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Sachsens Autozulieferer tun sich schwer

14.05.2019
Der Automobilbau steckt mitten im Wandel. Doch viele Firmen wollen vom E-Antrieb noch nichts wissen.

Ein Großteil der Automobilzulieferer in Sachsen unterschätzt bislang Tempo und Ausmaß des Wandels hin zur Elektromobilität. Das ist das Ergebnis einer Studie im Auftrag des sächsischen Wirtschaftsministeriums. „Die Stimmung ist besser als die Lage“, lautet die Einschätzung von Werner Olle vom Chemnitz Automotive Institute (CATI) in Chemnitz. Ein Grund dafür: Der Wandel sei auf der Straße mit derzeit 1,8 Prozent Neuzulassungen für Elektroautos noch nicht sichtbar. Ab 2025 sollen jedoch rund 30 Prozent der in Deutschland produzierten Fahrzeuge einen E-Antrieb haben. 

Für Sachsen gehen die Wissenschaftler des CATI, das zur TU Chemnitz gehört, sogar von 40 bis 45 Prozent aus, weil neben VW in Zwickau auch Porsche und BMW in Leipzig das Thema massiv vorantreiben. Darauf müssten sich die rund 750 Zulieferer im Freistaat mit derzeit etwa 75 000 Mitarbeitern schon heute einstellen. Für die Studie „Transformation E-Antrieb“ wurden rund 200 Unternehmen mit insgesamt 50 000 Beschäftigten analysiert. 

Die Untersuchung habe demnach auch gezeigt, dass etwa 300 Bauteile im gesamten Fahrzeug von Veränderungen betroffen seien oder ganz wegfielen, ergänzt Dirk Vogel vom Automobilzuliefernetzwerk AMZ. Am gravierendsten treffe dies den Antriebsstrang, wobei derzeit 40 Prozent der sächsischen Zulieferer in diesem Bereich tätig seien. Bei einem Produktionsanteil von künftig 40 Prozent E-Autos geht die Studie davon aus, dass damit jeder fünfte Arbeitsplatz bei Getriebe und Co. zur Disposition steht. Keine endlosen Investitionen möglich 

Keine endlosen Investitionen möglich

„Es wird Unternehmen geben, die diese Transformation nicht überleben werden“, glaubt Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD). Gleichzeitig entstünden aber auch neue innovative Ideen, Unternehmen und Geschäftsmodelle, wenn sich die Zulieferer jetzt aktiv auf den Wandel einstellten. Der Freistaat wolle dies mit entsprechenden Fördermaßnahmen unterstützen. Zugleich wirbt der Minister für Offenheit mit Blick auf verschiedene Antriebstechnologien. Es wäre nicht verantwortlich, lediglich auf die Elektromobilität zu setzen. Gerade in Sachsen gelte es, bereits laufende Forschungen zu Wasserstoff oder synthetischen Kraftstoffen weiter voranzubringen.

Mit einer Roadshow will das Zuliefernetzwerk AMZ die Unternehmen der Branche für Chancen und Risiken des Transformationsprozesses sensibilisieren. Der Auftakt der sechsteiligen Veranstaltungsreihe fand vor wenigen Tagen bei dem Fahrzeugteilehersteller UKM statt. Der Mittelständler mit 650 Mitarbeitern und drei Standorten in Ostsachsen sowie einer Produktionsstätte im französischen Vieux Charmont arbeitet demnach seit drei Jahren an einer strategischen Neuausrichtung.

„Allein in die Weiterbildung unserer Mitarbeiter haben wir bislang eine halbe Million Euro investiert“, sagte Geschäftsführer Thorsten Vogt. Zudem erschließe man neue Branchen und Geschäftsfelder, beispielsweise im Leichtbau. So habe man die Abhängigkeit vom Automobilbau von 80 auf unter 50 Prozent – gemessen am Jahresumsatz von 80 Millionen Euro – senken können.

Gerade für den Mittelstand seien jedoch die Rahmenbedingungen entscheidend, weil man nicht endlos investieren könne. So brauche es eine klare Antwort auf die Frage, welche Antriebstechnik künftig favorisiert werde. Denn die Unternehmen müssten wissen, auf welchen Zug sie aufspringen sollten. „Zweimal aufspringen wird für uns als Mittelständler nicht funktionieren.“ 

 

Von Claudia Drescher 

Foto:  © dpa/Sebastian Kahnert

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