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Vorzeige-Unternehmerin verkauft ihr Lebenswerk

Dresden 29.11.2019
In Dresden übernimmt der Technologiekonzern Zeiss das Softwareunternehmen Saxonia Systems AG komplett und will neue Jobs schaffen.

Für die 235 festangestellten Mitarbeiter der Saxonia Systems AG kam die Nachricht nicht wirklich überraschend. Schon 2018 hatte sich der einst in Jena gegründete Technologiekonzern Zeiss zu 25 Prozent in das Softwareunternehmen eingekauft. Das sei, hieß es damals auf den Fluren, eine klare strategische Entscheidung gewesen.

Gestern nun bestätigte sich die Vermutung. Zeiss und die Saxonia Systems AG teilten in einer gemeinsamen Erklärung mit, dass Zeiss das 1994 in Dresden gegründete Unternehmen komplett übernehmen wolle. Die Zustimmung des Bundeskartellamtes vorausgesetzt – sie wird für Februar 2020 erwartet –, soll die Integration im Laufe des kompletten nächsten Jahres erfolgen. Beide Firmen kennen sich lange und gut. Seit zehn Jahren ist die Saxonia Systems AG Softwareentwicklungspartner und hat für den Weltmarktführer unter anderem cloud-basierte Lösungen im Bereich der Medizintechnik erarbeitet.

Vor drei Jahren hat der Technologiekonzern Zeiss, der neben Brillengläsern und Fotoobjektiven auch Halbleiterelemente herstellte, seine Digitalisierungsoffensive gestartet und bereits Digitalunternehmen erworben. „Zeiss ist dann auch auf uns zugekommen, und das war ein Ritterschlag“, sagt Viola Klein. Sie hat das Unternehmen einst gemeinsam mit Andreas Mönch gegründet. Beide werden in den kommenden Monaten die Integration begleiten. Auch für die 235 Beschäftigten inklusive aller Führungskräfte an den Standorten Dresden, München, Berlin, Görlitz, Leipzig und Hamburg gibt es gute Nachrichten. Sie alle werden ihren Job behalten und zumindest in Dresden bald auch neue Kollegen begrüßen können. Zeiss möchte in der sächsischen Landeshauptstadt ein Innovation Hub aufbauen, um die Vernetzung mit der Forschung und der Wissenschaft zu stärken. „Das wird ein spannendes Projekt, auf das ich mich sehr freue“, sagt Viola Klein.

Wachsen mit neuem Geld

„Zeiss bringt als hervorragend aufgestelltes Unternehmen finanzielle Kraft, hohe Stabilität sowie neue technologische Perspektiven für unser Team mit“, begründet Andreas Mönch die Entscheidung für den Verkauf an den Weltmarktführer. „Zeiss ist eine starke Marke, hat eine hohe Reputation und lebt darüber hinaus auch die gleichen Werte wie die Saxonia Systems AG. Das war uns besonders wichtig“, so Viola Klein. Das Softwareunternehmen, dessen Stammsitz mittlerweile nach München verlegt wurde, steht an einer entscheidenden Wachstumsschwelle. Finanzkraft sei nötig, um diese zu bewältigen. Ein zusätzlicher Gesellschafter hätte nicht ausgereicht, sodass man sich für den Verkauf an einen starken Technologiekonzern entschieden habe.

Der beschäftigt weltweit 30.000 Mitarbeiter und hat alleine 30 Produktionsstandorte. 1846 in Jena gegründet, hat das Unternehmen heute im baden-württembergischen Oberkochen seinen Stammsitz. Alleiniger Eigentümer ist die Carl-Zeiss-Stiftung, einer der größten Wissenschaftsförderer in Deutschland. „Wir stärken mit der Akquisition unsere Kompetenz in der digitalen Produktentwicklung und dem agilen Managementansatz“, sagt Ludwin Monz, Mitglied des Vorstands der Zeiss-Gruppe und Leiter der Sparte Medical Technology. Er erwarte zudem ein verbessertes Verständnis für Kundenbedürfnisse in Bezug auf digitale Anwendungen. Saxonia Systems soll als leistungsstarke Einheit weiter wachsen und die Softwareentwicklungskapazität ausweiten, kündigt Monz an.

Die Saxonia Systems AG sei „ihr Baby“, sagt Viola Klein. Das wolle sie auch in einigen Jahren noch wohlumsorgt wissen, insofern sei nach der Übernahme durch Zeiss auch die Nachfolgefrage im Unternehmen geklärt. Welche Aufgaben sie persönlich nach der abgeschlossenen Integration übernehmen werde, sei völlig offen. Zunächst sollen Arbeitsgruppen gegründet werden, um die Zukunft im Zeiss-Konzern vorzubereiten. Ob es den Namen Saxonia Systems so weiter geben wird, ist nur eine der Fragen, die beantwortet werden müssen.

 

Von Ines Mallek-Klein

Foto: © SZ/Marion Gröning

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