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Schlechtere Aussichten als im Krisenjahr 2009

15.05.2020
Die aktuelle Konjunkturumfrage unter den Firmen in Sachsen zeichnet ein düsteres Bild. 90 Prozent der Betriebe melden eine schlechte Geschäftslage.

Die Corona-Pandemie bringt die Wirtschaft gewaltig aus dem Tritt, weltweit und in Sachsen. Die Auswirkungen des Stillstands wie die Verunsicherung über die weitere Entwicklung ist in den mehr als 145.000 Unternehmen im Freistaat sehr groß. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage aller drei sächsischen Industrie- und Handelskammern (IHK). Hier die wichtigsten Ergebnisse:

Geschäftsklima düsterer als 2009

Nach einer noch zu Jahresbeginn leichten Aufwärtsbewegung ist der IHK-Geschäftsklimaindex von 120 auf 77 Punkte regelrecht abgestürzt und liegt zwei Punkte unter dem Tiefststand zur Finanz- und Wirtschaftskrise 2009. Nur noch 29 Prozent der Firmen beurteilen ihre derzeitige Geschäftslage als gut, aber 33 Prozent als schlecht. Eine schwere Rezession als Folge der Corona-Krise sei schon jetzt absehbar, auch weil eine schnelle wirtschaftliche Erholung angesichts andauernder Restriktionen momentan eher unwahrscheinlich ist, heißt es. Jede zweite Firma rechnet mit einer Verschlechterung der Geschäfte.

Angesichts der aktuellen Lage und unsicheren Prognosen korrigieren die Unternehmen ihre Investitionsplanungen deutlich nach unten. Nur noch sieben statt zuletzt 21 Prozent der Firmen planen steigende Investitionsausgaben, ein Drittel wird sie dagegen zurückfahren. 

Auch die Auswirkungen auf die Personalplanungen sind immens. So haben im März und April über 46.000 Firmen Kurzarbeitergeld für mehr als 520.000 Beschäftigte beantragen müssen. Ein Personalabbau wird sich durch das Instrument der Kurzarbeit nicht völlig verhindern lassen. So planen für die kommenden Monate 30 Prozent der Betriebe eine Reduzierung und nur noch sechs Prozent eine Aufstockung ihrer Mitarbeiterzahl. Die Beschäftigungsprognose fällt damit schlechter aus als im Krisenjahr 2009.

Alle Wirtschaftszweige betroffen

Im Industriesektor hat sich die Lage durch zeitweise Betriebsschließungen, Auftragsrückgänge und Störungen von Lieferketten verschlechtert. Aufgrund der weltweiten Rezession sind auch die Geschäftsaussichten im Keller. Das Baugewerbe profitiert momentan noch von seinem hohen Auftragsbestand. Die Geschäftslage wird unter allen befragten Wirtschaftsbereichen noch am besten bewertet. 

Im Dienstleistungssektor sind besonders personennahe und veranstaltungsbezogene Dienstleister sowie die Kreativwirtschaft betroffen wie auch der stationäre Einzelhandel. Im Verkehrsgewerbe haben wegen der Kontaktbeschränkungen insbesondere Busunternehmen oder das Taxigewerbe zu kämpfen. Wegen fehlender Aufträge sinkt auch die Nachfrage nach Transportkapazitäten. 

Am stärksten betroffen ist jedoch das Gast- und Tourismusgewerbe. Hier führten die Maßnahmen zu einer nahezu völligen Einstellung der Geschäftstätigkeit. Entsprechend melden über 90 Prozent der Betriebe eine schlechte Geschäftslage. Insgesamt rechnen für das Gesamtjahr 2020 mehr als 70 Prozent der Unternehmen mit Umsatzeinbrüchen, im Gast- und Tourismusgewerbe sogar 93 Prozent. Jedes achte Unternehmen rechnet in diesem Jahr mit einem Umsatzrückgang von mehr als 50 Prozent. Im Gast- und Tourismusgewerbe gehen sogar 62 Prozent der Betriebe mindestens von einer Halbierung ihrer Umsätze aus. Insgesamt 14 Prozent der Unternehmen erwarten keine Umsatzveränderung und nur drei Prozent eine Umsatzsteigerung.

Konjunkturprogramm für Neustart

„Wir stellen vor allem fest, dass die Corona-Krise zu einem Brandbeschleuniger der strukturellen Probleme unseres Wirtschaftsstandortes geworden ist, die bereits vor Beginn der Pandemie bestanden hatten“, bewertet Detlef Hamann, Hauptgeschäftsführer der IHK Dresden, die Ergebnisse. Umso wichtiger sei es, für den Neustart die richtigen Instrumente auszuwählen. „Wir sind deshalb auch mit der Staatsregierung in Abstimmung eines Konjunkturprogramms, das die richtigen Impulse vor allem für Investitionen, Innovationen und vereinfachte Verfahren setzen soll“, betont Hamann. 

Die IHK Dresden hält weiterhin Landeszuschüsse für ausgewählte Zielgruppen für richtig und wichtig wie etwa die Reisebranche und Busunternehmen. Bei den Lockerungen habe Sachsen die Schlagzahl erhöht, offen bleibe jedoch, wie Kunden und Gäste auf die neuen Spielregeln in Gaststätten und Läden reagieren werden, dämpft Hamann die Erwartungen.

Von Nora Miethke

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