergreifenden Lenkungsausschuss" einrichtet. Der solle alle Aktivitäten so koordinieren, dass für sächsische Betriebe kompetente Fachkräfte gewonnen werden, "wo immer sie herkommen". Die eigene Ausbildung in den Betrieben werde auf absehbare Zeit nicht ausreichen.

Fachkräfte-Monitoring: Facharbeiter und Gesellen fehlen

Sachsen muss sich nach Ansicht des früheren Justizministers Mackenroth im Wettbewerb um die besten Köpfe gegen starke Konkurrenten durchsetzen - gegen andere Bundesländer und ganz Europa. Allein in Sachsens Handwerk gaben im Fachkräfte-Monitoring der sächsischen Wirtschaft 2022 mehr als die Hälfte der Befragten offene Stellen an. Facharbeiter und Gesellen seien mit Abstand die meistgesuchten Fachkräfte. Im Baugewerbe sei nahezu jede zehnte Stelle nicht besetzt.

Sachsens Handwerkstag-Präsident Dittrich schlug vor, für die Zuwanderung von neuen Mitarbeitern aus dem Ausland eine zentrale, mehrsprachige Online-Fachkräftebörse einzurichten. Eine Hotline gehöre dazu. Beim Thema Zuwanderung von Fachkräften dürfe keine Zeit verloren werden.

Rekord an freien Stellen in Sachsen

Sachsens Ausländerbeauftragter Mackenroth hatte im Mai gefordert, Zuwanderung müsse in Sachsens Gesellschaft grundverankert werden, "sonst verarmen wir nicht nur wirtschaftlich, sondern auch menschlich". Die teilweise negative Grundeinstellung mancher Menschen gegenüber Ausländern sei in Sachsen in viel zu vielen Situationen noch ausgeprägt. Mackenroth war von 2004 bis 2009 Sachsens Justizminister und gehört für die CDU dem Landtag an.

Das Fachkräfte-Monitoring war im Januar von Sachsens Handwerks- sowie Industrie- und Handelskammern veröffentlicht worden. Der Umfrage zufolge haben 60 Prozent der befragten Unternehmen in Sachsen unbesetzte Arbeitsplätze. Bei der vorigen Umfrage im Jahr 2018 waren es noch 55 Prozent. Die Experten der Kammern versuchten eine Hochrechnung auf Basis der Umfrage: Es gebe 64 offene Stellen je 1.000 Beschäftigte. Hochgerechnet seien demnach rund 100.000 Arbeitsplätze frei. In den Computern der sächsischen Arbeitsagenturen stehen 46.000 freie Stellen - ein Rekord. Mehr als jedes dritte Unternehmen in Sachsen beschäftigt laut Fachkräftemonitoring ausländisches Personal.

 

Zur Newsletter-Anmeldung

Bestellen Sie jetzt den kostenlosen E-Mail-Newsletter WIRTSCHAFT in Sachsen und erhalten Sie ab sofort 1x die Woche aktuelle Neuigkeiten aus dem sächsischen und dem nationalen Wirtschaftsgeschehen.

Newsletter bestellen

Weitere Artikel

Hermes baut Logistikstandort an der A13 in Thiendorf

Hermes baut Logistikstandort an der A13 in Thiendorf

Aus einer 160 Meter langen Halle im Gewerbegebiet Thiendorf soll die Region bis in die Landeshauptstadt Dresden hinein beliefert werden.

Bautz’ner hat kaum noch Senf im Lager

Bautz’ner hat kaum noch Senf im Lager

Leere Regale im Lager, aber auch immer wieder in Supermärkten. Dabei produziert das Senf-Werk in Kleinwelka mehr als im Vorjahr - und gibt in einer Frage Entwarnung.

Einkaufstourismus in Sachsen boomt wegen Rekord-Inflation

Einkaufstourismus in Sachsen boomt wegen Rekord-Inflation

Tschechen kaufen vermehrt im Oberland und in Zittau ein, weil viele Produkte bei ihnen schon viel teurer sind. SZ hat die Preise verglichen.

Ist die Energiewende wirklich gescheitert?

Ist die Energiewende wirklich gescheitert?

Gas sollte die Brücke bis zum vollständigen Ausbau der erneuerbaren Energien bilden. Doch nun wird es eng mit der Gasversorgung. Was das bedeutet.