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So hilft Solartechnik aus Dresden bei der Wärmewende

05.05.2022
Sachsen arbeiten am nächsten Kapitel der Energiewende: Die Fabrik von Solarwatt verbündet sich mit dem Heizungshersteller Stiebel-Eltron. Doch nicht alles wird "made in Germany".

Von Georg Moeritz

Dresden. Roboter-Ballett in der neuen Fabrikhalle von Solarwatt in Dresden: Orangefarbene Greifarme schwenken Glasplatten, legen Siliziumzellen darauf und verlöten das Material zu Fotovoltaik-Modulen. Die Solaranlagen aus der Fabrik an der Grenzstraße nahe dem Flughafen sind begehrt bei Hausbesitzern, denn sie machen Strom aus Sonnenlicht.

"Wir werden überrannt", sagte am Mittwoch Solarwatt-Geschäftsführer Detlef Neuhaus. Angesichts hoher Energiepreise rechne er mit einem "sehr starken Wachstum in den nächsten 20 Jahren". Dazu soll auch die Zusammenarbeit mit Stiebel-Eltron beitragen, einem Hersteller von elektrischer Heiztechnik in Holzminden in Niedersachsen.

Gemeinsam werben die beiden Unternehmen künftig um Installateure und Heizungsbauer. In den vergangenen Tagen waren 250 Handwerker zur Fabrikbesichtigung und Schulung bei Solarwatt. Wenn Hausbesitzer sich künftig bei ihnen nach energiesparender Technik erkundigen, sollen sie nach dem Wunsch der Fabrikanten möglichst Wärmepumpen von Stiebel-Eltron empfehlen – und dazu den Solarwatt-Strom vom eigenen Dach. Die Geräte passten technisch gut zusammen, so lautet ein Werbe-Argument.

Solarwatt will Umsatz rasch verdoppeln

Neuhaus rechnet vor, dass eine typische Fotovoltaik-Anlage für ein Wohnhaus etwa 10.000 Euro koste, mit Stromspeicher von Solarwatt rund 15.000 Euro. Ein Heizsystem mit Wärmepumpe ist laut Stiebel-Eltron-Geschäftsführer Nicholas Matten im Neubau für etwa 15.000 Euro zu haben.

Die Umrüstung von Gasheizung auf Wärmepumpe koste zwischen 25.000 und 45.000 Euro – je nach Region in Deutschland, denn Handwerkerlöhne seien sehr unterschiedlich. Der Staat biete Zuschüsse.

Der Solarwatt-Chef will den Umsatz des Dresdner Unternehmens von 160 Millionen Euro im vorigen Jahr nun in diesem Jahr auf 265 Millionen Euro steigern. Ein Balkendiagramm, ohne Zahlen an die Wand projiziert, lässt eine Verdopplung im nächsten Jahr und eine Verdreifachung für das Jahr 2025 erwarten.

Die Zahl der Beschäftigten von Solarwatt, derzeit rund 700, davon mehr als 400 in der Zentrale in Dresden, soll bis 2025 schrittweise auf 1.000 steigen. Laut Werbetafel an der Grenzstraße sucht das Unternehmen auch Dachdecker und Monteure, während die Mikrochipfabrik von X-Fab gleich gegenüber Instandhalter und Fertigungsmitarbeiter ausgeschrieben hat.

Solarwatt-Geschäftsführer Detlef Neuhaus (links) schließt eine technische Kooperation mit Stiebel- Eltron-Geschäftsführer Nicholas Matten. Sie versichern Installateuren, dass die Geräte der beiden Hersteller gut zusammenpassen.

Solarwatt-Geschäftsführer Detlef Neuhaus (links) schließt eine technische Kooperation mit Stiebel- Eltron-Geschäftsführer Nicholas Matten. Sie versichern Installateuren, dass die Geräte der beiden Hersteller gut zusammenpassen.© www.loesel-photographie.de

Solarmodule aus China als "Brückenlösung"

"Der Markt explodiert", sagt Solarwatt-Chef Neuhaus. Er könne selbst Verwandten keine Vorzugsbehandlung versprechen, manche Installateure seien bis weit ins nächste Jahr ausgebucht. Im September hat das Unternehmen seine neue Produktionslinie namens F8 eröffnet. Die 37 Roboter sollen eine Million Fotovoltaik-Module pro Jahr montieren, doch die Linie ist noch nicht vollständig hochgefahren.

