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Sachsens Arbeitgeber werden vorsichtiger mit neuen Jobs

01.08.2022
Arbeitsagentur-Chef Klaus-Peter Hansen hat den Eindruck, dass Sachsens Unternehmer gerade „ein bisschen die Handbremse“ anziehen. Wie geht es weiter?

Von Georg Moeritz

Dresden. Die Zahl der Arbeitslosen in Sachsen ist im Juli erneut gestiegen. Das liegt nicht nur an neu gemeldeten ukrainischen Flüchtlingen, sagt Klaus-Peter Hansen. Der Chef der sächsischen Agenturen für Arbeit sagt, dass die Unternehmen „ein bisschen die Handbremse“ anzögen. Sie meldeten im Juli nicht so viele frei Stellen neu an wie noch im Juni oder vor einem Jahr. Es gebe „erste Zeichen von Verunsicherung“.

Handbremse heiße aber nicht Vollbremsung, betont Hansen. Alleine im Juli erfuhren die Agenturen von mehr als 7.700 freien Stellen. Damit stehen noch immer mehr als 46.000 Angebote in den Computern. Nicht nur Fachkräfte würden gesucht.

Hansen spricht dennoch von Zukunftssorgen. Die Folgen des Ukraine-Krieges würden sich voraussichtlich immer stärker auf dem Arbeitsmarkt zeigen. Der Behördenchef sichert Unterstützung zu. Wie in der Corona-Krise werde Kurzarbeitergeld vom Staat auch künftig zum Erhalt von Arbeitsverträgen beitragen.

Mehr Frauen arbeitslos als vor einem Jahr, weniger Männer

In Sachsen sind jetzt 118.526 Menschen arbeitslos gemeldet. Das sind 2.642 mehr als im Juni, aber 2.863 weniger als vor einem Jahr. Die Zahl der arbeitslosen Frauen ist im Jahresvergleich gestiegen, dagegen sind weniger Männer arbeitslos gemeldet. Zunehmend werden geflüchtete Frauen aus der Ukraine in den Jobcentern beraten und in der Statistik erfasst.

Die Zahl der Arbeitslosen in Sachsen ist etwas niedriger als vor einem Jahr. Zunehmend werden allerdings geflüchtete Menschen aus der Ukraine als arbeitslos registriert, das geschieht je nach Region unterschiedlich schnell.

Die Zahl der Arbeitslosen in Sachsen ist etwas niedriger als vor einem Jahr. Zunehmend werden allerdings geflüchtete Menschen aus der Ukraine als arbeitslos registriert, das geschieht je nach Region unterschiedlich schnell.© SZ Grafik

Verglichen mit Februar stehen jetzt etwa 8.900 arbeitslose Ukrainer mehr in den Tabellen. Agentur-Sprecher Frank Vollgold sagte auf Nachfrage, die Statistik sei noch nicht vollständig. Manche Ukrainer wollten rasch zurück, manche meldeten sich zunächst arbeitsuchend, aber nicht arbeitslos. Vor einer Vermittlung müssten zunächst Gespräche über die Vorkenntnisse stattfinden, Sprachkurse und möglicherweise Kinderbetreuung seien zu finden.

Seit Anfang Juni wurden in den sächsischen Agenturen für Arbeit und Jobcentern etwa 22.000 erwerbsfähige Menschen aus der Ukraine betreut. Darunter können auch Menschen sein, die seit Jahren in Deutschland leben. 16.802 Frauen und 4.820 Männer wurden gezählt. 16.513 wurden als arbeitsuchend eingestuft. Als offiziell arbeitslos gelten derzeit 9.439, das sind diejenigen, die arbeiten wollen und zur Vermittlung sofort zur Verfügung stehen.

DGB Sachsen fordert Tempo für Ukrainer auf Jobsuche

Daniela Kolbe, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Sachsen, sagte in Dresden, nun müsse mehr Fahrt bei der Vermittlung von Arbeitsuchenden aus der Ukraine aufgenommen werden. Den Menschen müsse in Sachsen „eine Perspektive“ geboten werden. Sie müssten Stellen entsprechend ihrer Qualifikation bekommen, nicht „prekäre Beschäftigung mit Niedriglöhnen“. Die Anerkennung von Berufsabschlüssen müsse beschleunigt werden. Der DGB Sachsen hat Informationen zum Arbeitsrecht und zur Entlohnung in ukrainischer und russischer Sprache veröffentlicht.

Hansen sagte, die sächsische Wirtschaft entwickle zunehmend ein Verständnis dafür, weltoffen zu sein und Menschen eine Chance zu geben. Wo es gelinge, zusätzliche Arbeitsplätze zu besetzen, sei das etwa zur Hälfte ausländischen Bewerbern zu verdanken.

Sachsens Arbeitsminister Martin Dulig (SPD) sagte, die sächsischen Unternehmen trotzten bisher den aktuellen Risiken. Der hohe Bedarf an Arbeitskräften biete auch Langzeitarbeitslosen eine Chance. Der Bund müsse für sie auch künftig genügend Geld für Eingliederungsmaßnahmen bereitstellen. In Sachsen waren nach jüngsten Zahlen im Mai 1,64 Millionen Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das waren 18.800 mehr als ein Jahr zuvor.

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