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Striezelmarkt-Aussteller: "Für uns steht alles auf dem Spiel!"

16.11.2021
Noch ist unklar, ob Sachsens Weihnachtsmärkte stattfinden. Die Aussteller haben investiert - und manche bangen um ihre Existenz.

Von Angelina Sortino 

Dresden. Frederic Günther blickt auf die Striezelmarktbude seines Familienunternehmens "Seiffener Volkskunst". Sein Vater schmückt gerade das Dach mit einer Holztanne. "Bis ein Stand so weit aufgebaut ist, kostet das bis zu 5.000 Euro", erklärt Günther. Ob er aus seiner Bude schlussendlich auch verkaufen darf, ist noch immer unklar.

"Die Veröffentlichung der aktuellen Corona-Schutzverordnung war für uns der Startschuss." Dass die Weihnachtsmärkte darin auch beim Erreichen der Überlastungsstufe unter Auflagen stattfinden dürfen, sei für ihn ein klares Zeichen. Man habe bei der Ausarbeitung der Verordnung mit einer solchen Entwicklung der Pandemie, mit rasant steigenden Infektionswerten, gerechnet und entsprechend geplant.

Der Dresdner Striezelmarkt soll am kommenden Montag beginnen. Drei Tage später endet jedoch die Gültigkeit der aktuellen Corona-Schutzverordnung, nach der Weihnachtsmärkte trotz Corona stattfinden dürfen. Nach Ansicht von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) ist diese Linie nicht haltbar, er forderte vergangene Woche die Absage aller Weihnachtsmärkte. Die Verunsicherung bei Betreibern ist dementsprechend groß.

Mehr Klarheit könnte die Kabinettssitzung am Dienstag bringen. In ihr wird über die Corona-Schutzverordnung diskutiert, die ab dem 26. November gelten soll. Die Weihnachtsmärkte werden dabei auch Thema sein.

"Die Nerven liegen blank"

Günther ist Geschäftsführer des Verbands Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller. "Das Geld für die Präsenz auf den Weihnachtsmärkten haben die Betriebe jetzt bereits in die Hand genommen. Mit jedem weiteren Tag Unklarheit steigen die Kosten, auf denen man im Ernstfall sitzenbleibt, weiter."

Ihre Waren können Günther und seine Verbandsmitglieder bei einer Absage der sächsischen Weihnachtsmärkte auch online verkaufen. Anders sieht das bei Ausstellern aus, die Lebensmittel wie Glühwein, Punsch und Snacks anbieten. André Rütz möchte Fisch auf dem Striezelmarkt verkaufen. "Ich muss so große Mengen Fisch, wie ich sie für den Striezelmarkt brauche, natürlich vorordern. Sonst langt der nicht", sagt der Geschäftsführer vom Fischhandel Hein Mück aus Dresden. Dementsprechend hart würde Rütz eine Absage des Marktes treffen. "Der Fisch läuft mir ab. Das muss dann alles in die Tonne." Ihn stört vor allem, dass es auch knapp eine Woche vor der Eröffnung des Marktes noch keine Klarheit gibt. "Hätte man vor drei Wochen abgesagt, dann wäre das irgendwie okay gewesen."

Katrin Weiß-Hantsche hat Konsequenzen gezogen: "Ich habe meinen Stand in Leipzig gestern abgesagt", so die Händlerin. Grund dafür sei das Alkoholverbot. In ihren Buden bietet Weiß-Hantsche neben Pfefferkuchen auch Glühwein und Glühbier an. Unter dem Alkoholverbot litten nicht nur die Gastronomen. "Denn die Leute kommen ja extra für Glühwein und Bratwurst auf den Weihnachtsmarkt. Nussknacker und Pfefferkuchen nimmt man dann nebenbei mit", sagt sie.

Katrin Weiß-Hantsche verkauft seit über 30 Jahren auf Sachsens Weihnachtsmärkten Pfefferkuchen.
Katrin Weiß-Hantsche verkauft seit über 30 Jahren auf Sachsens Weihnachtsmärkten Pfefferkuchen. © kairospress

 

Weiß-Hantsches Familienbetrieb aus Großröhrsdorf hat sich auf den Weihnachtsmarkt-Verkauf spezialisiert. "Für uns steht gerade alles auf dem Spiel!" Auch sie hat schon viel für die Weihnachtsmärkte eingekauft. "Die Nerven liegen blank. Es geht schließlich um einen riesigen fünfstelligen Betrag."

Finanzielle Unterstützung gefordert

Die Unternehmerin zeigt sich verärgert. "Letztes Jahr gab es irgendwann wenigstens eine klare Entscheidung. Das war unschön, aber nichts im Vergleich zu dem Spiel, das man hier dieses Jahr mit uns spielt." Sie befürchtet, dass sie ihre Buden bereits nach wenigen Tagen wieder schließen muss, weil die aktuelle Corona-Schutzverordnung nur bis zum 25. November gilt. Zudem brauche es im Fall einer Absage Ausgleichszahlungen, um die Existenz der Aussteller zu sichern. Weil der Verkauf auf Weihnachtsmärkten ein einzigartiges Geschäft ist, fallen Unternehmen wie das von Katrin Weiß-Hantsche laut eigener Einschätzung nicht unter die Förderrichtlinien der bisher beschlossenen Corona-Hilfen. Denn ganzjährige ähnliche Fixkosten, an denen man die höhe von Hilfsgeldern bemessen könnte, gibt es im Saisongeschäft nicht.

Frederic Günther ist Geschäftsführer des Verbands Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller. Er hofft, dass der Striezelmarkt stattfinden kann.
Frederic Günther ist Geschäftsführer des Verbands Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller. Er hofft, dass der Striezelmarkt stattfinden kann. © kairospress

Auch Frederic Günther fordert finanzielle Hilfen für die Betriebe, die von einer möglichen Absage der Weihnachtsmärkte hart getroffen würden. "Wir sind nicht für die derzeitige pandemische Lage verantwortlich und sollten deshalb nicht alleine die Konsequenzen tragen müssen." Ihn ärgere auch, dass die aktuellen Regeln schon kurz nach deren Beschluss wieder infrage gestellt werden.

Außerdem bezweifle er, so Günther, dass eine Absage der Weihnachtsmärkte überhaupt viel dazu beitragen kann, die Pandemielage zu verbessern, solange Gaststätten und Geschäfte noch geöffnet sind. "Ich befürchte, dass viele Impfgegner sich nun in ihren Annahmen bestätigt fühlen. Denn auch wenn sich viele extra haben Impfen lassen, fällt der Markt nun vielleicht trotzdem wieder aus."

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