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Trauer um Zittauer Immobilienmakler

Landkreis Görlitz 22.01.2020
Gert Thomas ist bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen. Auch einer seiner Mitarbeiter wird vom Baumstamm überrollt. Jetzt laufen Ermittlungen.

Die riesengroße Esche war schon lange krank, innen hohl, die Wurzeln geschädigt. Vorigen Mittwoch hat Gert Thomas den Baum fällen lassen. Damit nicht eines Tages noch jemand zu Schaden kommt, hat er noch gesagt. Sein Schwiegersohn filmt, wie die beauftragte Fachfirma ans Werk geht. Alles läuft wie geplant.

Das Grundstück an der Bertsdorfer Straße in Olbersdorf hatte Gert Thomas als letztes gekauft. Es sollte auch endgültig sein letztes Sanierungsobjekt werden, das er noch zu Ende bringen wollte. So hatte er es seiner Familie versprochen. Er wollte das Haus für seine Enkel sanieren - und sich danach endgültig zur Ruhe setzen. 

Doch an diesem Mittwoch kommt alles anders. Der bekannte Zittauer Immobilienmakler stirbt 76-jährig bei einem tragischen Unfall unter dem Stamm der Esche. "Wie genau das passieren konnte, ist uns allen im Moment noch ein Rätsel", sagt seine Tochter und Geschäftspartnerin Christine Runge.

Nur soviel kann sie sagen: Gemeinsam mit einem Mitarbeiter der Firma macht sich Gert Thomas an diesem Vormittag an das Beräumen des Holzes. Die beiden Männer haben den mächtigen Stamm schon entästet, als dieser plötzlich ins Rollen kommt. "Sie lagen beide bäuchlings unter dem Stamm", schildert Christine Runge sehr gefasst.

Rettungskräfte müssen die Männer mit schwerem Gerät von der Last befreien. Für Gert Thomas kommt jede Hilfe zu spät. Der 46-jährige Hausmeister wird mit lebensgefährlichen Verletzungen in die Dresdener Uniklinik geflogen. Tagelang ringt auch er mit dem Tod. Seit Sonntagabend wissen die Angehörigen aber nun, dass er es schaffen wird. "Gottseidank, Gottseidank", sagt Christine Runge immer wieder. "Er ist uns ja auch ein guter Freund."

Staatsanwaltschaft ermittelt zur Todesursache

Christine Runge hält es für möglich, dass durch die Last des Baumes ein Graben nachgerutscht ist, und der Stamm dadurch ins Rollen gebracht wurde. Ob das tatsächlich die Unglücksursache war, das wird jetzt auch zum Gegenstand staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen. 

"In Fällen wie diesen müssen wir zunächst prüfen, was todesursächlich war, und ein Fremdverschulden ausschließen", erklärt der Görlitzer Oberstaatsanwalt Sebastian Matthieu. Am Montag hat er deswegen auch eine Obduktion angeordnet. Er betont aber, dass das nur ein Routineverfahren zur genauen Klärung der Todesursache ist.

Im Büro von Christine Runge steht das Telefon nicht still. Die "Dr. Thomas Immobilien"-Gesellschaft ist eine der bekanntesten Firmen in Zittau. 1992 hatte ihr Vater in der Schulstraße sein erstes Büro eröffnet. Heute hat die Firma 18 Mitarbeiter, saniert, verkauft, vermittelt und verwaltet Wohn- und Geschäftshäuser nicht nur in Zittau, sondern auch im Zittauer Gebirge und im Umland. Und nicht nur das Eckhaus an der Zittauer Neustadt, in dem die Firma heute ihren Sitz hat, hat Gert Thomas vor dem Verfall gerettet.

"Er hat immer gerackert. Er war ein Perfektionist", sagt seine Tochter, die später neben ihrem Vater als Geschäftsführerin eingestiegen ist. Dass sie die Firma einmal weiterführt, hat er sich immer gewünscht. "Und wir werden sie auch in seinem Sinne weiterführen", sagt die 48-Jährige, "und auch unter seinem Namen." 

Ein selbstgeschnitztes Denkmal vor der Haustür

Christine Runge bekommt viel Zuspruch und Trost in diesen Tagen. "Das nehme ich dankend an", sagt sie. Vor allem aber helfe es ihr, dass der schwer verletzte Hausmeister überleben wird. "Das war mir und uns allen jetzt das Wichtigste", sagt sie. "Und das hilft mir unglaublich."

Ein echtes Denkmal hat sich ihr Vater vor einiger Zeit selbst gesetzt. Christine Runge schmunzelt trotz aller Trauer und Bitterkeit des Moments, wenn sie davon erzählt. 2002 hatte Gert Thomas das Bahnhofsgebäude im Olbersdorfer Oberdorf gekauft und saniert und hier auch eine Ferienwohnung eingerichtet. Vor der Tür steht der "Fahrdienstleiter", eine fast lebensgroße Holzfigur in Eisenbahner-Uniform, die dem Hausbesitzer wie aus dem Gesicht geschnitten scheint. Gert Thomas hat die Figur selbst geschnitzt - aus dem Stamm eines Baumes, der auf dem Gelände gefällt werden musste.  

 

Von Jana Ulbrich

Foto: © Thomas Eichler

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