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Vodafone macht Leipzig zur 5G-Stadt

11.11.2020
Der Netzausbau läuft schneller als geplant, auch in Sachsen. Chefnetzplaner Guido Weissbrich sieht keinen Grund für Gesundheitsbedenken.

Von Nora Miethke

Vodafone baut das 5G-Netz schneller aus als angekündigt. Techniker des Telekommunikationskonzerns schalteten am Donnerstagmorgen deutschlandweit weitere 3.000 Antennen an 1.000 Standorten auf den neuen Mobilfunkstandard um, davon auch 60 Antennen in Leipzig.

Damit bringt Vodafone 5G großflächig in die Messestadt. Mehr als die Hälfte der Leipziger können nun von der Red Bull Arena bis zum Gutenbergplatz die mobile Breitbandtechnologie mit Geschwindigkeiten von theoretisch bis zu 500 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) nutzen. In der Realität werden es vermutlich eher zwischen 200 bis 300 Mbit/s sein, je nachdem, wie viele Nutzer sich in einer Funkzelle befinden.

Das Ziel, bis zum Jahresende zehn Millionen Menschen in Deutschland mit 5G zu erreichen, schafft Vodafone zwei Monate früher und dies trotz der Corona-Pandemie. „Wir haben realistisch kalkuliert, denn wir wollten unser Versprechen einhalten. Und wir haben beim Ausbau richtig Gas gegeben", sagt Chefnetzplaner Guido Weissbrich im Gespräch mit sächsische.de. Er ist verantwortlich für Planung, Bau und Optimierung des Netzes in Deutschland, im Mobilfunk wie im Festnetz.

Vodafone-Chefnetzplaner Guido Weissbrich ist verantwortlich für Planung, Bau und Optimierung des Netzes in Deutschland, im Mobilfunk wie im Festnetz.
Vodafone-Chefnetzplaner Guido Weissbrich ist verantwortlich für Planung, Bau und Optimierung des Netzes in Deutschland, im Mobilfunk wie im Festnetz. © Vodafone

Mit dieser Aktivierung sei aber nicht Schluss beim Ausbau. Im Gegenteil: Bis zum Jahresende will der Netzbetreiber insgesamt 15 Millionen Deutsche mit 5G versorgen und 30 Millionen Menschen bis zum Jahresende 2021. In Sachsen sind schon mehr als 150 5G-Antennen aktiviert. In Dresden und Chemnitz gibt es erste Standorte, aber auch in kleineren Städten und Gemeinden wie etwa in Bautzen, Eppendorf, Wilsdruff, Moritzburg, Heidenau, Neukirchen oder Hoyerswerda. In den kommenden Monaten werden hunderte weitere 5G Antennen hinzukommen, heißt es.

Vodafone braucht das 5G-Netz. Nicht nur, um den Kunden aufregende Echtzeiterlebnisse beim Computerspielen auf ihre Handies zaubern zu können. Sondern auch, um den täglich höheren Datenverbrauch bewältigen zu können. Nach eigenen Angaben steigt der Datenverkehr jährlich um 50 Prozent. Das erfordert zusätzliche Kapazitäten im Netz und die bietet 5G.

Großstädter werden nicht bevorzugt

Doch werden die Großstädter beim Datenverkehr mit höheren Geschwindigkeiten bevorzugt? Weissbrich verneint. "Wenn wir in den ländlichen Regionen das 700 Megahertz Spektrum verwenden, dann stehen in der Summe bis zu 200 Mbit/s zur Verfügung. Das ist im Vergleich zu DSL-Festnetzanschlüssen deutlich mehr“, betont er. Vodafone baut 5G auf dem Land vor allem als Ersatz für das langsame DSL. Aber auch die Leipziger oder Dresdner können nicht unbedingt viel schneller surfen. Wenn in der Leipziger Innenstadt sehr viele Menschen zeitgleich einen Speedtest machen würden, dann teilten sie sich die extrem hohen Bandbreiten bis ein Gigabit/s auf. „Jeder einzelne kommt dann auf ähnliche Geschwindigkeit, die er auch erzielen würde, wenn er im ländlichen Raum einen Speedtest machen würde, wo nur wenige andere Menschen zeitgleich im Netz unterwegs sind“, erklärt Weissbrich.

So funkt 5G
So funkt 5G © Vodafone

Hintergrund sind die unterschiedlichen Eigenschaften der drei Frequenzspektren High-Band (3,5 Gigahertz), Mid-Band (1,8 Gigahertz) und Low-Band (700 Megahertz), die Vodafone beim 5G-Ausbau nutzt. Die Daumenregel lautet: Je höher das Frequenzspektrum, desto größer ist die Bandbreite, aber desto geringer ist die Reichweite. An den meisten Standorten in den Städten setzt das Unternehmen auf das mittlere Frequenzspektrum, das eine Bandbreite von bis zu 500 Mbit/s bringt, aber nur in einem Ausbreitungsradius von zwei bis drei Kilometern. Da in den ländlichen Regionen weniger Menschen in größeren Entfernungen versorgt werden müssen, wird dort das 700 Megahertz-Spektrum genutzt mit einer Reichweite von sieben bis acht Kilometern und einer Geschwindigkeit von 200 Mbit/s.

Genehmigung für Antenne dauert zwei Jahre

In der jetzigen Phase des 5G-Ausbaus werden größtenteils schon bestehende Mobilfunkstationen so aufgerüstet, dass sie in 4G/LTE oder in 5G sprechen können, je nachdem ob die Nutzer in der Funkzelle das neueste Smartphone besitzen oder noch ein älteres Modell. Um künftig Funklöcher zu stopfen, bedarf es jedoch auch neuer Mobilfunkstationen. Der Genehmigungsprozess für eine Antenne dauert rund zwei Jahre, erheblich länger als in anderen Ländern. Aber es tut sich etwas, die Bürokratie zu verringern. „Wir merken, dass die Zusammenarbeit immer besser funktioniert. Der Austausch zwischen Politik auf lokaler, regionaler und Landesebene und den Netzbetreibern läuft schneller und besser als noch vor einigen Jahren“, so der Chefnetzplaner. In Sachsen gab es Treffen auf oberster Ebene zwischen Ministerpräsident Michael Kretschmer und Vodafone-Deutschlandchef Hannes Ametsreiter, um zu klären, wie der Ausbau gemeinsam beschleunigt werden kann.

Für die Netzbetreiber wird es  schwieriger, neue Standorte für Antennen zu finden. Immer häufiger gründen sich Bürgerinitiativen gegen 5G-Masten aus Angst vor gesundheitlichen Risiken oder weil der Sendemast das Ortsbild negativ verändern würde. Die Gesundheitsbedenken hält Weissbrich für nicht gerechtfertigt. „5G funkt mit ähnlichen Frequenzen, die früher beispielsweise für das terrestrische Fernsehen genutzt wurden. Mobilfunk ist eine sichere Sache. Es gibt keine Hinweise auf gesundheitliche Risiken“, betont er. Und bei der Auswahl der Standorte bemühe man sich zwar darum, die Wünsche vor Ort zu berücksichtigen. Aber „wir bauen die Stationen idealerweise dorthin, wo der meiste Datenverkehr stattfindet“, sagt der Mobilfunkexperte. Denn wo viele Menschen seien, da werden auch viele Daten verschickt. Und gerade dort brauche es die hohen Bandbreiten.

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