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So funktionieren Corona-Tests in sächsischen Firmen

30.03.2021
Sachsens Betriebe haben sich auf die Vorschriften der Regierung zu Corona-Tests eingestellt. Aber Unsicherheiten bleiben. Der Test kostet auf jeden Fall Zeit.

Von Georg Moeritz 

Dresden. Die Mittagspause genügt nicht immer für einen Schnelltest. 50 Minuten habe ich am Montag gebraucht, vom Betreten des Kulturpalasts in Dresden bis zum erlösenden Bescheid: „Ihr Test ist negativ, schönen Tag noch!“

Ein paar Minuten lassen sich beim nächsten Mal bestimmt noch einsparen, weil ich die beiden Formulare mit Erfahrung schneller ausfüllen kann – am besten gleich in der Schlange vor der Wartenummernausgabe. Außerdem muss ich dann nicht mehr über das Antwortfeld zum Thema Kosten nachdenken. Diese Rubrik kann ich freilassen, weil der Staat einmal pro Woche den Test bezahlt.

Um die Mittagszeit sitze ich eine Viertelstunde mit meiner Wartenummer vor dem Bildschirm mit wechselnden Zahlen, bis dort meine 422 aufgerufen wird. Der Test selbst ist eine Sache von Sekunden: Mund öffnen, A sagen, ein freundlicher Mensch in Schutzkleidung nimmt eine Probe aus dem Rachen.

Ich spüre fast nichts – anders als bei einem Selbsttest in beiden Nasenlöchern. Da musste ich niesen.

Auswahl: Wartenummer oder Terminvereinbarung

Nach dem Test heißt es wieder eine Viertelstunde sitzen, bis das Formular mit Kreuzchen bei „negativ“ und einem Stempel der Johanniter-Unfallhilfe abgeholt werden kann. Leerer war es am Montag im gerade eröffneten Testcenter des DRK im Haus der Presse in Dresden – dort gibt es feste Termine per Internet-Anmeldung.

Die staatlich finanzierten Schnelltests sind eine von mehreren Möglichkeiten in Sachsen, sich über Coronaviren im eigenen Körper zu informieren. Apotheken und Drogerien verkaufen Selbsttests für fünf bis zehn Euro. Einige bieten auch Schnelltests nach Terminvergabe an.

An der Autobahntankstelle Kodersdorf eröffnete ein privates Testcenter schon Mitte Januar, als Tests für Grenzpendler vorgeschrieben wurden. Manche Firmen buchten Tests für Mitarbeiter gegen Sammelrechnung.

Versandhändler bieten billige Tests - ohne Zulassung

Wer als Angestellter oder Selbstständiger in Sachsen mit Kundenkontakt arbeitet, muss seit 15. März einmal pro Woche einen Schnell- oder Selbsttest absolvieren. Die Chefs sind laut Sozialministerium nicht verpflichtet, die Testergebnisse zu dokumentieren. Aber sie müssen zahlen: Alle Arbeitgeber müssen ihren Angestellten einmal pro Woche einen kostenlosen Test anbieten, sofern die am Arbeitsplatz präsent sind – also nicht im Homeoffice.

Die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) haben für ihre Angestellten Selbsttests mit Stäbchen besorgt. Bus- und Straßenbahnfahrer sind laut DVB-Sprecher Falk Lösch allerdings nicht zum Test verpflichtet, weil sie Abstand zu den Fahrgästen haben. Die Pflicht zum Testen treffe nur Mitarbeiter im Servicepunkt am Postplatz – die anderen sind geschlossen – und einige mit Kontakt zu Lieferanten.

Laut Lösch bekommen die DVB wie andere Firmen häufig von Versandhändlern Tests angeboten. Manche seien billig, aber nicht zugelassen. Da lohne sich das Nachschauen auf der Liste des Robert-Koch-Instituts im Internet.

Kollegen testen Kollegen im Betrieb

„Es gibt genügend Tests, wenn auch nicht immer die gleichen“, ist die Erfahrung von Frank Müller, Prokurist im Dienstleistungsunternehmen Gegenbauer, das beispielsweise Schulen und Pflegeheime in der Sächsischen Schweiz reinigen lässt. Er selbst musste mit seinen Kindern nur fünf Minuten auf den Test in Neustadt in Sachsen warten.

Für die Beschäftigten hat er eine Teststrecke im Unternehmen einrichten lassen. Das Rote Kreuz schulte die Mitarbeiter, die nun im Schutzanzug, mit Visier und Handschuhen ihre Kollegen testen. Mitarbeitern in entfernten Orten bekommen Selbsttests per Post.

Auch einige tschechische Angestellte von Gegenbauer bekamen die Ausbildung zum Testen, um Kollegen ohne Sprachhürden zu bedienen. 40 Grenzpendler arbeiten für das Unternehmen im Raum Dresden. Mitte Februar durften sie zeitweise nicht nach Sachsen einreisen, sodass der Arbeitgeber sich bei staatlichen Stellen beschwerte und davor warnte, Heime und Schulen nicht mehr desinfizieren zu können. Inzwischen wurden laut Müller Tschechen in „systemrelevanten Bereichen“ wie Altenpflege, Energiewirtschaft und Verkehrsbetriebe wieder eingelassen, sodass Gegenbauer die Dienstpläne darauf zuschnitt.

Lieber Kosten für Test als für Quarantäne

Laut Industrie- und Handelskammer Dresden gibt es inzwischen genügend angebotene Tests. Aber laut Sprecher Lars Fiehler kommen auch bei rund fünf Euro pro Mitarbeiter und Woche rasch hohe Kosten zusammen: bei 100 Mitarbeitern rund 2.000 Euro im Monat. Er rechne aber damit, dass die Unternehmen im eigenen Interesse die Vorschriften einhielten – denn viel teurer würden Ausfälle von Mitarbeitern, etwa bei Quarantäne.

Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) bat die Unternehmen, die Zeit für Selbsttests „großzügig“ als Arbeitszeit anzuerkennen. Der Gewerkschaftsbund forderte eine Klarstellung, dass Tests als betrieblicher Gesundheitsschutz zur Arbeitszeit gehören. Dazu könnten Vereinbarungen mit Betriebsräten geschlossen werden.

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