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Unternehmen: Corona wirkt nach

12.07.2021
Weniger Jobs, Materialprobleme, zerstörte Lieferketten. Die Pandemie hat Firmen in Niesky und Umgebung schwer zugesetzt. Doch es geht wieder bergauf.

Von Frank-Uwe Michel 

Stephan Quill hat sich seine gute Laune nicht nehmen lassen. Auch, wenn dem Geschäftsführer der Rothenburger Firma Evers Bauelemente in den vergangenen Monaten nicht immer nur zum Lachen war. Das Coronavirus sorgte für vereinzelte Krankheitsfälle. Doch insgesamt, meint der Unternehmenschef, "sind wir bisher gut durchgekommen".

Quill hat inzwischen ein anderes Phänomen ausgemacht: "Die Warenströme sind ziemlich durcheinandergekommen." Er bezeichnet das als "Post-Corona-Krise". Vor allem Materiallieferungen sind ins Stocken geraten. "Viele Rohstoff- und Zulieferbetriebe haben zwischenzeitlich ihre Kapazitäten heruntergefahren. Durch Krankheit und Quarantäne - da lohnte sich das Aufrechterhalten der Produktion einfach nicht." Parallel dazu sei die Weltwirtschaft aber weitergelaufen - vielleicht auf etwas niedrigerem Niveau, trotzdem aber kontinuierlich. "Insgesamt ist die Nachfrage nach bestimmten Dingen noch gewachsen. Dieser Widerspruch ist es, mit dem wir jetzt zu tun haben", erklärt der Rothenburger. Und er findet: "Der Tiefpunkt ist sicher noch nicht erreicht, das Tal der Tränen wird noch kommen."

Lieferanten erhöhen ihre Preise

Seine eigene Firma hat den Engpass vor allem bei Kunststoff und Stahl gemerkt. Zum Teil gab es längere Lieferzeiten, ausbleibende Transporte mussten nachgeordert werden. Zudem wurde der Betrieb mit Preiserhöhungen der Lieferanten konfrontiert. Die Folge: Fenster und Türen aus dem Hause Evers sind im Verkauf jetzt etwas kostenintensiver als noch vor einem Jahr. Am guten Auftragseingang hat das jedoch nichts geändert. "Wir sind deutschlandweit unterwegs. Und unsere Produkte gut eingeführt", begründet Quill.Ebenfalls ein Lied von den "Post-Corona-Problemen" singen kann Phillip Hänel. Der Geschäftsführer der Stahl Technologie Niesky GmbH hat jedoch vorgesorgt. "Bis Februar 2022 sind unsere Auftragsbücher voll. Das Material dafür haben wir so zeitig bestellt, dass wir die Lieferschwierigkeiten zwar mitbekommen, sie uns aber nicht sehr behindern." Die Preissteigerungen regelt der Stahlbau-Nachfolger in Gesprächen mit seinen Kunden. "Wir arbeiten mit einer Materialpreisgleitklausel. Das bedeutet: Wir orientieren uns an der Ursprungskalkulation. Bei Preisänderungen sind aber auch Nachverhandlungen möglich."

Walzwerke kommen beim Stahl nicht hinterher

Aktuell arbeiten die Nieskyer an einer Autobahnbrücke über die neu entstehende A72 bei Leipzig. Immerhin 700 Tonnen Stahl werden dort verbaut. Wie Stephan Quill sieht Phillip Hänel den Grund für die Materialknappheit in der coronabedingt gedrosselten Produktion. "Die Hochöfen wurden heruntergefahren, die Stahlproduktion gedrosselt. Nachdem es nun wieder ordentlich läuft, kommen die Walzwerke mit der Verarbeitung nicht hinterher."

Ähnliche Branche, gleiches Problem: Der Waggonbau Niesky hat ebenfalls mit dem Materialnachschub zu kämpfen. Die Auftragsbücher sind für den Rest des Jahres voll, für 2022 gibt es nur noch wenige Lücken. Selbst für 2023 ist die Akquise gut angelaufen. "Kein Betrieb unserer Größe kann sich ein Jahr im Voraus mit dem benötigten Material eindecken. Das ist ein hoher Kostenfaktor und macht insgesamt wenig Sinn", erklärt Geschäftsführer Martin Weisenpacher. Auch der Slowake setzt auf das Miteinander zwischen Lieferant, Produzent und Kunde. "Es geht doch um vernünftige Preise. Es muss eine Balance geben, sodass alle Seiten zufrieden sind."

