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So geht es mit 5G in Sachsen los

06.10.2019
Vodafone hat in Dresden die erste 5G-Antenne installiert. Aber braucht die überhaupt jemand?

Von unten kaum zu erkennen: So viele verschiedene Antennen stehen schon in 30 Metern Höhe auf dem Mast, dass der neue Kasten nur Fachleuten auffällt. Vodafone hat an seinem Technikstandort in Dresden-Mickten die ersten festen Antennen für die fünfte Generation (5G) des Mobilfunks installiert. 

Hannes Ametsreiter, Deutschland-Chef des Konzerns, nahm die Technik am Dienstag in Betrieb. Er verriet aber, dass die Antenne zunächst mit einer niedrigen Testfrequenz von 40 Megahertz senden wird. Das ist noch nicht die hohe Frequenz, für deren Nutzung vier Mobilfunkkonzerne bei einer Auktion im Juni Milliarden ausgegeben haben. Laut Ametsreiter kann die Antenne bei 3,5 Gigahertz nur etwa 600 Meter weit senden – doch für ein städtisches Gebiet reiche das aus. Beim Ausbau auf dem Lande würden niedrigere Frequenzen nötig, die weiter reichen.

Ziele: Neue Technologie in zwei Jahren für 20 Millionen Menschen

Mit der ersten 5G-Antenne für Dresden will Vodafone zeigen, dass das Unternehmen die Technik ausbreitet und den Konkurrenten Telekom, Telefonica und 1&1 Drillisch einen Schritt voraus sein will. Es ist aber nicht die erste 5G-Antenne in Sachsen: In Leipzig, Chemnitz und Neukirchen hat Vodafone seit Juli die neuen Kästen installiert, in ganz Deutschland stehen laut Chef Ametsreiter jetzt rund 200 5G-Antennen an 80 Orten. 

Wann es in Dresden weitergeht, dazu wollte sich das Vodafone-Team auf Nachfrage „ein bisschen vorsichtig“ äußern und nannte keinen Zeitplan. Vorsichtig zeigte sich Vodafone auch bei der Ausschilderung seines Standorts: Aus Sorge vor Sabotage steht der Name nicht groß am Gebäude. Der Konzern will aber bis Ende 2021 in Deutschland bis zu 20 Millionen Menschen mit der neuen Technik erreichen.

Versuche: Ferngelenkte Eisenbahn im Erzgebirge, Bautechnik in der Lausitz

Testfelder mit 5G-Technologie gibt es in Sachsen schon: Im Erzgebirge fahren versuchsweise ferngesteuerte Züge des „Smart Rail Connectivity Campus“. Auf dem landwirtschaftlichen Versuchsgut des Freistaats in Köllitsch in Nordsachsen haben Tests mit Feldspritzen und Drohnen begonnen, allerdings zunächst mit einer Nokia-Antenne mit der üblichen vierten Mobilfunkgeneration 4G, auch LTE genannt. In der Lausitz stehen Versuche in Hoyerswerda und Welzow bevor: Drohnen sollen mit Farbdosen Hauswände anstreichen, autonomes Fahren wird weiter getestet.

Nutzen: Mehr Tempo im Netz, das Datenvolumen wächst

Der Vodafone-Chef versicherte, das noch lückenhafte 4G-Mobilfunknetz weiter auszubauen. Alle drei Stunden werde in Deutschland eine neue Station fertig, „schneller geht es fast nicht“. Die neue Technologie 5G für schnelleren Datentransport werde parallel ausgebreitet. Das Datenvolumen wachse im Jahr um 50 bis 60 Prozent. Die Bundesnetzagentur hat die Anbieter dazu verpflichtet, dass innerhalb von drei Jahren 98 Prozent aller Haushalte im Empfangsbereich von 5G-Antennen liegen. Sie ersetzen 4G nicht, vielmehr ist 5G eher eine Sammlung von Regeln, nach denen Daten zu ordnen und Verbindungen aufzubauen sind. 

Daran forschen beispielsweise die Dresdner Professoren Gerhard Fettweis und Frank Fitzek, deren Lehrstühle von Vodafone und Telekom gestiftet wurden. Sie traten gestern auch bei einer 5G-Tagung im Dresdner Kongresszentrum auf. Auf Fragen zu Gefahren durch Strahlung verweist Vodafone auf Grenzwerte und auf die Stiftung Warentest, die in Forschungserkenntnissen kaum Grund zur Sorge fand.

Zukunft: Fabrik mit mehr Robotern, auf 5G folgt 6G

Ametsreiter warb für die neue Technik mit dem Hinweis auf menschliche Fehler: Auffahrunfälle ließen sich mit Automobil-Kommunikation in Millisekunden vermeiden. Baustellen könnten mit weniger Arbeitern auskommen, wenn Maschinen ferngesteuert werden – und Drohnen dank kürzerer Funk-Reaktionszeiten exakter landen. Bosch-Manager Michael Bolle sagte, die künftige Mikrochipfabrik seines Unternehmens in Dresden werde mit 5G gesteuert. Fahrende Roboter müssen zentimetergenau und nach präzisen Landkarten ihrer Werkhalle unterwegs sein. 

Professor Fettweis’ Lieblingsvorhaben ist das Exoskelett für gehbehinderte Menschen: Stützen am Körper, die ihr Umfeld so genau erkennen, dass jemand damit wieder Treppen steigen kann. Fettweis will allerdings schon an der Funkgeneration 6G forschen und herausfinden, wie noch schnellere Datenübertragung ohne Verzehnfachung des Energieverbrauchs möglich wird. Sein Kollege Fitzek will lieber zunächst beim Begriff 5G bleiben, zumal die Konzerne erst damit werben und Geld verdienen wollen.

 

Von Georg Moeritz

Foto: © Matthias Rietschel

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