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Sachsens bestes Weingut

13.01.2021
Ein Wahl-Meißner verhilft dem hiesigen Wein zu noch mehr Ansehen. Dabei sind der Entwicklung keine Grenzen gesetzt.

Von Uta Büttner 

Meißen. Ein kleines Weingut nimmt es mit den ganz Großen auf. Der Betrieb von Martin Schwarz in Meißen mit gerade einmal knapp drei Hektar eigener Rebfläche wurde im Fachmagazin „Vinum Weinguide Deutschland 2021“ als bestes Weingut in Sachsen ausgezeichnet.

„Martin Schwarz bleibt das Maß der Dinge. Er konnte sich mit seinen Weinen nochmals steigern, auch wenn die besten Lagenweine erst nächstes Jahr im Verkauf sein werden. Gerade bei Riesling, Chardonnay und Spätburgunder setzt er die Messlatte in der Region“, heißt es vom federführenden Vinum-Verkoster in Sachsen, Matthias Dathan.

„Wir haben außerdem 3,5 von vier möglichen Sternen bekommen und sind damit das beste Weingut Ost-Deutschlands. Mit der Erscheinung dieser Bewertung sind wir mehr als stolz, aber noch lange nicht am Ende“, sagt Philipp Henke, verantwortlich für Vertrieb und Marketing im Weingut. Und Martin Schwarz meint erfreut: „Der Wein in Toplagen hier in Sachsen kann sich mit Weinen in anderen Regionen messen.“

Prämiert mit 91 von 100 möglichen Punkten wurden der Riesling 2018 vom Meißner Kapitelberg sowie der Pinot Noir 2016 vom Friedstein in Radebeul. Beides Steillagen. Der Rotwein ist schon vergriffen. Doch kein Problem, „der Nachfolger aus 2018 ist noch besser“, sagt Schwarz. Denn 2018 sei sensationell für Rotweine gewesen. Diesen Jahrgang konnte er jedoch für den Weinführer noch nicht einreichen, „Tank- und Fassproben sind nicht zugelassen“, erklärt er, der gemeinsam mit Grit Geißler das Weingut betreibt.

Friedstein, wo die Trauben für den edlen Tropfen wachsen, hatte fast 100 Jahre brach gelegen. Erst 2009 begannen Schwarz und Geißler mit der Neu-Bepflanzung der Steillage unterhalb des Friedsteinschlösschens. „Rund 300 Bäume waren inzwischen auf der etwa ein Hektar großen Rebfläche gewachsen“, erzählt Schwarz. Vier Jahre hatte es gedauert, bis er die Genehmigung zur Rodung erhielt.

Erst Elektrotechnik, dann Weinbau

2013 hatte der gebürtige Kasselaner das historische Weingut aus dem Jahre 1695 an der Dresdner Straße gekauft. Inzwischen ist es größtenteils saniert. Nach Sachsen führte den heute 58-Jährigen eine Anstellung beim Weingut Schloss Proschwitz, nachdem er sein Studium Weinbau und Önologie in Geisenheim absolviert hatte. Neben Radebeul und Meißen bewirtschaftet Schwarz noch Weinberge in Merbitz und Diesbar-Seußlitz. Zudem ist er Geschäftspartner der Wolkenberg GmbH, die einen Weinberg auf einer ehemaligen Tagebaufläche in Brandenburg bewirtschaftet.

Doch was gehört dazu, einen ausgezeichneten Wein zu produzieren? „Leidenschaft“, sagt Schwarz. Vorbelastet sei er gewesen, sein Vater habe gern Wein getrunken. Urlaube wurden in verschiedenen Weinregionen verbracht. Trotzdem entschied sich Schwarz zunächst nicht für eine Ausbildung im Weinbau. Seine erste Wahl war die Elektrotechnik.

Dann erfuhr er während seines Studiums von der Fachhochschule in Geisenheim. „Dort habe ich mich sofort zuhause gefühlt.“ Die Ausbildung zum Diplom-Ingenieur der Elektrotechnik brach er kurz vor dem Abschluss deshalb ab. „In Geisenheim hatte ich eine tolle Zeit, bin richtig aufgeblüht“, schwärmt er heute noch.

Doch auch Erfahrung gehört zu seinem Geschäft. „Beim Prinzen war ich für die Produktion verantwortlich. Ich war gefordert, es war anstrengend, aber auch eine sehr schöne Zeit. Mein großes Glück war, dass ich völlig freie Hand hatte. Wir haben wie Pioniere alles neu aufgebaut.“

Zudem reise er gern, schaue sich andere Weinbaugebiete an und sei offen für Neues. „Ich bin experimentierfreudig, technisch begeistert. Auf der anderen Seite weiß ich die Tradition zu schätzen.“ Zudem sagt Grit Geißler, er sei sehr penibel. „Ich habe Ehrgeiz“, meint Schwarz, „vielleicht kann man auch penibel dazu sagen. Wenn ich etwas mache, dann will ich es richtig machen. Jeder Wein ist wieder ein neues Erlebnis.“

Umweltschonender Anbau

Die viele nötige Handarbeit in den Steillagen scheuen er und seine Partnerin nicht. „Es sind sehr viel Pflege und Aufwand nötig und der Ertrag ist knapp.“ So erhalte man aus einer Steillage-Fläche von einem Hektar maximal 1.000 Flaschen Wein. In anderen Lagen seien es 7.000 bis 10.000 Flaschen, sagt er. So sei auch der hohe Preis solcher Weine zu erklären.

Ein Anliegen von Martin Schwarz ist das umweltschonende Arbeiten. So dünge er nicht mineralisch. „Beim Pflanzenschutz sind wir noch nicht ganz so weit, streben es aber an.“ Wobei biologischer Anbau nicht bedeute, nicht zu spritzen. Sondern öfter mit Mitteln, die nicht so lange wirken, erklärt er. „Wir spritzen auch jetzt schon nicht jedes Mittel.“ Aber phosphorige Säure gegen den falschen Mehltau sei beim biologischen Anbau leider nicht erlaubt, obwohl sie umweltverträglich sei und man damit große Mengen an Kupfer einsparen könne.

Jetzt hoffen die beiden, bald wieder Kunden auf dem Weingut begrüßen zu können. Die Folgen der Corona-Krise bekommen sie auch zu spüren. „Wir machen ja nicht nur Wein, wir zelebrieren die Weinkultur mit Seminaren, Weinbergwanderungen, Führungen und Proben. So lernen die Leute den Wein auch wertzuschätzen. Und dafür brauchen wir den direkten Kontakt.“

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