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Schluss mit dem Lkw-Notstand an der A 4

Landkreis Bautzen 10.10.2019
Vor allem nachts wird es auf den Parkplätzen eng und gefährlich. Das soll sich jetzt ändern.

Vor allem montagabends, so berichtete eine Verkäuferin vom Rasthof Oberlausitz, sei es schlimm. Dicht an dicht reihen sich insbesondere am Anfang der Woche die Lastwagen auf dem Rastplatz. Die Fahrer wollen dort übernachten, Kraft tanken, müssen ihre Pausenzeiten einhalten. Immer mehr Schwerverkehr fährt auf den Autobahnen, auch auf der A 4 reichen die Stellplätze für die Lastwagen deshalb längst nicht mehr aus. Dagegen möchte das Landesamt für Straßenbau und Verkehr, kurz: Lasuv, vorgehen – und neue Stellplätze bauen. 

Wo sollen wie viele neue Parkplätze entstehen?
Insgesamt 130 neue Lkw-Stellplätze möchte das Lasuv auf der A 4 zwischen Ottendorf-Okrilla und Bautzen bauen lassen. 58 neue Stellplätze sollen auf dem Parkplatz am Eichelberg entstehen, 28 weitere Lastwagen sollen künftig auf dem Parkplatz Rödertal nächtigen können. 44 neue Stellplätze sollen auf dem Rasthof Oberlausitz geschaffen werden.

Kann jetzt also tatsächlich gebaut werden?
Im Falle des Parkplatzes Rödertal ist die Antwort: Ja. Für die 28 neuen Stellplätze wurde jetzt das Baurecht erlangt. Wann aber tatsächlich die ersten Bagger rollen, ist noch offen. Zunächst gilt es, weitere Planungs- und Papierarbeiten zu erledigen. So müssen die einzelnen Baumaßnahmen ausgeschrieben werden. Passiert ist das noch nicht, so das Lasuv. Für die anderen beiden Parkplätze sind mittlerweile die Vorentwürfe bestätigt worden. Das bedeutet: Das Baurecht gibt es zwar noch nicht. Es steht nun aber fest, inwiefern beispielsweise auch an der Landschaft Veränderungen vorgenommen werden müssen. Was sich im Behörden-Deutsch „Landschaftspflegerische Begleitplanungen“ nennt, bedeutet, dass bei Bauarbeiten wie diesen die Versiegelung durch Kompensationsmaßnahmen ausgeglichen werden muss. Für Entsiegelungen gibt es bei den drei Plätzen bislang keine Pläne, so Franz Grossmann. Es soll aber Pflanzarbeiten geben. Dass die Vorentwürfe für die Parkplätze genehmigt wurden, bedeutet auch, dass feststeht, was die Bauarbeiten jeweils kosten werden.

Was sollen die Baumaßnahmen jeweils kosten?
In den Vorentwürfen wird neben den Kosten für den Neubau auch mit einberechnet, ob an den Rastanlagen, so wie sie jetzt sind, Sanierungen durchgeführt werden müssen. Am meisten kostet demzufolge der Bau der 58 neuen Lkw-Stellplätze auf dem Parkplatz Am Eichelberg: Rund 2,3 Millionen Euro wechseln dabei den Besitzer. Etwa 1,5 Millionen Euro sollen die neuen Stellplätze auf dem Parkplatz Rödertal kosten, zwei Millionen die auf dem Rasthof Oberlausitz.

Wie geht es jetzt also weiter?
Für den Parkplatz Am Eichelberg und den Rastplatz Oberlausitz prüft derzeit die Landesdirektion Sachsen, ob eine sogenannte Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig ist. Auch hierbei muss kontrolliert werden, welche Auswirkungen die Baumaßnahmen auf die Umwelt haben könnten. Sollte die Landesdirektion zu dem Ergebnis kommen, dass keine solche Prüfung notwendig ist, kann das Lasuv über das Baurecht entscheiden. Ansonsten gibt es ein sogenanntes Planfeststellungsverfahren, um das Baurecht zu erlangen.

Genügt die Zahl der neuen Stellplätze überhaupt?
Etwa 29 000 Fahrzeuge fuhren 2010 pro Tag über den Autobahnabschnitt zwischen Dresden und Görlitz, 20 Prozent davon Schwerlastverkehr. Zum Jahr 2018 stieg die Zahl gewaltig an: Bereits 41 000 Fahrzeuge rollten da täglich über den Asphalt. Die Zahl der Lastwagen verdoppelte sich von etwa 5 600 täglich auf 10 400. Mit steigender Tendenz. Insgesamt 378 Lkw-Stellplätze gibt es auf dem Abschnitt, 2 500 sind es in ganz Sachsen. Von etwa 600 fehlenden Lkw-Stellplätzen sachsenweit geht das Verkehrsministerium aus – laut Verkehrsexperten ist der Abschnitt zwischen Dresden und Görlitz als Transitregion besonders betroffen. „Der bislang bekannte zusätzliche Bedarf an Lkw-Stellplätzen wird mit den vorgenannten Maßnahmen abgedeckt“, sagt dazu Franz Grossmann vom Lasuv. Helmut Büschke, Vorstandsmitglied vom ADAC Sachsen, dazu: „130 neue Stellplätze helfen. Doch die Zahl wächst nicht schnell genug mit dem wachsenden Bedarf.“

 

Von Theresa Hellwig

Foto: © SZ/Uwe Soeder

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