wqa4jbcyzipryrlkarha973a3c79vl78.jpg

Sachsens Vermieter warnen: Spar-Heizung wird teuer

04.05.2022
Sachsens Wohnungswirtschaft will sich bei der Modernisierung keine Vorschriften mit "Öko-Romantik" machen lassen.

Von Georg Moeritz

Dresden. Die großen Wohnungsunternehmen in Sachsen befürchten eine neue Kostenfalle für sich und ihre Mieter. Die geplanten Vorschriften für sparsame Heizungen führen entweder zu stark steigenden Mieten oder zum "Investitionskollaps", sagte am Montag in Dresden Rainer Seifert, Direktor des Verbands der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Sachsen (VDW).

Seifert kritisierte die Ankündigung der Bundesregierung, dass jede neu eingebaute Heizung in Deutschland ab 2024 zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden muss. Dieser Plan mache zwar die Mieter weniger abhängig vom Weltmarkt für Energie. Doch die Ausgaben für neue Heiztechnik wie Luft-Wärme-Pumpen, Solarthermie auf dem Dach und Speicher würden die Mieten um mindestens 70 Cent pro Quadratmeter steigen lassen – also für eine Wohnung mit 60 Quadratmetern um mindestens 42 Euro im Monat.

Die Preise für Instandhaltungen und für Heizanlagen sind nach Berechnungen des Statistischen Landesamts in Sachsen voriges Jahr um rund 20 Prozent gestiegen. Seifert sagte, zudem seien Material und Handwerker schwer zu bekommen. Angesichts der hohen Energiepreise und Baukosten könne sich die Wohnungswirtschaft "momentan keine Öko-Romantik leisten".

Kaltmiete bei Großvermietern im Schnitt 5,36 Euro

Die Bundesregierung solle lieber für langfristige Planungssicherheit sorgen. Stattdessen habe sie schon "Scheinförderprogramme" veröffentlicht, bei denen die Subventionen am ersten Tag vergriffen waren.

Die sächsischen Immobilienbesitzer fürchten den Zorn ihrer Mieter angesichts steigender Betriebskosten. Voriges Jahr seien die warmen Betriebskosten um 3,15 Prozent gestiegen, dieses Jahr drohe viel mehr – angesichts einer "Preisexplosion" vor allem bei Erdgas. Die Einmalzahlungen aus dem Entlastungspaket vom Bund würden "bei Weitem nicht reichen".

Die Kaltmieten dagegen sind bei den VDW-Mitgliedsunternehmen, darunter viele kommunale Firmen und Genossenschaften, voriges Jahr lediglich um 1,71 Prozent gestiegen. Im Durchschnitt erreichten sie auf dem Lande 5,07 Euro je Quadratmeter und 5,88 Euro in Dresden und Leipzig. Die Kaltmiete sei im Schnitt um neun Cent höher gewesen als im Jahr zuvor und damit auf 5,36 Euro pro Quadratmeter moderat gestiegen. Die Miet-Erhöhungen lägen damit weit unter der Inflationsrate, die im Durchschnitt der Monate des vorigen Jahres in Sachsen 3,1 Prozent erreichte. Das zeige, wie ernst vor allem die kommunalen Wohnungsunternehmen ihre soziale Verantwortung nehmen würden: "Die Spielräume, das Wohnen in Sachsen bezahlbar zu halten, werden aber immer enger."

Für dieses Jahr haben sich die Immobilienfirmen vorgenommen, in Sachsen 659 neue Wohnungen zu bauen, nach 598 im vorigen Jahr. Angesichts der Baupreise werde aber wahrscheinlich nicht alles umgesetzt. Seifert widersprach erneut der Annahme, es gebe Wohnungsnot in Sachsen. Vielmehr stünden 10,8 Prozent der Wohnungen leer. Auch für Geflüchtete gebe es "ausreichend Wohnraum in Sachsen", allerdings eher in Reichenbach und Riesa als in beliebten Großstadtvierteln. Der Staat müsse die Menschen aufs Land verteilen.

