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Sachsens Aufbaubank als Krisenmanager

12.05.2022
Das sächsische Förder-Bankhaus SAB steht im Zeichen von Corona und Ukraine-Krieg – und rüstet sich für eine neue Wirtschaft im Klimawandel.

Die erste Jahresbilanz in der neuen Leipziger Zentrale von Sachsens Aufbaubank SAB ist eine Bilanz im Krisenmodus: Ukraine-Krieg, Corona-Hilfen und Klimawandel beherrschen das Geschäft der landeseigenen Förderbank. Ihre Vorstandschefin Katrin Leonhardt bleibt dennoch optimistisch: „Wir sind in der Krise stark“, sagte sie am Dienstag bei der Präsentation der neuen Zahlen.

Ukraine-Krieg verunsichert Wirtschaft

Das Beratungszentrum Konsolidierung der SAB, das Programme und Förderberatung zur Rettung, Restrukturierung und Umstrukturierung von Unternehmen in schwierigen Lagen anbietet, habe derzeit spürbaren Zulauf, berichtet die Vorstandschefin. Noch sei die Inanspruchnahme solcher Hilfsdarlehen aber gering. Auch die mittelbaren Auswirkungen durch steigende Energiepreise und Lieferengpässe sei bei den SAB-Kunden bislang vertretbar und überschaubar. Die SAB stehe aber bereit, falls der jetzt aufgespannte Schutzschirm der Bundesregierung und ihrer KfW-Bank für Unternehmen, die von Kriegsfolgen betroffen sind, nicht ausreiche. Schließlich habe das Bankhaus nicht zuletzt wegen der Bewältigung der Hochwasserfolgen in früheren Jahren große Erfahrungen mit schwierigen Situationen.

Corona-Hilfen für Tausende Firmen

Eine Herkulesaufgabe hat die Förderbank tatsächlich in der Pandemie bewältigt: Zwischen April 2020 und heute hätten rund 60 Prozent aller Firmen im Freistaat Corona-Hilfen erhalten – rund 100.000 Unternehmen. Mit insgesamt 31 Corona-Hilfsprogrammen seien seither 3,6 Milliarden Euro an Geldern bewilligt worden, darunter 2,8 Milliarden an Zuschüssen und 800 Millionen Euro als Darlehen. Überhaupt sei das Bankgeschäft in den vergangenen zwei Jahren massiv von der Pandemie geprägt gewesen, sagte Leonhardt.

„Und Corona ist noch nicht vorbei – es wird noch eine Weile so weitergehen“, betonte Leonhardt. Allein in den ersten Monaten dieses Jahres hätten mehr als 11.000 Unternehmen etwa 250 Millionen Euro Corona-Gelder bewilligt bekommen. In der Wirtschaftsabteilung der Bank arbeite ein Team von 80 bis 90 Kollegen nur an Corona-Fällen. Die Hilfen haben den Geschäftsumfang der Förderbank aufgebläht – von durchschnittlich etwa zwei Milliarden Euro pro Jahr auf zuletzt rund 3,5 Milliarden Euro.

Personalaufbau am Standort in Leipzig

Daneben verwaltet die SAB fast 200 Förderprogramme für Wohnen, Wirtschaft, Bildung und Digitalisierung und hat dafür aktuell 1.200 Mitarbeiter. Mittlerweile sind am Sitz der neuen Leipziger Zentrale etwa 300 Beschäftigte – neben noch 900 in Dresden. Bis Mitte des Jahres dürften es bereits 400 bis 500 in Leipzig sein, und bis 2025 sollen sich die Beschäftigten gleichmäßig auf beide Standorte verteilen.

Jahresüberschuss fließt in Rücklagen

Unter der Regie der Vorstandschefin will die SAB zugleich ihr Kreditgeschäft weiter ausbauen. Die Summe sei voriges Jahr bereits von 550 Millionen auf 710 Millionen Euro gestiegen, vor allem in der Wohnungswirtschaft, der kommunalen Infrastruktur und bei Unternehmen der Energieversorgung. Unter dem Strich erwirtschaftete die Bank 2021 einen Jahresüberschuss von lediglich 654.000 Euro – nach 997.000 Euro 2020. Dabei habe vor allem das niedrige Zinsniveau das Ergebnis der Bank deutlich belastet, erklärte Vorstandsvize Ronald Kothe. Die Vorstände erwarten aber eine Zinswende und wieder steigende Prozentsätze. Zudem konnte die SAB Rücklagen für Bankrisiken von 45 Millionen Euro auflösen, weil sich die Darlehen besser entwickelt hatten als erwartet. Das Geld fließe nun in Rücklagen der Förderbank. Sie sei damit für neue regulatorische Anforderungen und Krisen „gut aufgestellt“.

Digitale und nachhaltige Zukunft

Fünf Billionen Euro müssen für Deutschlands Klimaneutralität bis 2050 investiert werden, ergab eine Studie im Auftrag der KfW. Für Leonhardt wartet damit auch ein riesiges Geschäftsfeld auf die Förderbank.

Für die ökologische Transformation sollen neue Impulse mit neuen Förderprogramme gesetzt werden. Die SAB hat bereits einen Nachhaltigkeitsmanager installiert und will bis 2045 selbst klimaneutral werden.

Gleichzeitig setzt die Bank darauf, ihre Abläufe weiter zu vereinfachen, zu digitalisieren und komplizierte, papiergebundene Förderprozesse aufzulösen. Ganze Programme sollen künftig automatisiert abgewickelt werden. Ende vergangenen Jahres konnten bereits in 40 von 180 Förderprogrammen Anträge elektronisch gestellt werden. Ihr Anteil soll mit den künftigen Programmen der neuen EU-Förderperiode deutlich steigen.

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