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Tauchritzer Gurken sind der Renner im Supermarkt

25.11.2021
Die großen Einkaufsmärkte bieten in Görlitz und Niesky verstärkt Produkte aus der Heimat an. Das freut nicht nur die Kunden.

Von Gabriela Lachnit 

Benjamin Geschwill kann für das Foto gar nicht so viele Produkte auf einmal auf den Arm nehmen, wie er eigentlich möchte. Denn Produkte aus der Region hat der Inhaber des Rewe-Marktes in Görlitz sehr viele in seinem Sortiment, darunter natürlich den Klassiker schlechthin.

Der Klassiker in und rund um Görlitz, das sind die Gurken aus Tauchritz. "Kaum ist die aktuelle Gurkensaison vorbei, fragen die Kunden schon nach der neuen Ernte", berichtet Benjamin Geschwill. Doch der 38-Jährige muss die Kunden vertrösten: Die nächste Ernte gibt es erst Anfang 2022

Frische Gurken aus Tauchritz sind zwischen Görlitz und Niesky sehr begehrt.
Frische Gurken aus Tauchritz sind zwischen Görlitz und Niesky sehr begehrt. © SAE Sächsische Zeitung

Kooperationen gewinnen an Qualität

Den Gartenbaubetrieb Rüdiger Ahr in Tauchritz, einem Görlitzer Ortsteil, benennt Geschwill als gutes Beispiel für die regionale Zusammenarbeit. Tauchritzer Gurken gibt es rund um Görlitz in vielen Geschäften, auch in den großen Märkten. Doch das Jahr 2021 brachte eine neue Qualität in der Zusammenarbeit zwischen dem Gurkenzüchter und Benjamin Geschwill. Für Rewe produzierten die Tauchritzer Gärtner nicht nur Gurken, sondern auch Tomaten, und erstmals wurden Zucchini und Bohnen zum Verkauf bei Rewe geerntet.

Seit diesem Jahr verkauft Geschwill die Bierspezialitäten aus der "Bierblume", einer kleinen Görlitzer Brauerei. Ein weiteres, noch junges Unternehmen ist die Nieder Seifersdorfer Brauerei, die mit Geschwill ebenfalls einen Verkäufer für ihre Bierspezialitäten gefunden hat. Aber auch Honig vom Imker Mario Entrich aus Jauernick-Buschbach, Kaffee von der Kaffeerösterei Büttner in Görlitz und Äpfel vom Görlitzer Stadtgut sind in den Regalen bei Rewe zu finden. Neu ist die direkte Zusammenarbeit mit der Süßwarenfabrik Hoinkis in Görlitz.

Frisches in der Bedientheke

Ganz ähnlich sieht es in der Edeka-Filiale von Olaf Schneider in Kodersdorf aus. Er bietet unter anderem Honig aus dem Schöpstal von der Imkerei Richter, Säfte der Kelterei Neubert aus Rothenburg, Gewürze rund um den Knoblauch vom Landgut Ganow in Königswartha, Backzutaten von den Geha Mühlen in Weißenberg und frische Tomaten vom Gartenbau Steffen Pfalz in Markersdorf an. Frische Fleisch- und Wurstwaren für die Bedientheke kommen von der Viereichner Fleisch- und Wurstwaren GmbH aus Rietschen.

Auch in den beiden Kaufland-Filialen in Görlitz-Weinhübel und Königshufen sind Produkte aus der Region erhältlich, darunter Linke-Fruchtsäfte aus Neugersdorf, Menschel-Limonade aus Hainewalde bei Zittau, Bier vom Brauhaus Nieder Seifersdorf und Wurstwaren von der Willms Fleisch GmbH in Weißwasser.

Der Kaufmann Olaf Schneider ist Inhaber von Edeka-Märkten in Kodersdorf und Weißenberg.
Der Kaufmann Olaf Schneider ist Inhaber von Edeka-Märkten in Kodersdorf und Weißenberg. © SZ/Franziska Springer

Ware aus der Region ist oft speziell gekennzeichnet

Bundesweit verkauft Kaufland rund 25.000 regionale Artikel, die am Regal mit einem "Regional-Herz" gekennzeichnet sind. "Die Nachfrage nach regionalen Produkten entwickelt sich sehr positiv", bestätigt Kaufland-Sprecherin Alisa Götzinger. "Wir arbeiten mit sehr vielen regionalen Lieferanten zusammen, die sich in der direkten Umgebung der Märkte befinden und zudem in der jeweiligen Region heimatlich verwurzelt sind." Bereits zu Beginn einer Zusammenarbeit werden mit den Lieferanten deren Produktionskapazitäten besprochen. Danach richtet Kaufland die Abnahmemenge aus.

Olaf Schneider hatte bis jetzt Glück, dass alle regionalen Lieferanten den Bedarf decken konnten. "Sicher kommt es aufgrund einiger Faktoren auch einmal zu Engpässen, wie zum Beispiel beim Honig, wenn die Vorräte aufgebraucht sind", sagt er. Das sei aber nicht schlimm, da man hier dem Kunden auch aufzeigen könne, das normal produzierte Mengen irgendwann erschöpft sind. "Ich denke, dass wir mit den regionalen Lieferanten gemeinsam wachsen müssen und auch der Produzent in der Lage ist, sich schrittweise an gewünschte Liefermengen anzupassen", erklärt Schneider, der übrigens in Weißenberg einen zweiten Edeka-Markt eröffnete.

Für Benjamin Geschwill ist es ganz natürlich, dass regionale Produzenten und Supermärkte zusammenfinden. "Manchmal kommen die Produzenten auf mich zu, manchmal spreche ich sie an", erklärt er.

Das Kaufland in Görlitz-Königshufen.
Das Kaufland in Görlitz-Königshufen. © André Schulze

Kunden schätzen den Geschmack aus der Region

Bei den Kunden der großen Märkte sind die regionalen Angebote beliebt. "Das funktioniert sehr gut", sagt Benjamin Geschwill. Die Kunden schätzen die regionale Ware meist als hochwertiger ein als die Produkte aus der Großindustrie. "Und sie sind daran gewöhnt, dass diese Produkte in der Regel keine Massenware sind." Bei Kaufland weiß man, dass die Kunden die für die Region typischen Erzeugnisse und deren regionalen Geschmack besonders schätzen.

Im Edeka Kodersdorf werden die regionalen Produkte immer öfter nachgefragt. Das liegt möglicherweise auch an den kurzen Transportwegen, die die Produkte vom Produzenten bis in Schneiders Warenträger zurücklegen. Viele Kunden sehen das offenbar wie Schneider als einen Beitrag an, Ressourcen und damit die Umwelt und das Klima zu schonen. "Ich möchte mit dem Verkauf regionaler Produkte außerdem die Produzenten unterstützen, deren Arbeitsplätze sichern und den immer stärker werdenden Nachfragen der Kundschaft gerecht werden", benennt er weitere Argumente. Im kommenden Jahr will Olaf Schneider weitere Gespräche mit Anbietern aus Görlitz, Niesky und dem Umland führen. Mit welchen Lieferanten, das will er aber vor dem Abschluss der Verhandlungen noch nicht sagen.

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