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Unsere Zukunft im Kraftwerk

22.02.2021
Zwei junge Mitarbeiter des Energie-Unternehmens Leag erzählen, wie es ihnen mit Kohleausstieg und Schneckentempo beim Strukturwandel geht.

Von Irmela Hennig 

Alexander, 24, aus Cottbus

Alexander Keil hat im Kraftwerk Jänschwalde die Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik abgeschlossen und arbeitet als E- und Leittechniker im Kraftwerksblockbetrieb. Er ist aktiv in der Jugend- und Auszubildenden-Vertretung der Leag: „In meinem Freundeskreis gibt es mehrere Elektroniker, dadurch bin ich auf diesen Beruf gekommen.

Ich habe geschaut, was es in der Region für Möglichkeiten gibt, denn ich wollte in Cottbus bleiben. Für mich stimmt hier die Mischung. Es gibt ruhige Ecken und Natur, aber auch Orte zum Feiern. Wenn ich wirklich mal in die Großstadt will, ist es nach Berlin oder Dresden nicht weit.

Alexander Keil ist Elektriker im Kraftwerk Jänschwalde.
Alexander Keil ist Elektriker im Kraftwerk Jänschwalde. © kairospress

Der Beschluss, dass Deutschland aus der Kohle aussteigen wird, hat mich nicht überrascht. Für mich war aber klar, dass ich die Ausbildung abschließen werde. Sie ist eine sehr gute Grundlage, um auch anderswo Arbeit zu bekommen. Ich würde aber gern bleiben, wenn ich künftig einen Job mit angenehmen Arbeitsbedingungen finde und damit verbunden einen guten Lebensstandard.

Nach der Prüfung habe mich für die Arbeit im Blockbetrieb mit Dreischichtsystem und Dienst an Wochenenden entschieden. Denn ein Kraftwerk muss rund um die Uhr laufen. Wir überwachen an Bildschirmen alle elektrotechnisch relevanten Anlagen und müssen im Störungsfall auf Fehlersuche gehen. Da steckt viel Verantwortung drin.

"Ich wünsche mir mehr Tempo bei den Jobs"

In der Klimadiskussion fehlt mir der Respekt für die Leistung der Kollegen. Die Debatten sind oft sehr emotional, sie werden geführt ohne Sachlichkeit und teils ohne technisches Verständnis. Für viele, für mich früher auch, kommt Strom einfach aus der Steckdose. Was dahinter steckt und wie komplex das ist, wissen nur wenige.

Wenn Kohlegegner Gleise und Tagebau besetzten, ist das Vandalismus, eine Straftat. Das hat nichts mit Demokratie zu tun. In der Kohlekommission waren alle Seiten vertreten, also sollten jetzt auch alle zu dem ausgehandelten Kompromiss stehen.

Und wir müssen das, was entschieden wurde, jetzt auch umsetzen. Ich wünsche mir mehr Tempo bei alternativen Jobs hier in der Lausitz. Jetzt kommt zwar Tesla nach Grünheide bei Berlin, aber das ist zu weit weg für die Lausitz. Wir brauchen hier Perspektiven. Mehr Tourismus ist ein Weg, aber wie schnell es damit vorbei sein kann, sieht man gerade jetzt.

Mit uns jungen Leuten sprechen Bundespolitiker eher wenig. Dadurch können wir unsere Situation und Vorstellungen nicht ausreichend vermitteln. Der Versuch, uns zu Wort zu melden, ist leider coronabedingt gescheitert. Wir hatten eine große Demonstration in Cottbus geplant, die wir absagen mussten. Ich hoffe, dass wir sie bald nachholen können, denn die Weichen für die Zukunft werden jetzt gestellt.
 

Linda Rudolph und Alexander Keil im Kraftschwerk Jänschwalde.
Linda Rudolph und Alexander Keil im Kraftschwerk Jänschwalde. © Thomas Kretschel

Linda, 22, aus Cotbus

Linda Rudolph hat bei der Leag eine Ausbildung zur Industriekauffrau abgeschlossen und arbeitet jetzt im Personalwesen am Standort Kraftwerk Jänschwalde. Auch sie engagiert sich in der Vertretung für Jugendliche und Auszubildende: „Ich bin in der Lausitz aufgewachsen, hier zur Schule gegangen, habe hier Freunde und Familie und habe mich bewusst für eine Ausbildung in der Region entschieden.

Ich bin nicht der Großstadt-Typ, wenn ich sie doch mal brauche, kann ich dank einer guten Anbindung schnell dort sein. In meinem Beruf sind die Perspektiven gut, er ist abwechslungsreich. Die Ausbildung bei der Leag hat eine hohe Qualität. Deswegen war die Kohle-Diskussion nicht ausschlaggebend für die Wahl des Ausbildungsunternehmens.

Linda Rudolf arbeitet im Personalmanagement der Leag.
Linda Rudolf arbeitet im Personalmanagement der Leag. © Thomas Kretschel

Ich habe aber auch Stimmen gehört, die in der Branche keine Perspektive sehen und gesagt haben: „Die machen doch eh zu.“ Es ist nicht so einfach, wenn man ständig mit Kritik konfrontiert wird. Die Meinung: „Wer bei einem Kohleunternehmen arbeitet, macht die Umwelt kaputt“, ist schwer zu ertragen.

Ich habe anfangs versucht, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, aber man dringt bei vielen Menschen nur schwer durch. Der Ausstieg von heute auf morgen scheitert an der technischen Umsetzung. Grundsätzlich erlebe ich hier schon eine Aufbruchstimmung. Aber das, was angekündigt ist an Maßnahmen, an neuen Ansiedlungen und Jobs, sollte bald kommen, damit wir hier eine Perspektive haben.

"Das Unternehmen steht immer hinter uns"

Im Moment passiert von politischer Seite wenig, es geht zu langsam, und Corona bremst das noch zusätzlich aus. Wir brauchen aber jetzt Alternativen, denn auch wir wollen unsere Zukunft planen. Die älteren Kollegen unterstützen uns dabei, denn Sie haben in den 1990er-Jahren erlebt, was ein Umbruch bedeutet.

Sie und wir wollen nicht nur Versprechungen hören, sondern auch Taten sehen. Dann sind die meisten, auch die Älteren, mit dabei, wenn es um den Neuanfang geht. Bei unserer Demo im Oktober wollten wir auf uns aufmerksam machen und mehr Tempo fordern. Die Gewerkschaften, der Leag-Betriebsrat, aber auch das Unternehmen an sich und der Vorstand haben uns da voll unterstützt, und sie stehen immer hinter uns.

Die Leag ist ja auch dran, neue Zweige und Geschäftsfelder aufzubauen, das ist allerdings nicht so einfach. Es wäre aber schön, wenn man das erweitern könnte. Ich kann mir ganz viele Branchen vorstellen, die sich ansiedeln könnten. Wichtig ist, dass es wirklich hier passiert. Wenn meine berufliche Zukunft in der Region gesichert ist, spricht für mich nichts dagegen, in der Lausitz zu bleiben. Die Bundesregierung muss ein Zeichen setzen, das jungen Menschen Mut macht. Eine schnelle Umsetzung wäre ein guter Anfang.

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