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Schichtarbeiter in Sachsen oft unzufrieden mit dem Job

30.12.2021
Wirtschaftsminister Martin Dulig hat auf der Suche nach „Guter Arbeit“ 1.000 Sachsen befragen lassen. Der Abstand zum Westen ist noch da, aber er wird kleiner.

Von Georg Moeritz 

Dresden. Da geht es aufwärts: Sachsen geben ihrer Arbeit seit einigen Jahren zunehmend bessere Noten. Der Ost-West-Abstand bei der Qualität der Arbeitswelt wird kleiner. Allerdings bewerten 21 Prozent der sächsischen Beschäftigten ihre Arbeitsqualität als schlecht, nur zehn Prozent geben das Prädikat „Gute Arbeit“.

In Deutschland insgesamt ist die Zufriedenheit größer: Je 15 Prozent der Beschäftigten beurteilen ihre Arbeitsqualität als schlecht oder gut, die anderen geben Noten dazwischen. Das geht aus Telefonbefragungen mit rund 6.300 Teilnehmern in Deutschland hervor, die im Auftrag des sächsischen Wirtschaftsministeriums eigens um 1.000 Sachsen aufgestockt wurden.

Sachsens Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Dulig (SPD) zog danach das Fazit, die Entwicklung sei erfreulich: Der bereits 2019 sichtbare Aufwärtstrend habe sich beschleunigt. Gute Löhne und gute Arbeitsbedingungen seien „nicht nur eine Frage des Respekts“. Sie sorgten auch dafür, dass „Fachkräfte kommen und bleiben“.

Mikrochipfabriken geben Zwölfstundenschicht auf

Die beauftragten Sozialforscher an der Universität Halle-Wittenberg fanden als wichtigsten Grund für die geringe Arbeitszufriedenheit in Sachsen heraus, dass im Freistaat viel Schichtarbeit üblich ist. Laut Umfrage arbeiten 39 Prozent der sächsischen Befragten in Schichten – dieser Anteil ist fast doppelt so hoch wie in Deutschland insgesamt. In Sachsens Industrie leistet demnach jeder Zweite Schichtarbeit.

Noch größer ist der Anteil in Handel, Verkehr, Logistik, Gesundheits- und Sozialwesen: 60 Prozent laut Umfrage. Die Forscher schreiben, zur Schichtarbeit gehörten außer ungünstiger Arbeitszeitlage häufig „emotionale Anforderungen, körperliche und psychische Belastungen“. In den großen Dresdner Mikrochipfabriken von Infineon und Globalfoundries ist die Arbeit inzwischen von Zwölf- auf Achtstundenschichten umgestellt worden.

40 Prozent sagen: Bis zur Rente geht es so nicht

Die Arbeitsqualität wird allerdings von jüngeren Mitarbeitern häufig als besser bewertet als von älteren. Die höchste Zufriedenheit geben in Sachsen Beschäftigte unter 30 Jahren an.

Trotz zunehmender Arbeitsverdichtung schätzen 63 Prozent der befragten Sachsen ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut ein. Elf Prozent sagten: weniger gut oder schlecht. Damit liegt Sachsen gleichauf mit Deutschland insgesamt. Aber 40 Prozent der befragten Sachsen gehen nicht davon aus, dass sie ihre Tätigkeit bis zur Rente ohne Einschränkungen durchhalten können.

Dabei sehen die Sachsen laut Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) mit Sorge auf ihre zu erwartenden Alterseinkommen. DGB-Landeschef Markus Schlimbach sagte, wegen schlechter Löhne seien niedrige Renten zu erwarten. Nachholbedarf gebe es vor allem in Hotel- und Gaststättengewerbe, Fertigung, Transport und Logistik. Die Umfrage ging in den „DGB-Index Gute Arbeit“ ein.

Dulig: Homeoffice braucht faire Regeln

Deutlich verbessert im Vergleich zu früheren Befragungen hat sich die Einschätzung von Einkommen und Beschäftigungssicherheit. Wie stark der Mindestlohn dazu beitrug, steht nicht in der Auswertung.

Mobile Arbeit oder Homeoffice gibt es laut Umfrage bei 31 Prozent der Beschäftigten, zumindest gelegentlich. Die Befragung fand allerdings schon zwischen Januar und Mai 2020 statt, also zu Beginn der Corona-Pandemie. Beschäftigte mit mobiler Arbeit gaben eine überdurchschnittliche Arbeitsqualität an, waren also damit zufriedener. Doch höhere Belastungen wie überlange Arbeitszeiten oder ständige Erreichbarkeit entstünden dabei auch.

Dulig sagte, Homeoffice sei „nicht mehr nur ein pandemiebedingter Ausnahmezustand“, sondern gehöre für viele inzwischen zum Alltag. Umso wichtiger sei es, dass Homeoffice-Regeln „fair ausgehandelt“ würden. Das Arbeitsschutzrecht müsse mit dem Wandel der Arbeit mithalten.

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