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Stromversorger mit Internet auf Erfolgskurs

Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 14.02.2020
Vor fünf Jahren startete die Freitaler Strom und Gas mit dem Glasfaserausbau. Nun hat der lokale Anbieter bereits ein Zehntel der Freitaler überzeugt - Tendenz steigend.

Die Marktführer heißen Deutsche Telekom, Pyur oder eins&eins. Sie kämpfen mithilfe großer Werbebudgets um Kunden, locken mit Tarifen zum Schnäppchenpreis und verschenken bei Vertragsabschluss schon mal teure Technik. Was kann man dem entgegensetzen? Matthias Leuschner muss über diese Frage nicht lange nachdenken. "Wir sind vor Ort, wir kennen Freital am besten. Und wir werden nicht aufhören, bis Glasfaser in allen Kellern liegt."

Leuschner ist Geschäftsführer der Freitaler Strom und Gas (FSG). Traditionell macht die städtische Gesellschaft mit ihren rund 77 Mitarbeitern ihr Geschäft mit der Energieversorgung. Doch ein drittes Standbein gewinnt immer mehr an Bedeutung: das Thema Internetanschlüsse.

Der Anfang: Pilotprojekt 2013

Mittlerweile verfügt jeder zehnte Freitaler Haushalt oder Firmenanschluss über einen Internetvertrag mit der FSG, Tendenz steigend. Dabei ist das Unternehmen erst fünf Jahre am Markt. 2013 startete zunächst ein Pilotprojekt an der Birkigter Höhe. Rund 15 Häuser wurden damals mit Glasfaser bis ins Haus ans schnelle Internet angeschlossen. Dazu kam das Technologie- und Gründerzentrum. Für die FSG war das ein Versuchsfeld, das gibt Matthias Leuschner heute zu. "Wir wollten sehen, wie gut wir das können." 

Die Kundenzufriedenheit sprach für sich und die FSG investierte. Ab 2015 begann das Unternehmen, in Freital großflächig ein eigenes Glasfasernetz aufzubauen. Die Leitungen wurden dabei bis an Verteilerstationen der Telekom verlegt und dort an das bereits bestehende Kupferkabelnetz der Telekom angedockt. Dieses sogenannte Vectoring-Verfahren macht die Datenraten deutlich schneller - 30 bis 100 Mbits pro Sekunde sind damit in der Regel möglich.

Das Netz: Ausbau bis in die Wohnung

Es blieb nicht beim Vectoring-Verfahren. Parallel investierte die FSG in ein Glasfasernetz, dass bis in die Keller der Wohnhäuser reicht. In Absprache mit Großvermietern wie der Freitaler Wohnungsgesellschaft (WGF) und mehreren Genossenschaften sowie privater Vermieter kann das schnelle Internet sogar bis in die einzelnen Wohnungen gelegt werden. Von den rund 7.100 Gebäuden in Freital sind mittlerweile 5.200 durch die FSG damit erreichbar. Dies entspricht einem Marktanteil von 75 Prozent. 

Datenraten von 30 bis 100 Mbit/s sind damit kein Problem - auch für Drittanbieter. Die Frage ist eher, wer das Angebot nutzt. So umgehen manche Anbieter das neue Glasfasernetz, um Durchleitegebühren zu sparen, und versorgen ihre Kunden lieber über nicht so leistungsfähige Datenleitungen. "Wir hören immer wieder von Freitalern, die nur einen Teil der Kapazitäten haben, für die sie eigentlich einen Vertrag abgeschlossen haben", berichtet Leuschner. 

Dass die Konkurrenz das Freitaler Glasfasernetz nicht nutzt, treibt dem kommunalen Unternehmen neue Kunden geradezu in die Arme. Anfang 2018 hatte die FSG 1.100 direkte Internetkunden, Ende des vergangenen Jahres waren es bereits 2.800 Haushalte oder Firmen. Das sind bei rund 20.000 potenziellen Kunden gut zehn Prozent. "Keine schlechte Zahl für unser neues Standbein", freut sich Leuschner.

Die weißen Flecken: Baustart noch in diesem Jahr

Doch nicht überall kommen die Datenmengen schnell durch die Leitungen. Denn es gibt in Freital noch einige sogenannte "weiße Flecken". Insgesamt 66 Gebäude, verteilt übers gesamte Stadtgebiet,  verfügen bisher nicht über den europaweit avisierten Mindeststandard von 30 Mbit/s. 

Das betrifft zum einen den Stadtteil Saalhausen. Zum anderen sind einzelne Wohngrundstücke nicht erschlossen, weil sie beispielsweise in der zweiten Reihe stehen oder zu weit abliegen. Die Stadtverwaltung möchte nun die "weißen Flecken" ans Netz bekommen und hat dafür Fördermittel beim Bund und dem Land Sachsen beantragt. 

Zudem sollen alle Schulen, so weit noch nicht geschehen, einen Glasfaseranschluss bekommen. Sobald das Geld bewilligt ist, soll ein Anbieter gesucht werden, der das Netz ertüchtigt. Die FSG wäre bereit, signalisiert der Geschäftsführer. "Mal sehen, ob auch die Telekom oder ein dritter Anbieter Interesse hat." Unabhängig davon: Baustart dürfte erst Ende dieses Jahres sein.

Die Perspektive: Digitalisierung der Haustechnik

Einmal bis in die Wohnhäuser und die Wohnungen vorgedrungen, ist mit den neuen Glasfaseranschlüssen noch viel mehr möglich. Die digitale Hausverwaltung etwa. Was versteht man darunter? "Das automatische Auslesen von Wärme- und Wasserzählern zum Beispiel", erklärt Matthias Leuschner. Oder eine Art digitale Haustafel, auf der die Vermieter ihre Informationen Online vermelden können. 

Im Augenblick sind das Gedankenspiele. Wichtiger ist dem FSG-Chef, ganz Freital mit einem gut funktionierenden Glasfasernetz zu überziehen. Dafür will die FSG in diesem Jahr wieder eine Million Euro investieren. Ganz aktuell profitieren davon die Anwohner der Straße Am Raschelberg. Dort wird bis Mitte Februar fürs schnelle Internet gebaut.  

 

Von Annett Heyse

Foto: © Karl-Ludwig Oberthuer

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