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Sie war die Frau vom Kassenhäuschen

Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 13.02.2020
Seit 17 Jahren war sie immer da. 365 Tage im Jahr. Jetzt beendet Karin Lehmann mit fast 80 ihr Ehrenamt im Wildpark Osterzgebirge. Ein Portrait.

Seit Herbst 2002 stand Karin Lehmann jeden Tag am Eingang und das 365 Tage im Jahr. Nicht ein einziges Mal hat sie gefehlt. Es gab keinen Urlaub, kein Frei und kein Krank. Doch die Schilderung ihrer unglaublichen Karriere ist damit immer noch nicht zu Ende. Die Geisingerin tat dies alles ehrenamtlich, ohne Entlohnung annehmen zu wollen. 

Wildparkleiter Frank Gössel fasst das in drei Worten zusammen, die alles sagen: Dank ohne Ende! „Der Wildpark arbeitet kostendeckend durch Eintrittsgelder und Sponsoren. Dass wir trotzdem die Eintrittspreise moderat halten konnten, ist letztendlich auch Karin Lehmann zu verdanken. Im Laufe der Jahre wären mehrere Hunderttausend Euro Lohngelder aufgelaufen“. 

Seit 1. Januar ist die Wildparkkasse nun abwechselnd mit Sylvia Meißner und dem deutsch sowie tschechisch sprechenden Jan Buka besetzt.

Von Anfang an im Wildpark dabei

Der Wildpark Osterzgebirge und Karin Lehmann, das gehört schon von Anfang an zusammen. Beim Bau der Anlage 1997 wirkte sie als ABM-Kraft mit, erlebte, wie hier immer mehr Tiere heimisch wurden. Der zierlichen Frau ist dabei nicht anzusehen, dass für sie auch der Umgang mit einer Kettensäge nichts Ungewöhnliches ist.

Im Frühjahr 2002 saß sie das erste Mal an der Kasse. Es gab niemanden anderes. Und auch der Eintritt in die Rente konnte sie von hier nicht wegbringen, im Gegenteil. Sie fand eine Aufgabe, bei der sie eine wichtige Rolle spielte und die geliebten Tiere immer in der Nähe waren. Vor allem die Kaninchen im Gehege neben der Kasse hatten es ihr angetan. Das sind bis heute ihre persönlichen Lieblinge.

Frank Gössel hat es spaßeshalber einmal ausgerechnet. Mehr als zwei Millionen Euro hat Karin Lehmann in all den Jahren an ihrer Kasse eingenommen. Waren es 2002 noch 15.000 Besucher, kamen 2019 rund 70.000. Mittlerweile entdecken auch immer mehr Tschechen das Ausflugsziel für sich. 

Ganze Besuchergenerationen hat die rüstige Seniorin erlebt. „Leute, die ich als Kinder hier begrüßt habe, kommen inzwischen mit dem eigenen Nachwuchs. Da freue ich mich immer, wenn ich vertraute Gesichter sehe.“ Und die Gesichter hat sie sich immer ganz genau angeschaut. Wehe dem, der versucht hat, sich an ihr vorbei zu schummeln, um das Eintrittsgeld zu sparen.

Auch der für Mitarbeiter reservierte Parkplatz stand immer unter ihrer Beobachtung. Mit der ihr eigenen, etwas schnoddrigen, aber immer freundlichen Art war schnell für Ordnung und Frieden im Kassenbereich gesorgt. Dazu gehörte auch ihr Berliner Dialekt, den sie bis heute nicht abgelegt hat, obwohl sie schon seit 1983 im Osterzgebirge wohnt, der Liebe wegen, wie sie sagt. Und so stand ihr Mann Johannes immer dahinter, wenn sich seine Frau jeden Tag in den Wildpark aufmachte. „Das funktioniert nur, wenn die Ehe funktioniert“, sagt er knapp dazu.

Doch auch wenn Karin Lehmann nicht mehr jeden Tag an der Kasse steht, dem Wildpark bleibt sie weiter treu. „Irgendeiner muss sich doch um meine Hasen kümmern“, sagt sie mit einem von zu Hause mitgebrachten großen Eimer mit Salat und Möhren in der Hand. Und die Kaninchen stürzen geschlossen sofort zum Futternapf, wenn sie ihr „Frauchen“ von weitem kommen sehen.

 

Von Egbert Kamprath

Foto: © Egbert Kamprath

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