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Spektakulärer Einsatz fürs „Eichhörnchen“

10.10.2018
Ein Transporthubschrauber brachte das Baumaterial für den neuen Aussichtssturm auf den Lauschegipfel. Eine schwierige Mission.

Christian Salzmann lässt seinen Blick nicht vom Lauschegipfel. Als ob die Wolke dort verschwinden würde, wenn er sie nur lange genug anstarrt. Es ist zum Haareraufen! Oben auf dem Gipfel warten die Männer der Hainewalder Baufirma Franke nun schon seit über einer Stunde auf Beton. Und Salzmann ist dafür zuständig, dass das Baumaterial bei ihnen ankommt. Der 28-Jährige ist der Chef eines Teams der Deutschen Helikopter aus Baden-Württemberg und Projektleiter für diesen Spezialeinsatz an der Lausche. „Alles sehr erfahrene Leute“, sagt er. Aber die größte Erfahrung nützt nichts, wenn der Pilot nichts sieht. „Die Wolken sind zu dicht.“ Und der Beton hier unten im Transportmischer hält höchstens noch drei, vier Stunden.

Dabei ist alles haargenau geplant: Weil kein Lkw bis auf den Lauschegipfel fahren kann, muss ein Hubschrauber den Beton für das Fundament des neuen Aussichtsturms kübelweise zur Baustelle fliegen – 19 Kubikmeter Beton müssen da rauf, insgesamt mehr als 60 Kübel. Am Boden auf einem Feld in Herrenwalde steht der Betonmischer der Oderwitzer Firma Fenger schon seit zwei Stunden bereit. Aber Anlagenleiter Frank Molzahn bleibt gelassen: „Das wird schon noch“, murmelt er. Der Oberlausitzer kennt sich aus mit Wolken überm Gebirge und dem böhmischen Wind.

Und tatsächlich: Es wird. Kurz nach zehn reißt an diesem Dienstagvormittag der Himmel überm Lauschegipfel auf. Und von da ab läuft es wie am Schnürchen: Ununterbrochen fliegt der blau-gelbe Eurocopter AS 350 – die Crew nennt ihn liebevoll „Eichhörnchen“ – von Herrenwalde aus zum Lauschegipfel und zurück. Es ist ein schwieriger Einsatz für den Piloten. „Vor allem mit dem Wind hab ich ganz schön zu kämpfen“, sagt Steffen Becher, als er sich eine kurze Pause am Boden gönnt. Dass er oben auf dem Gipfel den Kübel am Seil passgenau über die Baustelle bringen muss, damit sein Flughelfer und die Kollegen von der Baufirma den Beton direkt in die Bodenplatte entleeren können, sei „kein Akt“, winkt der 38-Jährige ab. Tausendmal geübt. Das sei ja schließlich sein Job. Projektleiter Christian Salzmann ist sehr zufrieden. Gerade mal fünf Minuten dauert ein Flug. Alles eingespielt. Alles Routine.

Die vielen Schaulustigen, die das ungewöhnliche Treiben unten in Herrenwalde beobachten, staunen. „Schön, dass es endlich losgeht“, freuen sie sich. Ein bisschen Pech haben die, die sich auf den steilen Weg zum Gipfel machen, um die Bauarbeiten hautnah mitzuerleben. Hundert Meter unterhalb des Gipfels ist Schluss. „Das muss sein – aus Sicherheitsgründen“, erklärt Frank Weickert, der Polier der Baufirma, der auf dem Gipfel das Kommando hat. Für den 49-Jährigen ist dieser Arbeitsplatz ein ganz besonderer – nicht nur, weil er der höchstgelegene ist, auf dem er je zu tun hatte. „Mit dem letzten Wirt der alten Lauschebaude bin ich weitläufig verwandt“, erzählt er. Und auch der Landwirt, der das Start-Feld zur Verfügung gestellt hat, sei einer der Nachfahren. Am späten Nachmittag sind die über 60 Flüge geschafft. Mittwoch ruhen die Bauarbeiten, weil der Beton der Grundplatte aushärten muss. Am Donnerstag und Freitag soll weitergeflogen werden. Dann folgt der Beton für die Wände – 40 Flüge am Donnerstag, 20 am Freitag. „Wenn das Wetter mitspielt und der Gipfel nicht wieder in den Wolken hängt“, sagt Christian Salzmann und klopft dem „Eichhörnchen“ vorsichtshalber dreimal auf die Nase. Nach derzeitigen Plänen wird das Helikopter-Team im Frühjahr wiederkommen und die Metallteile für die Turmkonstruktion auf den Gipfel fliegen. Und wenn alles gut geht, wird der neue Aussichtsturm 2019 eingeweiht.

 

Von Jana Ulbrich

Fotos: Matthias Weber

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