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Sachsens Mittelstand auf dem Weg der Besserung

14.10.2021
Lieferengpässe, knappes Material und Personal erschweren nach der Krise den Aufschwung. Auch das finanzielle Polster ist deutlich dünner geworden.

Von Michael Rothe 

Dresden. Sachsens Mittelstand hat sich nach dem Corona-Einbruch 2020 weiter erholt. Zu dem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform. Demnach sehen die Unternehmen sowohl ihre Geschäftslage als auch ihre Zukunft deutlich positiver als noch vor einem Jahr. Deutschlandweit liegt der Geschäftsklimaindex sogar wieder auf dem Niveau von vor der Pandemie.

„Auch in Sachsen ist die Stimmung merklich besser“, sagt Andreas Aumüller, Chef und Inhaber des Dresdner Standorts von Creditreform. Die Wirtschaft sei aber nicht so euphorisch wie anderswo. Gerade im Freistaat mit dem Fokus auf die Autoindustrie werde der Aufschwung gebremst durch Lieferengpässe, Chipmangel und Personalnot. Vor allem in der Gastronomie fehlten Leute. Der Aufschwung vollziehe sich verhaltener, „aber wir sind auf gutem Weg“. Viele der 188.000 aktiven Unternehmen verzeichneten wieder bessere Auftrags- und Umsatzzahlen, so der Experte.

In den nächsten Monaten werde das Wachstum noch anziehen, prophezeit Aumüller. Nicht mal jedes zehnte Unternehmen befürchte sinkende Umsätze. Vor einem Jahr sei es noch fast jedes vierte gewesen. Gut 28 Prozent, fast doppelt so viele wie einst, erwarteten mehr Geschäft. Ein Indiz seien steigende Auftragseingänge.

Essengehen wird zum Luxus

Mit der Unsicherheit im ersten Coronajahr war die Investitionsbereitschaft in Sachsen eingebrochen. Mittlerweile will gut die Hälfte der Unternehmen und mehr als der Bundesdurchschnitt investieren und jeder vierte Betrieb sein Personal aufstocken. Aber mit wem? In der Gastronomie seien über 30 Prozent der Belegschaft in andere Branchen gewechselt. Bei der Rekrutierung sei Kreativität gefragt, sagt Aumüller – auch bei Löhnen, Arbeitszeit und Belastung.

Höhere Preise sind vorprogrammiert. „Das tägliche Essengehen wird zum Luxusgut“, prophezeit Thomas Schulz, Prokurist bei Creditreform in Dresden. Er sieht ganze Geschäftsmodelle auf dem Prüfstand, so im Textilhandel. Es werde viele, auch stille, Insolvenzen geben, so der der Leiter Vertrieb und Wirtschaftsinformation. Die erwartete Pleitewelle sei bislang auch ausgeblieben, weil die Unternehmen mit hohen Eigenkapitalquoten in die Krise gestartet seien.

Lange hatte Sachsens kleinteilige Wirtschaft mit im Schnitt 36 Prozent bundesweit das dickste Polster. Doch Verluste in der Pandemie haben den Speck vielerorts aufgezehrt. „Jetzt hat etwa ein Drittel keine zehn Prozent Eigenkapital mehr“, warnt Schulz. Vor allem Kleinbetriebe hätten verloren. Andererseits verfügten gut 30 Prozent über eine solide Quote von über 30 Prozent. Rückenwind erhielt der Mittelstand durch gute Zahlungsmoral der Kunden. Keine sieben Prozent beklagen Ausfälle von über einem Prozent des Umsatzes.

Politik mit der Gießkanne

Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung in Neuss, nennt die „scheinbar entspannte Situation Folge der Gießkannenpolitik der Bundesregierung“ mit ausgesetzter Insolvenzantragspflicht, Kurzarbeitergeld, staatlichen Hilfskrediten, Überbrückungshilfen, umfangreichen Garantien für Unternehmen.

In der Krise habe es, anders als üblich, kaum Pleiten in der Gastronomie gegeben, sagt Prokurist Schulz. Paradoxerweise seien im Lockdown oft bessere Erträge gemeldet worden, als wenn das Geschäft gelaufen wäre. „Die Herausforderung begann, als das Restaurant öffnete“, sagt Schulz.

Creditreform ist Deutschlands führender Anbieter von Wirtschaftsinfos, Marketingdaten und Forderungsmanagement. Die Auskunftei hat 128 Geschäftsstellen. Das Dresdner Büro mit 43 Mitarbeitern ist für das Postleitzahlgebiet 01 zuständig.

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