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Sächsische Solarfabrik wird in Arizona nachgebaut

31.12.2021
Der Fotovoltaik-Spezialist Meyer-Burger will außer im sächsischen Freiberg bald auch in den USA Solarmodule herstellen. Er schafft Hunderte Jobs in Übersee.

Von Georg Moeritz 

Dresden. Während Deutschland die Energiewende vorantreibt und auf Exportchancen mit Ökoenergie-Anlagen hofft, siedeln die USA ebenfalls Fabriken für Solartechnik an - mit sächsischer Hilfe. Der Gouverneur von Arizona, Doug Ducey, begrüßte in dieser Woche die Entscheidung des Konzerns Meyer-Burger, dort eine Fabrik für Solarmodule einzurichten. Das werde den Ruf Arizonas "als führenden Bundesstaat im Bereich der erneuerbaren Energien weiter stärken", sagte Ducey.

Meyer-Burger hatte im Mai seine erste Fabrik in Freiberg in Mittelsachsen eröffnet. Dort werden Solarzellen zu Solarmodulen zusammengefügt. Die Zellen kommen aus einer eigenen Fabrik in Thalheim bei Bitterfeld. Die Produktion in den beiden Werken begann mit zusammen 300 Beschäftigten. Vorstandschef Gunter Erfurt hat angekündigt, bis zum Jahr 2027 bis zu 3.500 Arbeitsplätze in verschiedenen Fabriken zu schaffen - jedenfalls bei guter Nachfrage und ausreichend Geld von Investoren.

Die künftige Fabrik im Ort Goodyear in Arizona soll im nächsten Jahr mit 250 Beschäftigten beginnen und bei voller Auslastung der Anlagen auf 500 Arbeitsplätze wachsen. Meyer-Burger hat dort einen Neubau gemietet. Der Platz soll reichen, dort pro Jahr Solarmodule mit einer Leistung von 1,5 Gigawatt herzustellen.

Vorgänger Solarworld hatte auch Fabrik in den USA

In Freiberg wird die Produktionskapazität gerade von 0,4 auf ein Gigawatt erweitert - mehr Platz ist nicht in der Freiberger Fabrik, die früher dem insolventen Solarworld-Konzern gehörte. Landespolitiker hoffen jedoch auf neue Arbeitsplätze in der Nähe.

Schon Solarworld hatte Solarmodule nicht nur in Freiberg, sondern auch in Hillsboro im US-Staat Oregon hergestellt. Sächsische Politiker hatten die Fabrik dort besucht - und zugleich auch US-Investoren in der Nähe, die damals in Sachsen Solarfabriken bauen wollten. Doch Solarworld musste wie andere Fotovoltaik-Fabrikanten schließen und begründete die Pleite vor allem mit der Billigkonkurrenz aus Asien.

Nachfolger Meyer-Burger begründet die Investition in den USA damit, dass der Markt in Nordamerika nun wachse. Die Kunden dort würden unabhängiger von Importen, wenn sie "schnelleren und direkteren Zugang zu Solarmodulen" aus den USA bekämen. Das Unternehmen wolle regionale Lieferketten aufbauen, in der Nähe von Endkunden produzieren und seine Nachhaltigkeit verbessern.

Meyer-Burger will zur Energiewende in Amerika beitragen

Konzernchef Erfurt begründete die Entscheidung für eine Produktion in Arizona auch damit, dort finde er gut ausgebildete Fachkräfte. Die Investition trage zur Transformation der Energieversorgung in den USA bei. Die Solarmodule aus Arizona seien für Dächer von Privathäusern, für gewerbliche Aufdachanlagen und für Solarparks gedacht.

Chris Camacho, Präsident der regionalen Organisation Greater Phoenix Economic Council, freute sich über einen "Innovator im Bereich der Nachhaltigkeit". Die Region sei "auf dem besten Weg, in diesem wichtigen Sektor weltweit führend zu werden". Diese Hoffnung äußern regelmäßig auch deutsche Politiker beim Besuch von Solarfabriken.

Die Meyer-Burger Technology AG sitzt in der Schweiz und führt in Hohenstein-Ernstthal in Sachsen den Maschinenbau der ehemaligen Roth & Rau fort. In Hohenstein-Ernstthal arbeiten rund 400 Beschäftigte für Meyer-Burger, auch in Funktionen wie Finanzen, Informationstechnologie, Personalwesen und Forschung.

Maschinen aus Hohenstein-Ernstthal für USA statt Asien

Mit Anlagen aus dieser Fabrik hatte Roth & Rau früher auch Solarfabriken in China ausgestattet, sodass sie technisch auf dem gleichen Stand waren wie die deutschen. Meyer-Burger hat aber angekündigt, nicht mehr die Konkurrenz in Asien zu beliefern, sondern die eigenen Anlagen nur noch selbst zur Produktion von Solartechnik zu nutzen. Das geschieht nun auch in den USA.

Anfang Dezember meldete Meyer-Burger allerdings einen Rückschlag: Die "dynamische Entwicklung der Corona-Pandemie" führte zu überdurchschnittlich hohen Ausfällen in Sachsen. Eine der beiden Montagelinien in Freiberg wurde vorübergehend stillgelegt. Die Produktionspläne für die Solarmodule würden angepasst, also verkleinert, voraussichtlich bis Ende Januar.

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Das Unternehmen versicherte aber, der Hochlauf der Produktion sei "technologisch auf Kurs". Der Auftragsbestand wachse, das Unternehmen habe fürs nächste Jahr auch schon die Verkaufspreise erhöht. Doch der Umsatz im Jahr 2021 werde geringer ausfallen als erwartet.

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