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Sind Wärmepumpen eine günstige Alternative zu Gas und Öl?

07.09.2022
Heizen wird teurer. Auch im Landkreis Bautzen schauen sich deshalb viele Hauseigentümer nach Alternativen um. Ein Fachmann erklärt, was dabei zu beachten ist.

Von Juliane Just

Kamenz. Viele Hausbesitzer und Mieter müssen ab Herbst erheblich mehr Geld fürs Heizen bezahlen und schauen sich deshalb nach Alternativen um. Dabei sind immer wieder Wärmepumpen im Gespräch. Doch können sie tatsächlich eine Alternative sein? Jan Schuster, Obermeister der Innung Sanitär-, Heizung-, Klima- und Klempnertechnik in Kamenz, erklärt im Interview mit Sächsische.de, warum Wärmepumpen nicht für jedes Objekt geeignet sind und welche Tücken sie haben.

Herr Schuster, ist im Landkreis Bautzen eine erhöhte Nachfrage nach Wärmepumpen aufgrund der Preisexplosionen im Energiesektor spürbar?

Das ist sehr stark spürbar. Wir haben mittlerweile täglich mehrere Anrufe, in denen nach sinnvollen Alternativen zu Gas und Öl gefragt wird. Die Wärmepumpe an sich wird ebenfalls stark nachgefragt.

Kann die Wärmepumpe denn eine gute Heizalternative zu Gas und Öl sein?

Das kann sie sein. Es gibt aber ein paar grundlegende Dinge, die zu beachten sind. Die Bestandsheizung mit Öl oder Gas ist auf andere Vorlauftemperaturen ausgelegt als die Wärmepumpe. Da sprechen wir in der Regel von 70 Grad Vorlauf und 55 Grad Rücklauf. Die Wärmepumpe hingegen wird normalerweise auf maximal 50 Grad Vorlauf ausgelegt.

Das heißt vereinfacht: Die Temperatur ist niedriger, dadurch brauche ich eine größere Fläche, über die Wärme abgegeben werden kann. Die Heizflächen müssen entsprechend groß sein oder vergrößert werden. Fußboden-, Wand- und Deckenheizungen geben mehr Wärme an die Umgebung ab als klassische Heizkörper und sind damit besser geeignet für eine Wärmepumpe.

Wie funktioniert eigentlich eine Wärmepumpe?

Die Wärmepumpe nutzt im Prinzip Umweltenergie. Das bedeutet, dass sie die Luft, das Erdreich oder Wasser nutzt. Über ein Kältemittel in dem Gerät entzieht sie dem Medium Wärme. Das Kältemittel ist eine Flüssigkeit, die relativ schnell verdampft und dabei Wärme aufnimmt. Ein Verdichter in der Wärmepumpe verdichtet das Kältemittel so lange, bis eine Temperatur zur Verfügung steht, die im Heizsystem genutzt werden kann. Dann verflüssigt sich das Kältemittel wieder und der Vorgang beginnt von vorn. Besonders ist, dass Wärmepumpen einen bestimmten Anteil an Umweltenergie und Strom nutzen, den man aus dem Netz bezieht.

Was kostet eine Wärmepumpe?

Bei einem klassischen Einfamilienhaus mit 120 bis 150 Quadratmetern sollte man bei einer Luftwärmepumpe Investitionskosten von 25.000 Euro einplanen. Bei einer Anlage mit Brunnen oder einer Tiefenbohrung sollte man wenigstens nochmal 10.000 bis 15.000 Euro draufrechnen. Es gibt auch Fördermittel. So ist es möglich, sich die Anschaffung einer Wärmepumpe über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) mit 25 Prozent fördern zu lassen, und mit einem Heizungsaustauschbonus kann man nochmal extra zehn Prozent bekommen.

Für wen ist die Anschaffung einer Wärmepumpe ratsam?

Es könnte eine Alternative für Einfamilienhäuser sein. Ein System, das jedoch ausschließlich mit Heizkörpern betrieben wird und auf Gas oder Öl ausgelegt ist, ist normalerweise nicht geeignet.

Bei Mehrfamilienhäusern wird man bei Bestandsgebäuden eher zu einer Hybridanlage raten. Das liegt daran, dass es in diesen Häusern bestimmte Spitzenzeiten bei der Nutzung gibt. Diesen Energiebedarf kann die Wärmepumpe nicht decken - oder nur mit extrem hohem Aufwand. Dort wird dann recht häufig ein sogenannter Spitzenlastkessel notwendig sein, der wiederum mit Gas betrieben wird.

Allen Interessierten würde ich den Internetauftritt des Bundesverbands Wärmepumpe empfehlen. Dort sind viele Informationen aufbereitet, die gut erklärt und auch für Laien verständlich sind.

Bekommt man derzeit überhaupt Handwerker für ein solches Projekt?

Für dieses Jahr kann ich relativ wenig Hoffnung machen. Die Unternehmen sind gut gefüllt mit Aufträgen. Doch selbst wenn es freie Kapazitäten beim Handwerker gibt, ist das größere Problem die Lieferbarkeit der Produkte. Wir haben momentan Lieferzeiten zwischen sechs und neun Monaten. Sind Brunnenarbeiten nötig, stehen die Chancen noch schlechter. Die hohe Nachfrage kann derzeit überhaupt nicht gedeckt werden, und es ist nicht absehbar, dass sich das auf lange Sicht entspannt - es wird eher schlimmer.

Wie lautet also Ihr Fazit?

Grundsätzlich muss man zur Wärmepumpe sagen: Sie kann eine gute Alternative zu Öl und Gas sein, wird aber im klassischen Gebäudebestand mit Heizkörpern nicht wirklich zu einer Kosteneinsparung führen, wenn man die Betriebskosten vor 2020 als Wert heranzieht. Aufgrund der Preisexplosion muss man bedenken, ob die Alternative tatsächlich wirtschaftlich ist. Das ist wichtig für den Endkunden, weil viele erwarten, dass die Wärmepumpe ein sparsames und kostengünstiges Heizsystem ist. Es wird aber nicht viel günstiger sein als das System, das man vorher hatte. Dieser Hype, der entstanden ist, ist zum großen Teil den erhöhten Energiepreisen zu verdanken. Das muss man ehrlich sagen.

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