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Sachsens erfolgreichste Gründerin kommt aus Leipzig

11.10.2021
Handwerk, Textil und Mode – aus diesen drei Branchen kommen die Gewinnerinnen des Sächsischen Gründerinnenpreises 2021.

Von Nora Miethke

Im Osterurlaub 2000 war Jaqueline Hausotte in Böhmen unterwegs. Als Studentin der Kunstgeschichte war sie architektonisch interessiert und besuchte die Friedhöfe in Böhmen. „Auf Friedhöfen kannst du den Reichtum und die Geschichte einer Region ablesen“, erzählt sie zwanzig Jahre später immer noch begeistert. Sie kam nach einer Woche zurück nach Leipzig und sagte sich: „Das will ich machen. Ich will nicht darüber reden oder schreiben, was auf den Friedhöfen steht, sondern ich will wissen, wie es gefertigt wird“, so die heute 43-Jähre. Sie schmiss ihr Studium und wurde Steinmetzin.

Nach zehn Jahren in Feststellung fand Jaqueline Hausotte es im Jahr 2016 an der Zeit, sich selbstständig zu machen. Sie kündigte, mitten in der Meisterschule mit Sondergenehmigung der Handwerkskammer, ihre Festanstellung und gründete ein Unternehmen. Fünf Jahre später hat sie mittlerweile zwei Steinmetzfirmen gekauft, unter dem Namen „JH Steingestaltung“ vereinigt und beschäftigt an drei Standorten inzwischen zwölf Menschen. Mit ihrem Team entwirft, fertigt und restauriert sie Grabsteine, Schriften und Ornamente und setzt dabei auf regionale Natursteine. Dafür wurde ihr am Samstag von Gleichstellungsministerin Katja Meier (Grüne) der Preis als erfolgreichste sächsische Gründerin 2021 verliehen, dotiert mit 5 000 Euro.

Die Preisträgerinnen Peggy Wunderlich (l-r), Geschäftsführende Gesellschafterin STW Sächsische Textilwerke GmbH, Jacqueline Hausotte, Inhaberin der JH Steingestaltung GmbH, und Franziska Klee, Geschäftsführerin Franziska Klee Taschen und Accessoires aus N
Die Preisträgerinnen Peggy Wunderlich (l-r), Geschäftsführende Gesellschafterin STW Sächsische Textilwerke GmbH, Jacqueline Hausotte, Inhaberin der JH Steingestaltung GmbH, und Franziska Klee, Geschäftsführerin Franziska Klee Taschen und Accessoires aus N © dpa-Zentralbild

Insgesamt wurden auf der Preisverleihung im Kraftwerk Mitte drei Preisträgerinnen ausgezeichnet. Die Zweitplatzierte Peggy Wunderlich, Inhaberin der STW Sächsische Textilwerke GmbH in Crimmitschau, erhielt ein Preisgeld von 2000 Euro. Ihre Marke steht für traditionelle Wandbespannungen aus Seide und Dekorationsstoffe für historische Möbel, Vorhänge und die Ausstattung exklusiver Räume, Autos und Yachten. Historische Nachstellungen wie Neukreationen von Seidenstoffen begeistern nicht nur inländische Kunden und Kundinnen. Aufträge bekommt Peggy Wunderlich unter anderem auch aus Schweden und Großbritannien. Cornelia Jahnel, Vorsitzende der neunköpfigen Jury, verriet, dass es „intensivste“ Diskussionen gab, wem der erste Preis gebührt – Jaqueline Hausotte oder Peggy Wunderlich. Deshalb gibt es in diesem Jahr zwei Preise. Insgesamt hatten sich 36 Gründerinnen beworben. Ziel ist es, die Existenzgründungen von Frauen sichtbar zu machen und Vorbilder zu schaffen.

Erstmals Nachhaltigkeitspreis verliehen

Erstmalig wurde auch ein Nachhaltigkeitspreis verliehen, gestiftet von der AOK Plus Sachsen mit 2000 Euro. Er würdigt das Engagement von Franziska Klee. Zum Portfolio ihrer gleichnamigen Marke gehören über 50 eigene Accessoires- und Taschenmodelle aus Naturleder. „Worte wie Nachhaltigkeit, Fairness und Slow Fashion sind für mich keine Trends, sondern gelebte Werte“, schrieb die Leipziger Gründerin in ihrer Bewerbung. Sie legt Wert auf Transparenz in der Lieferkette und im Herstellungsprozess, das Leder kommt aus dem Allgäu, es wird auf natürlichem Wege in Hof gegerbt, Für die Reisverschlüsse wird Material aus recycelten Plastikflaschen verwendet.

Franziska Klee ist Preisträgerin des ersten Nachhaltigkeitspreises für sächsische Gründerinnen, gestiftet von AOK PLus Sachsen. Foto: kairospress
Franziska Klee ist Preisträgerin des ersten Nachhaltigkeitspreises für sächsische Gründerinnen, gestiftet von AOK PLus Sachsen. Foto: kairospress © kairospress

Auffällig sei, dass immer mehr Geschäftsideen von Frauen einen Nachhaltigkeitsgedanken verfolgen, betonte Ministerin Katja Meier. Und an der Gründungstätigkeit in Deutschland im Jahr 2020 lasse sich erkennen, dass Frauen sich schneller auf die neuen Krisenbedingungen eingestellt hätten als Männer, so die Gleichstellungsministerin. Während insgesamt die Zahl der Existenzgründungen im Corona-Krisenjahr 2020 um elf Prozent zurückgegangen sind, blieb die Zahl der Gründerinnen mit 205 000 nur leicht unter dem Vorjahresniveau. Nach Angaben des „KfW-Gründungsmonitors 2021“ haben Frauen häufiger als Männer ihre Geschäftsmodelle angepasst und ihre Gründungspläne dennoch umgesetzt. In Sachsen konnten im vergangenen Jahr 25 728 Gewerbeanmeldungen registriert werden, davon kam jede dritte von einer Frau (33 Prozent).

Auch Gewinnerin Jaqueline Hausotte hat noch viele Pläne. Sie träumt von einem eigenen Steinbruch. „Im Alter möchte ich einen eigenen Steinbruch haben, ein Whiskeyfass drinstehen haben und Tontauben schießen – das ist der Plan fürs Alter“, sagt die Mutter eines Sohnes und lacht.

 

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