Die Vorgänger-Linie F7 in der Nachbarhalle nutze eine auslaufende Solarzellen-Technik und werde abgeschaltet, "wenn sie nicht mehr zu unserem Qualitätsanspruch passt". Inzwischen will das Unternehmen Produktionsaufträge nach China vergeben, als "Brückenlösung". Solarwatt werde in diesem Jahr Module mit einer Gesamtleistung von einem Gigawatt verkaufen, davon knapp die Hälfte aus der eigenen Fabrik. Schon einmal hatte Solarwatt Fotovoltaik-Technik aus Asien vermarktet, allerdings für ein Bauprojekt in Vietnam.

"Wir stehen zum Standort Deutschland", sagte der Geschäftsführer. Die Auftragsproduktion müsse sich nach den technischen Vorgaben von Solarwatt richten. Die teuersten Solarmodule, mit Glas auf Vorder- und Rückseite, kämen ausschließlich von hier, das Glas werde in Brandenburg produziert. Die Glasfabrik sei allerdings auf Erdgas angewiesen - bleibe das aus, sei auch die Produktion von Solarmodulen in Deutschland gefährdet, warnte Finanzchef Sven Böhm.

Meyer-Burger dehnt Produktion in Freiberg aus

In Freiberg hat der Solarmodulhersteller Meyer-Burger vor wenigen Tagen bekannt gegeben, seine Produktion ebenfalls auszudehnen. Im bisherigen Logistikzentrum würden bald Module mit 400 Megawatt Leistung pro Jahr hergestellt, damit wachse die Kapazität von Meyer-Burger in Freiberg auf 1,4 Gigawatt.

Zum Vergleich: Die Solarwatt-Linie F8 soll dagegen nur 300 Megawatt schaffen. Mit dem Ausbau bei Meyer-Burger in Freiberg sind 200 zusätzliche Arbeitsplätze verbunden. Kurzfristig würden dort Solarzellen aus der eigenen Fabrik in Bitterfeld-Thalheim verarbeitet statt in den USA. Der Fabrik-Aufbau in Goodyear im US-Bundesstaat Arizona gehe trotzdem "mit hoher Geschwindigkeit weiter".

Solarwatt in Dresden sieht sich dagegen "in der Vorreiterrolle" bei der "Sektorenkopplung", also bei der Vernetzung von Strom, Heizung und Mobilität. In Hessen hat Solarwatt einen eigenen Handwerksbetrieb mit 50 Beschäftigten. Das Unternehmen bietet auch eine Software zum Koordinieren der Energieflüsse im Haus an. Dabei arbeitet Solarwatt mit dem Dresdner Software-Unternehmen Kiwigrid zusammen, das sich auf die Energiebranche spezialisiert hat.

Beide Unternehmen gehören dem BMW-Mitbesitzer Stefan Quandt. Nach der Insolvenz von Solarwatt im Jahr 2012 hatte er seine Besitz-Anteile am Unternehmen erhöht. Quandt ist auch am Dresdner Unternehmen Heliatek beteiligt, das Solarfolien herstellt. Kiwigrid mit 150 Beschäftigten hat angekündigt, ab Juli seinen neuen elektronischen Energiemanager Voyager X zu verkaufen. Er soll den Energieverbrauch und Stromspeicher im Haus steuern. Er sei leicht zu montieren.

Solarwatt-Manager Böhm zeigte auf seinem Handy, dass er bereits eine App von Kiwigrid nutzt: Sein Stromspeicher zu Hause sei demnach gerade voll geladen, die Solaranlage vom Dach speise Energie ins öffentliche Netz ein.

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