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Sachsens Landwirte bangen um Existenz

08.07.2020
Frost und Trockenheit sorgen das dritte Jahr in Folge für Ernteverluste. Die Landwirte müssen jetzt umdenken, um ihr Überleben zu sichern.

Von Maria Fricke 

Großweitzschen/Sachsen. Für den Laien ist es kaum zu erkennen. Doch ein Teil der Gerstenpflanzen auf den Feldern von Landwirt Torsten Krawczyk in Westewitz ist Mitte Mai erfroren. In manchen Regionen Sachsens werden die Ausfälle bei dem Getreide zwischen 20 und 80 Prozent betragen, so der Präsident des Sächsischen Landesbauernverbandes.

Die Ausfälle bei der Gerste belasten die Landwirte in Sachsen zusätzlich. Denn schon aufgrund der anhaltenden Trockenheit ist das dritte Jahr in Folge auch 2020 mit Ernteeinbußen zu rechnen. Ganz Sachen betrachtet werden die Mengen an Weizen, Roggen und Mais unter dem Durchschnitt liegen, sagte Krawczyk am Dienstag zum Auftakt der Erntesaison in Westewitz. 

Doch die Ausfälle treffen den Freistaat ganz unterschiedlich. In Westewitz, der Region Döbeln und der Lommatzscher Pflege seien die Auswirkungen der Dürre, die Sachsen insgesamt mit am stärksten in Deutschland trifft, wesentlich weniger zu spüren. „Wir sind noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen“, schätzte der Präsident ein. Für die Region rechnet er mit einer durchschnittlich guten Ernte. Der wenige Regen, den es bisher gab, sei im Altkreis zur richtigen Zeit gefallen. „Wir sind hier weit weg von einer katastrophalen Ernte“.

„Die Stimmung ist zurzeit katastrophal“

Als Ersatz für wegfallende Kulturen werde nach wie vor häufig Weizen oder Mais anbaut. Von einer „Vermaisung“ der Landwirtschaft wollte Krawczyk aber nicht sprechen. „Wir haben auf 18 Prozent der Flächen Mais in Sachsen“, sagte der Landwirt. Die Pflanze komme noch am ehesten mit Trockenheit zurecht. 

Zudem soll durch den Mais verhindert werden, dass zweimal in Folge auf einer Fläche Weizen angebaut werde. Darüber hinaus komme der Mais auch als Heilungspflanze in Frage, zum Beispiel auf gerodeten Flächen im Obstanbau. „Dort heilt er den Boden von Krankheiten“, sagt Krawczyk. Zukünftig mehr in den Anbau von Gemüse zu investieren, hält der Präsident hingegen für problematisch. „Das ist sehr anspruchsvoll und braucht eine Direktvermarktung dahinter.“

Diese ist beispielsweise in Nordsachsen, der Region Leipzig oder der Oberlausitz zu erwarten. „Die Stimmung dort ist zurzeit katastrophal“, machte der Landwirt deutlich. Manche Bauern bangten um ihre Existenz. Um vor allem den besonders betroffenen Landwirten wieder eine Perspektive zu geben, forderte Krawczyk erneut eine Risikoabsicherung mit fairen und ausgewogenen Rahmenbedingungen für die Landwirte. Angesprochen ist damit eine Mehrgefahrenversicherung, die neben Frost-, Hagel-, Sturm- und Starkregenschäden auch die Verluste infolge der Trockenheit absichern soll.

Landwirtschaft muss sich auf neue Bedingungen einstellen

„In Baden-Württemberg gibt es das schon, in Sachsen sind im Bereich des Weinbaus erste Erfahrungen damit gemacht worden“, so der Torsten Krawczyk. Er plädierte dafür, in Sachsen ein Pilotprojekt mit besonders stark betroffenen Betrieben, aber auch Unternehmen aus guten Standorten zu starten, noch bevor es eine einheitliche Regelung auf Ebene des Bundes gibt. Dass diese komme, darauf haben sich der Landesbauernverband und die Landesregierung laut Koalitionsvertrag geeinigt.

Sachsens Landwirtschaftsminister Wolfram Günther (Bündnis 90/Die Grüne) machte deutlich, dass die Landesregierung sich das Vorgehen in Baden-Württemberg anschaue, um eine finanzielle Basis festzulegen, die für die Versicherung notwendig ist. Nur mit jener staatlichen Anschubfinanzierung würden die Versicherungsprämien für die Landwirte bezahlbar bleiben, ergänzte Krawczyk.

Begleitet wurden der Landwirstschaftsminister Wolfgang Günther (Bündnis 90/Die Grünen, links) sowie Landesbauernpräsident Torsten Krawczyk (rechts) von Prinzessin Wibke Frotscher (zweite von links) und Erntekönigin Elisabeth Dreher.
Begleitet wurden der Landwirstschaftsminister Wolfgang Günther (Bündnis 90/Die Grünen, links) sowie Landesbauernpräsident Torsten Krawczyk (rechts) von Prinzessin Wibke Frotscher (zweite von links) und Erntekönigin Elisabeth Dreher. © Lars Halbauer

Zugleich betonte der Minister, dass sich die Landwirtschaft in Sachsen auf die neuen Bedingungen einstellen müsse. „Betriebe müssen, wo immer möglich, in Eigenverantwortung umsteuern, indem sie beispielsweise andere Sorten anbauen und Anbaumethoden verändern“, so Günther. Zu einzelnen Maßnahmen gebe es im Freistaat auch Möglichkeiten der Förderung. 

„Es ist ein Korb von einzelnen Instrumenten, die anzuwenden sind“, sagte Günther. Einige Landwirte in Nordsachsen wären bereits dabei, umzudenken. Ihnen zu helfen, das sei nun die Aufgabe, fügte der Präsident des Landesbauernverbandes hinzu. Krawczyk hofft, dass sich die Preise am Markt noch verbessern. 

Rapsanbau lohnt sich für Sachsens Bauern kaum

Um wirtschaftlich zu sein, fehlten pro Tonne Getreide 20 bis 30 Euro. Der Preis für Weizen sei in den vergangenen Wochen um zehn Euro pro Tonne gefallen. Auch Gerste werde derzeit mit 140 Euro pro Tonne schlecht gehandelt. Stabil seien die Preise für Roggen und Raps. Doch der Rapsanbau lohne sich für die Landwirte kaum noch.

Nach dem Verbot von Pflanzenschutzmitteln waren die Erträge 2018 um 30 Prozent eingebrochen. Im vergangenen Jahr sind nur knapp 5 Prozent mehr geerntet worden. Aber die Erträge reichten nicht mehr aus, damit der Anbau wirtschaftlich sei, meinte Krawczyk. Anbauverhältnisse wie vor 2018 werde es nicht mehr geben. „Leider, die Pflanzen werten den Boden auf. Mit dem Raps verschwindet auch eine blühende Kultur.“

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