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Thomas-Cook-Insolvenz trifft auch Hotels

Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 29.10.2019
Unternehmen in der Sächsischen Schweiz und im Osterzgebirge könnten Zehntausende Euro verlieren. Eine Auszeichnung ist nun wertlos.

Im Hotel Elbschlösschen in Kurort Rathen werden gegenwärtig geplante Investitionen darauf überprüft, ob sie eventuell verschoben werden könnten. Denn das Unternehmen sitzt auf Außenständen von rund 53.000 Euro. "Mit dem Geld hatten wir ja gerechnet, dass ist nicht unwesentlich", sagt Inhaber Rainer Förster.

Die offenen Rechnungen kommen durch die Insolvenz des Reiseveranstalters Thomas Cook Group zustande. Deren Tochterunternehmen Neckermann Reisen hat in dem Hotel an der Elbe ein festes Zimmer-Kontingent gehabt. Urlauber zahlen bei Neckermann. Das Geld abzüglich der entsprechenden Provision wird in der Regel aber erst mehrere Monate nach Abreise der Gäste gezahlt. So lief das jahrelang wunderbar. Fast 7.000 Gäste fanden auf diesem Weg jährlich in das Vier-Sterne-Haus mit seinen 70 Zimmern in Rathen. 

Nach der Pleite von Thomas Cook bleiben Kunden auf dem Großteil ihrer Kosten sitzen. Die Versicherung deckt nur einen kleinen Teil der Summe.

Die deutsche Thomas Cook war jedoch in den Sog der Pleite des britschen Mutterkonzerns geraten. Im September stellten drei deutsche Thomas-Cook-Gesellschaften Insolvenzantrag. Die Auswirkungen waren enorm, schließlich handelt es sich um den zweitgrößten Reisekonzern im deutschsprachigen Raum.

Die deutsche Thomas Cook mit rund 2.000 Beschäftigten hat sämtliche Reisen für dieses Jahr abgesagt. 140.000 Touristen müssen nun auf Entschädigungen hoffen. Die Zürich-Versicherung springt mit einem Volumen von 110 Millionen Euro ein. Das ist über den Sicherungsschein für Reisende geregelt. "Für uns gilt das nicht", sagt Förster. Er hat das ausstehende Geld erst einmal abgeschrieben. Vielleicht fällt seinem Unternehmen noch etwas aus der Insolvenzmasse zu. Die Hoffnung ist aber gering.

Auch die Toskana World, die das Hotel Elbresidenz an der Therme Bad Schandau betreibt, hat unternehmensübergreifend Außenstände, die aus der Thomas-Cook-Insolvenz resultieren. Die Höhe wollte das Unternehmen nicht nennen. "Ob wir mit diesem Geld rechnen können, wird das weitere Insolvenzverfahren zutage bringen", erklärt Kommunikationsmanager Klaus Lohmann. 

Eine ganze Reihe von geplanten Buchungen fällt weg. Diese müssen nun kompensiert werden. Dazu seien bereits Aktivitäten in die Wege geleitet, heißt es. "Im Interesse der Zufriedenheit unserer Gäste haben wir individuelle Lösungen für bereits gebuchte Reisen mit unseren Gästen regeln können", sagt Lohmann. Sprich, die Preise wurden reduziert, etwa um die Provision, die Thomas Cook erhalten hätte.

Allerdings sind nicht alle großen Hotels im Landkreis gleichermaßen betroffen. Das Unternehmen Ahorn Hotels & Resorts, zu dem auch das Waldhotel Altenberg gehört,  hatten durch die Ereignisse um die Thomas Cook Group zwar kurzfristig Umsatzeinbußen zu verzeichnen. "Außenstände gibt es aber keine zu beklagen", erklärt Prokuristin Judith Gellrich.

Arbeitsplätze sind sicher

Das Elbschlösschen hätte gern mit allen Gästen, die bereits gebucht hatten, eine individuelle Lösung gesucht. "Wir haben aber gar keine Kontaktperson mehr, die wurden bei Neckermann alle freigestellt", sagt Förster. Dennoch hat ein Großteil der Gäste nicht storniert, sondern noch mal im Hotel bezahlt. "Denen sind wir natürlich ein Stück entgegengekommen", sagt der Hotelchef. Einbußen gab es trotzdem. Die tun gerade in der Nebensaison im bevorstehenden November besonders weh.

Bisher wurde die Nebensaison in dem Hotel genutzt, um neue Mitarbeiter für die kommende Hauptsaison einzuarbeiten. Das wird dieses Mal nicht so großzügig ausfallen. "Es braucht aber niemand Angst um seinen Job haben", betont Förster ausdrücklich. 

Das Elbschlösschen gehörte bei Thomas-Cook-Urlaubern zu den beliebtesten Unterkünften überhaupt. Mehrfach gewann das Hotel im weltweiten Wettbewerb den Hotel-Award "Primo". Stolz war man darauf deshalb, weil Kunden und keine Jury über die Preisvergabe entschieden haben. "Vielleicht organisieren wir mit den Pokalen ja einen Weitwurf-Wettbewerb. Der Preis ist ja nun wertlos", sagt Förster mit einer gehörigen Portion Sarkasmus in der Stimme.

Vielleicht stimmt seine Einschätzung aber auch nicht. Der insolvente deutsche Reiseveranstalter Thomas Cook hoffte zwischenzeitlich auf einen Neustart unter der Traditionsmarke Neckermann Reisen. "Ich sehe gute Chancen, die glorreiche Vergangenheit wiederzubeleben", sagte Stefanie Berk, Geschäftsführerin der deutschen Thomas Cook, noch Anfang dieses Monats.

 

Von Gunnar Klehm

Foto: © Britta Pedersen/dpa 
 

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