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Sachsens Tourismus verliert sieben Milliarden Euro

30.12.2021
Der Tourismus ist eine der am stärksten von der Pandemie betroffenen Branchen in Sachsen. Ein Überblick über ein Geschäft in Not.

Von Andrea Schawe 

Dresden. Geschlossene Hotels, keine Messen, abgesagte Weihnachtsmärkte: Die Tourismusbranche leidet schon das zweite Jahr infolge unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Die Lage sei prekär, sagt Jörg Markert, der Präsident des Landestourismusverbandes am Dienstag. Die Corona-Krise habe den Tourismus phasenweise völlig zum Erliegen gebracht. „Von Tourismus wie wir ihn kennen, kann gegenwärtig nicht mehr die Rede sein.“

Umsatzverluste von 3,5 Milliarden Euro

Von Januar bis Oktober 2021 kamen 3,8 Millionen Gäste nach Sachsen. Das sind etwa 47 Prozent weniger als 2019, dem Jahr vor der Pandemie. Sie buchten elf Millionen Übernachtungen in sächsischen Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen oder auf Campingplätzen – ein Minus von 37 Prozent im Vergleich zu 2019.

Die Zahlen für November und Dezember liegen noch nicht vor. Wegen der Corona-Beschränkungen ist aber erneut das wichtige Weihnachtsgeschäft verloren gegangen, sagt Verbandsdirektor Manfred Böhme. Seit November sind in Sachsen touristische Übernachtungen verboten, die Weihnachtsmärkte abgesagt. Auch die Skilifte in den Wintersportgebieten dürfen nicht fahren.

Nach Angaben des Landestourismusverbandes rechnet die Branche mit einem Umsatzverlust von insgesamt 3,5 Milliarden Euro – etwa 40 Prozent der Umsätze im Vergleich zum Niveau vor Corona. Die fehlenden Übernachtungen summieren sich auf 1,88 Milliarden Euro, die Ausgaben im Tagestourismus gingen um 1,62 Milliarden Euro zurück. Zusammen mit 2020 beläuft sich der Umsatzverlust in der Branche auf insgesamt etwa sieben Milliarden Euro.

Sachsen punktet als Reiseziel

Dass Sachsen als Reiseziel immer noch attraktiv ist, zeigen die Sommermonate. Insgesamt 3,42 Millionen Gäste wurden von April bis Oktober 2021 in sächsischen Beherbergungsstätten gezählt, teilt das Statistische Landesamt mit – das waren etwa zwei Prozent mehr als im Sommer 2020, obwohl die Betriebe nach dem monatelangen Lockdown im Frühjahr erst im Juni wieder öffnen konnten.

Auch die Zahl der Übernachtungen lag mit etwa 9,5 Millionen zwei Prozent über dem Vorjahreswert. Von Juni bis August konnten die Betriebe bis zu 80 Prozent des Geschäftsvolumens von 2019 erreichen, sagt Manfred Böhme. „Das ist ein sehr gutes Ergebnis.“

Besonders beliebt waren die Stadt Leipzig und das Burgen- und Heideland in der Umgebung. Die Messestadt verbuchte fast ein Viertel mehr Gäste und Übernachtungen als im Sommer 2020. In der Sächsischen Schweiz wurde dagegen fast ein Viertel weniger Besucher als im Rekordsommer 2020 gezählt.

Großstädte erleben dramatischen Einbruch

Dresden, Leipzig und Chemnitz leiden besonders stark unter den Auswirkungen der Pandemie. Durch den Wegfall von Messen und Kongressen fehlt der Geschäftstourismus, abgesagte Großveranstaltungen machen Städtereisen unattraktiv.

Die Landeshauptstadt verbuchte ein Minus von 53 Prozent bei den Gästeankünften und von Minus 48 Prozent bei den Übernachtungen. Für Leipzig waren die Einbußen mit minus 48 Prozent bei den Ankünften und minus 40 Prozent bei den Übernachtungen nur etwas geringer. Auch ausländische Besucher fehlten. Das gilt deutschlandweit, auch Berlin und Hamburg verzeichnen einen dramatischen Einbruch der Touristenzahlen, so Böhme.

Weniger Arbeitskräfte, weniger Eigenmittel

Die Folgen der Corona-Pandemie werden langfristig spürbar sein, sagt Jörg Markert. Wegen der Abwanderung vieler Fachkräfte und zusammengeschmolzener finanzieller Mittel der Betriebe erwarte er, dass die Krise im Tourismusgewerbe noch mindestens drei Jahre andauern werde. Die Branche brauche daher auf längere Zeit finanzielle Hilfe und Unterstützung vom Staat.

Kurzfristig gebe es die Hoffnung, dass die Wintersaison im Freistaat doch noch starten kann. Tourismus unter 2G oder 2G-plus Bedingungen sei vertretbar und möglich, so Markert. Er appellierte an die Menschen, sich impfen zu lassen. Das trage zur Bewältigung der Pandemie bei und helfe so dem Tourismus.

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