Mehr Geld für Neubauten, weniger für Modernisierung

Laut Verband haben die 120 Mitgliedsunternehmen 2021 rund 432 Millionen Euro in ihre Wohnungs- und Immobilienbestände investiert. Im Jahr davor waren es 417 Millionen Euro, allerdings bei niedrigeren Preisen. Mit Blick auf den sozialen Wohnungsbau in den Metropolen Dresden und Leipzig sei dabei ein stärkerer Fokus auf Neubau zu erkennen. Die Investitionen in Neubauten seien um 27,7 Prozent gestiegen. Bei Instandhaltung und Modernisierung habe es dagegen einen Rückgang um jeweils knapp sieben Prozent gegeben.

"Vor allem im ländlichen Raum wird es angesichts der hohen Baukosten bei gleichzeitig niedrigen Mietniveaus für die Unternehmen immer schwieriger, Investitionen im Bestand umzusetzen", betonte Seifert. Die Politik müsse mit einer langfristig angelegten, nachvollziehbaren Förderpolitik und verlässlichen Rahmenbedingungen Unterstützung leisten. Leider sei aber das Gegenteil der Fall.

"Plötzliche Förderstopps, Unklarheiten zu neuen Förderbedingungen, eine Hängepartie beim Thema CO2-Preis, Stillstand beim drückenden Thema Altschulden und unzureichende Reaktionen auf die extrem gestiegenen Baupreise und Kapazitätsengpässe haben der Wohnungswirtschaft viele Steine in den Weg gelegt. So kann es keinesfalls weitergehen", betonte der Verbandschef.

Auch der Abriss alter Wohnungen in Sachsen sei weiterhin nötig. Im vorigen Jahr seien 402 Wohnungen von Unternehmen im Verband "rückgebaut" worden, für dieses Jahr stünden 625 auf der Abrissliste. Mittelfristig müssten nach Ansicht der Großvermieter noch 3.065 alte Wohnungen in Sachsen vom Markt genommen werden. Junge Mieter hätten andere Ansprüche, auch an die Zuschnitte der Wohnungen. (mit dpa)

Zur Newsletter-Anmeldung

Bestellen Sie jetzt den kostenlosen E-Mail-Newsletter WIRTSCHAFT in Sachsen und erhalten Sie ab sofort 1x die Woche aktuelle Neuigkeiten aus dem sächsischen und dem nationalen Wirtschaftsgeschehen.

Newsletter bestellen

Weitere Artikel

Anzeige
Die mitteldeutsche Wirtschaft zu Gast in Dresden bei der MiRKo: lauter leben!

Die mitteldeutsche Wirtschaft zu Gast in Dresden bei der MiRKo: lauter leben!

Mehr als 400 Unternehmer:innen folgten vom 17. bis 19. Juni 2022 der Einladung der sächsischen Wirtschaftsjunioren (WJ) zur Mitteldeutschen Regionalkonferenz (MiRKo) und konnten so Dresden als ganz besondere Wirtschafts-, Kultur- und Wissenschaftsregion erleben.

Neue Diskussion um den Kohleausstieg

Neue Diskussion um den Kohleausstieg

Weil aus Russland weniger Gas kommt, soll nun verstärkt Kohle zur Stromerzeugung genutzt werden: Welche Folgen die Pläne der Bundesregierung für Sachsens Kohlekraftwerke haben.

Sachsens Energieminister bei Ausbau der Windkraft zuversichtlich

Sachsens Energieminister bei Ausbau der Windkraft zuversichtlich

Mit Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck gibt es frischen Wind für den Ausbau erneuerbarer Energie. Wie andere Länder hat auch Sachsen viel Nachholbedarf. Doch im Freistaat ist man optimistisch.

Entsteht neues Logistikzentrum in Zittau?

Entsteht neues Logistikzentrum in Zittau?

Ein Unternehmen aus Mönchengladbach will eine Fläche im Gewerbegebiet Weinau kaufen. Doch der potenzielle Investor hat noch eine zweite Option.