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Sachsens Wirte sorgen sich vor dem Corona-Herbst

16.09.2020
Die Hälfte der Wirte in Sachsen fürchtet um ihre Existenz. Die Branche hofft auf eine abgesenkte Mehrwertsteuer, Marketing-Millionen und Heizpilze.

Leipzig/Dresden. Sachsens Hotel- und Gaststättenbranche blickt mit einigen Sorgen auf die kommende kalte Jahreszeit. In der Corona-Krise habe es zwar eine gute Unterstützung durch die Politik gegeben. „Dennoch ist es so, dass wir Angst haben jetzt vor dem Herbst“, sagte der Präsident des sächsischen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Axel Hüpkes, am Dienstag in Leipzig. Die Branche fordert weitere Hilfen von Bund und Land.

Nach wie vor fehlten Geschäftsreisende und größere Touristengruppen. Dass im Ausland wegen der steigenden Infektionszahlen wieder „die Handbremse angezogen“ werde, betrachte die Branche mit Sorge, so Hüpkes. Weihnachts- und Betriebsfeiern seien in Sachsen zwar wieder möglich, würden aber höchstens sehr kurzfristig gebucht. Das mache jede Planung schwierig.

Wegen der Abstandsregeln sei die Zahl der Sitzplätze in den Gasträumen um etwa 40 Prozent reduziert. Einer bundesweiten Dehoga-Umfrage zufolge rechnen die Mitgliedsunternehmen im Schnitt mit einem Umsatzminus von rund 40 Prozent im Jahr 2020. Dabei seien die Einbußen im Frühjahr so hoch gewesen, dass selbst ein starker Jahresausklang das nicht mehr retten könne, sagte Dehoga-Hauptgeschäftsführer Axel Klein. Ungefähr die Hälfte der Betriebe sehe eine Existenzgefährdung.

Heizpilze könnten helfen. Doch sie gelten als Klimakiller.
Heizpilze könnten helfen. Doch sie gelten als Klimakiller. © Metro Deutschland GmbH/obs

In der Diskussion um Heizpilze plädiert der Verband für Gelassenheit. „Nicht der Heizpilz wird die Gastronomie retten. Es ist ein Baustein“, sagte Klein. Die Geräte gelten als Klimakiller. Wenn Gastwirte sie jetzt aufstellten, um ihre Außenbereiche auch bei kühleren Temperaturen nutzen zu können, dann sei das nur eine temporäre Lösung, sagte Dehoga-Vertriebsgeschäftsführerin Franziska Luthardt. Das Aufstellen von Wärmepilzen sei in Sachsen überall erlaubt, nur in Leipzig gelte bis Ende des Jahres eine Sonderregelung.

Um weitere Entlastung für die Betriebe zu schaffen, fordert Dehoga, dass die zeitweise Absenkung des Mehrwertsteuersatzes für Speisen von 19 auf 7 Prozent „verstetigt“ wird. Diese Lösung habe der Branche wirklich geholfen, es bleibe bei den Unternehmen einfach „mehr hängen“, sagte Klein. Bisher ist die seit 1. Juli geltende Absenkung bis 30. Juni nächsten Jahres befristet. Dagegen seien die Einstiegskriterien für das staatliche Überbrückungsgeld zu starr und zu bürokratisch.

Klein forderte zudem, dass im Landeshaushalt in den nächsten drei Jahren jeweils 10 Millionen Euro für das Tourismusmarketing eingeplant werden. In diesem Sommer habe sich gezeigt, dass Werbung in anderen Bundesländern wirke. Die Ferienregionen in Sachsen seien gut gebucht gewesen. „Wir haben im Sommer in den Ferienregionen einiges auffangen können, was die schlechten Prozente ein wenig besser aussehen lässt“, sagte Hüpkes. (dpa)

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