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Stahlbau Niesky geht in die Insolvenz

Landkreis Görlitz 04.10.2019
Die Firma konnte nicht alle Außenstände eintreiben. Für die Beschäftigten soll dies vorerst jedoch keine Folgen haben.

Nun ist es also doch passiert. Nach Informationen von Geschäftsführer Robert Unger hat der Stahlbau Niesky die Insolvenz beantragt. Das Verfahren soll in Eigenverwaltung laufen und in drei Monaten abgeschlossen sein. Die Geschäftsführung habe dazu von den Gesellschaftern das Vertrauen ausgesprochen bekommen, so Unger weiter. Mit der Hilfe von Rechtsbeiständen wolle man die Zeit nutzen, das Unternehmen wieder in die Spur zu bekommen.

Für die rund 130 Mitarbeiter starke Belegschaft soll das Insolvenzverfahren vorerst keine Auswirkungen haben. „Der Betrieb geht ganz normal weiter“, erklärt Unger. Kurzarbeit sei nicht vorgesehen, denn es gebe genügend Aufträge, die abgearbeitet werden müssten. Auch für die Lohnauszahlung gibt er Entwarnung. Wurde das Geld in der Vergangenheit mehrere Monate lang in Etappen überwiesen – wobei am Ende des Monats stets die volle Summe auf den Konten eingegangen war – wird es während des Insolvenzverfahrens Insolvenzgeld von der Arbeitsagentur geben. Und das in voller Höhe, ohne Stückelung. „Nach den drei Monaten gehen wir davon aus, dass der Stahlbau wieder auf eigenen Füßen steht“, gibt sich Robert Unger optimistisch.

Die Insolvenz des Nieskyer Betriebes kommt nicht ganz überraschend. Schon seit Jahren hatte das Unternehmen mit Außenständen zu kämpfen, die trotz vollbrachter Leistungen von den Auftraggebern nicht oder mit großen Verzögerungen bezahlt wurden. Begonnen hatte die finanzielle Schieflage mit einem Großauftrag für die Waldschlösschenbrücke in Dresden. Der Streit um die Bezahlungen offener Rechnungen zog sich bis fünf Jahre nach der Eröffnung des Bauwerkes 2013 hin. Der Materialeinsatz war wegen verschiedener Umplanungen gestiegen. Zudem kannte der Stahlpreis nur eine Richtung: nach oben. Die in einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossenen Firmen, darunter der Stahlbau Niesky, forderten vom Auftraggeber, der Stadt Dresden, 18 Millionen Euro Nachschlag. Schließlich einigte man sich – jedoch mit einem für die Unternehmen unbefriedigenden Ausgang. Man habe einen Millionenbetrag erbrachter Leistungen nicht bezahlt bekommen, resümierte Geschäftsführer Unger im August im Gespräch mit der Sächsischen Zeitung.

Dies war jedoch kein Einzelfall. Immer wieder gab es Ärger mit öffentlichen Auftraggebern und der Deutschen Bahn. Mit dem Staatskonzern lag man zuletzt noch wegen einer Eisenbahnbrücke in Hennigsdorf über Kreuz, deren Fertigstellung bereits acht Jahre zurückliegt. All dies habe sich summiert, erklärt Robert Unger. Man habe die für den problemlosen Weiterbetrieb des Unternehmens notwendigen Außenstände nicht rechtzeitig eintreiben können. Deshalb nun die Insolvenz.

 

Von Frank-Uwe Michel 

Foto: © Archiv / André Schulze

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