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Striezelmarkt-Schutz: Ist das die Lösung?

Dresden 09.10.2019
2020 könnten die Betonklötze vom Altmarkt verschwinden. Eine Radeberger Firma hat neue Barrieren entwickelt.

Wie schützt sich eine Stadt am besten vor Anschlägen? Etwa 90 Tote und mehr als 400 Verletzte kostete der Terroranschlag auf eine Promenade in Nizza. Der Täter ist mit einem Laster in die Menschenmenge gerast. Danach entstanden die Betonklötze als Schutzschilde, die Nizza-Sperren genannt werden. Nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz, mit wiederum vielen Opfer, wurden noch ganz andere Schutzanlagen erfunden. Auch Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) will die Besucher von Großveranstaltungen in Dresden schützen. Als besonders gefährdet gilt der Striezelmarkt, da dieser weltweit bekannt ist und jedes Jahr sehr viele Besucher kommen. Im vergangenen Jahr scheiterte der OB mit seinen Plänen am Stadtrat, weil zu viel ungeklärt war. Jetzt gibt es einen neuen Anlauf.

Es geht um den bestmöglichen Schutz, aber auch um Ästhetik. Beides vereint hat eine Firma aus Großerkmannsdorf, einem Ortsteil von Radeberg. Das zumindest sagt Geschäftsführer Arian Vorwerk von Vowisol. Denn der Anblick der 143 Betonklötze, 30 speziellen Klapp-Bügel und der 60 mit Wasser gefüllten riesigen Container, genannt Indutainer, schreckt viele ab. Letztere entsprechen auch nicht mehr den aktuellsten Sicherheitsvorschriften, da sie aufgeschlitzt werden könnten. Die Nizza-Sperren bergen das Problem, dass der Beton platzen kann und herumfliegende Teile als Gefahr gelten.

Vorwerk hat einen komplett anderen Ansatz. Die Firma Vowisol stellt vor allem Wintergärten her, aber auch Pavillons und Pflanzkübel. Diese werden in Großerkmannsdorf komplett aus Metall gefertigt, vorwiegend aus Aluminium. „Durch die ganze Diskussion um Schutzelemente, sind wir auf die Idee gekommen, Pflanzkübel zum Schutz zu entwickeln“, erklärt Vorwerk. Diese sind jetzt fertig und in Münster zertifiziert worden. Die GPEC, eine internationale Konferenz für innere Sicherheit von Polizei und Sicherheitsbehörden, hat dort ihre Fachtagung zu Terrorabwehrsperren und Zufahrtsschutz durchgeführt. Vorwerk hat sein Modell dort testen lassen, und es hat bestanden.

Die Kübel sind 2,6 Meter breit, 95 Zentimeter hoch und 1,27 Meter tief. Der Kern besteht aus einer Stahlwanne mit Stahlblechen, wiegt zehn Tonnen. Die Aluminiumschale, die von außen zu sehen ist, wiegt weitere 500 Kilo. Am Boden sind sie fest mit Antirutschmatten verbunden. „Das Gewicht hält einem Lasteraufprall stand“, sagt Vorwerk. Das wurde in Münster getestet. Ein zwölf Tonnen schwerer Laster ist mit 45 Stundenkilometern gegen so einen Kübel gefahren. Der Laster war danach fahruntauglich, der Kübel wurde zwölf Meter verschoben. Das reichte den Testern und entspricht den aktuellen Schutzvorgaben.

„Dazu fügen sich die Pflanzkübel ins Stadtbild ein“, erklärt Vorwerk. Große Wassersäcke und Betonklötze würden nicht mehr benötigt. Die Aluabdeckungen können zudem individuell gestaltet werden. „Wir können das Stadtwappen, das Striezelmarktlogo oder einen Striezelmarktplan gestalten, wie gewünscht“, sagt der Geschäftsführer. In die Kübel können Pflanzen, sie könnten aber auch als Podeste für Kunstwerke oder andere gestalterische Elemente genutzt werden.

Zudem verspricht die Firma, dass die Sicherheitsbarrieren wartungsfrei seien, nichts könne rosten. „Es gibt auch keine Stolperfallen, weil die Kübel frei stehen“, erklärt Vorwerk. Das System, das OB Hilbert im vergangenen Jahr anschaffen wollte, nennt sich „TruckBloc“. Das waren ebenfalls Pflanzkübel, die aber miteinander verankert waren. Die Stahlseile hätten zu Barrieren werden können.

„Truckbloc“ hätte für 31 Meter 476 000 Euro gekostet. Vorwerk sagt, dass seine Kübel für so eine Summe einen breiteren Schutz bieten. Um die Seite der Wilsdruffer Straße abzusichern, das sind etwa 80 Meter, würden 22 der Kübel benötigt, da zwischen ihnen immer 1,2 Meter Abstand sein können. Da OB Hilbert im vergangenen Jahr bereits zwei mobile Schranken für 124 000 Euro kaufen ließ, die die Zufahrt von der Kreuzkirche und der Seestraße schützen, könnte das reichen. Das zuständige Amt für Wirtschaftsförderung kennt die Vowisol-Kübel. An diesem Montag entscheidet der Finanzausschuss darüber, ob 550 000 Euro für solche Schutzelemente freigegeben werden. Dann würde die Stadt eine Ausschreibung dazu machen. „Diese wird produktneutral erfolgen, so könnte sich auch die Firma Vowisol daran beteiligen“, sagt Sprecherin Anke Hoffmann. Die Kübel müssen per Kran aufgestellt werden. Sie können jederzeit auch andere Veranstaltungen schützen, etwa das Stadtfest, oder den Neumarkt.

 

Von Andreas Weller

Foto: © Visualisierung Vowisol

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