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SOE: Tischler - ein begehrter Ausbildungsberuf

11.11.2021
Das Interesse von jungen Geflüchteten an der Tischlerei hält sich allerdings in Grenzen. Dafür gibt es vor allem einen Grund.

Von Maik Brückner 

Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge gibt es 216 Tischlereien - Stand Ende 2020. Davon bilden laut Kreishandwerkerschaft Südsachsen 40 Firmen Lehrlinge aus. „Manche jährlich und kontinuierlich, wie zum Beispiel TIG, Sachsenküchen und Capron, einige nach Bedarf“, sagt Geschäftsführerin Antje Reichel.

Das Interesse am Erlernen der Tischlerei ist nach Einschätzung der Kreishandwerkerschaft gleichbleibend gut. „Der Tischlerberuf zählt traditionell zu den begehrtesten Ausbildungsberufen“, so Antje Reichel von der Kreishandwerkerschaft.

Das gilt auch für die Nachbarkreise Bautzen, Meißen und Görlitz und Dresden. In diesem Kammerbezirk belegt der Tischlerberuf im aktuellen Ausbildungsjahr mit 131 neuen Azubis (Stand 29. Oktober 2021) den dritten Platz der beliebtesten Ausbildungsberufe.

Zurzeit gibt es 87 Tischlerlehrlinge im Landkreis

Noch beliebter sind nur noch der Beruf des Kraftfahrzeugmechatronikers mit 291 neuen Lehrlingen, gefolgt von der Ausbildung zum Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (148). "Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge steht der Beruf des Tischlers mit 28 neuen Azubis sogar auf Platz zwei", informiert Johanna Schade von der Handwerkskammer Dresden. Zum Vorjahreszeitpunkt starteten im Landkreis 39 Tischler-Azubis in ihre Lehre – 2019 waren es 29.

Zurzeit gibt es 87 Tischlerlehrlinge im Landkreis. Davon sind 14 Frauen und 73 Männer, so Sprecherin Johanna Schade von der Handwerkskammer.

Unter jungen Flüchtlingen ist das Interesse am Tischler-Beruf überschaubar. Die, die sich dafür interessieren, kommen zumeist aus Syrien und Afghanistan. In den Jahren 2019 und 2020 hatten sich vier ausländische Tischlerlehrlinge der Gesellenprüfung gestellt. „Drei haben diese in der Wiederholungsprüfung bestanden, ein Prüfling hat den Abschluss am Ende nicht geschafft“, so Frau Reichel.

Antje Reichel leitet als Geschäftsführerin die Kreishandwerkerschaft Südsachsen.
Antje Reichel leitet als Geschäftsführerin die Kreishandwerkerschaft Südsachsen. © Daniel Schäfer

Die Hoffnungen, die die Firmen in junge Flüchtlinge gesetzt haben, haben sich oftmals nicht erfüllt, schätzt man bei der Kreishandwerkerschaft ein. Es bedurfte in der Regel zusätzlicher Anstrengungen und Unterstützung der Handwerksmeister beziehungsweise Ausbilder. Hauptproblem war und ist immer wieder die Sprachbarriere, vor allem im Theorieteil der Prüfungen, aber auch schon in der Berufsschule.

„Auch grundlegende Voraussetzungen wie Pünktlichkeit und Ordnung müssen oftmals noch erlernt werden“, so Frau Reichel. Hervorzuheben sei jedoch die Höflichkeit, die von den ausländischen Lehrlingen den Prüfern und Mitarbeitern in der Geschäftsstelle der Kreishandwerkerschaft entgegengebracht wurde.

Derzeit wird im zweiten und dritten Lehrjahr kein Flüchtling zum Tischler in einem der Unternehmen des Landkreises ausgebildet.

Die Handwerkskammer Dresden rät jungen Flüchtlingen, vor dem Beginn einer Lehre eine Einstiegsqualifizierung zu besuchen. "Hier kann der deutsche Arbeitsalltag wahrgenommen und das Sprachniveau verbessert werden", sagt Sprecherin Schade. Ebenso hilfreich sei es die Teilnahme der Azubis an Sprachkursen, die aktuell wieder zur Verfügung stehen, sich jedoch in der Regel auf die Ballungsgebiete fokussieren.

"Die Ausbildungsberater der Handwerkskammer Dresden empfehlen für den erfolgreichen Ausbildungsbeginn im Handwerk den Nachweis einer mindestens 9-jährigen Allgemeinbildung und ein sicheres Sprachniveau auf Level B2", so Schade.

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