Mit seinen beiden Tochterfirmen Acosa und CCI Assembly mussten die Elbe Flugzeugwerke (EFW) Dresden ein tiefes Tränental durchschreiten. Denn als coronabedingt keine Urlaubsflüge mehr möglich waren, Airlines ihre Flugzeugbestellungen stornierten, wurde es für die beiden Kodersdorfer Unternehmen eng. "Wir mussten in beiden Betrieben den Einbruch der Auslastung bis zu 50 Prozent verkraften, mit entsprechender Kurzarbeit für die Belegschaft", erläutert Unternehmenssprecherin Tina Lehmann das Dilemma. Der Umsatzrückgang habe zu einer extrem angespannten wirtschaftlichen Situation geführt. Für große Unsicherheit hätten zudem die immer wieder geänderten Bestimmungen für Grenzpendler aus Polen gesorgt.

Flugzeugbauer setzen auch auf Schienenfahrzeuge

Nachdem nun fast alle Beschränkungen gefallen sind, schauen Acosa und CCI Assembly optimistisch nach vorn. Allerdings befinde sich die Luftfahrt immer noch in einer strukturellen Krise, betont Tina Lehmann. Die jüngsten Absatzzahlen des Hauptkunden Airbus stimmen die Kodersdorfer jedoch zuversichtlich. Über den bisherigen Absatzmarkt hinaus sehen die beiden Komponentenbauer für Flugzeugteile künftig noch andere Umsatzchancen. Der Markt für Frachtflieger boome aktuell, erklärt die EFW-Sprecherin. Darüber hinaus habe man aber weitere Zukunftsthemen entdeckt. "Schwerpunkt dabei sind Schienenfahrzeuge, für die wir Leichtbaupanels liefern können."Ein schwieriges Jahr hat das Firmenkonglomerat aus Kulturinsel Einsiedel und Künstlerische Holzgestaltung Bergmann erlebt. Nachdem klar war, dass Freizeitspaß in der bisher bekannten Form während der Coronapandemie nicht mehr durchführbar ist, war das Entdeckerland der Turiseder als Umsatzbringer so gut wie abgemeldet. Zwei Drittel brachten bisher aber die Entwickler von Spielelandschaften ein. "Das hatte sich jedoch ebenfalls bald ziemlich erledigt", erzählt Geschäftsführerin Doreen Stopporka. "Denn die Freizeitbranche in Europa machte alles dicht und fuhr ihre Investitionen herunter."

Teures Holz bringt Aufschläge von 100 Prozent

Auch jetzt noch seien die Auswirkungen zu spüren. Die Geschäftsfrau glaubt, dass sich die Flaute bis ins Frühjahr 2022 ziehen wird. Die Beschäftigtenzahl war unter diesen Umständen nicht zu halten. Gingen in normalen Zeiten im Gesamtunternehmen durchschnittlich rund 200 Personen ihrer Arbeit nach, sind es heute - schon mit etlichen Wiedereinstellungen - immer noch etwa 20 Prozent weniger.Allerdings bahnen sich für die Künstlerische Holzgestaltung mehrere neue Projekte an. Vor allem in Frankreich und den Niederlanden sind die Zentendorfer Holzkünstler aktiv. An den explodierenden Holzpreisen kommt die Firma aber nicht vorbei. "Bei manchen Projekten können wir die Kalkulationen einfach nicht mehr halten, da werden Aufschläge bis zu 100 Prozent oder noch darüber fällig", macht die Geschäftsführerin den Ernst der Lage deutlich.

Aber auch im Freizeitpark gibt es Probleme. "Hier sind wir im Service auf jede Menge Saisonkräfte angewiesen. Die fehlen uns jetzt, weil sie sich in der Coronazeit anderweitig gekümmert haben", erläutert Doreen Stopporka. Aktuell komme man mit dem Personal gerade so hin. "Wir tüfteln nun an Konzepten, wie wir den Besuchern weiter den gewohnten Standard bieten können.

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