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Warum der Sebnitzer OB aufhören will

12.11.2020
Mike Ruckh hat nach fast drei Jahrzehnten im Amt seinen Rückzug angekündigt. Sächsische.de hat ihn zu den Gründen befragt.

Von Dirk Schulze

Am 9. November hat der Sebnitzer Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU) bekanntgegeben, dass er nicht für eine weitere Amtszeit kandidieren wird. Der Stadt steht damit ein Wechsel nach fast drei Jahrzehnten bevor. Ruckh ist seit Februar 1993 Chef im Sebnitzer Rathaus, zuvor war der gebürtige Schwabe kurze Zeit Bürgermeister einer kleinen Gemeinde im Westerzgebirge. 

Der heute 56-Jährige wurde viermal wiedergewählt und ist einer dienstältesten Bürgermeister der Region. Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sind nur der Altenberger Thomas Kirsten (parteilos) und der Lohmener Jörg Mildner (CDU) länger im Amt. Von seinem Bürgermeisterstuhl wechselt Ruckh in die Energiewirtschaft. 

Neuer Job als Geschäftsführer im Energiesektor

Zum 1. Januar 2022 wird Ruckh Geschäftsführer der KBE, der kommunalen Beteiligungsgesellschaft am Energieversorger enviaM. Das Gebiet der enviaM erstreckt sich vom Süden Brandenburgs über Westsachsen bis nach Sachsen-Anhalt und ein stückweit nach Thüringen. Die KBE vertritt die Anteile von insgesamt 339 Kommunen dieses Gebiets an dem Regionalversorger. Am 6. November hat die Mitgliederversammlung Ruckh zum künftigen Geschäftsführer gewählt.

Erfahrung in der Energiewirtschaft besitzt Mike Ruckh bereits. Er ist seit Jahren Aufsichtsratsvorsitzender der KBO, der Beteiligungsgesellschaft der Kommunen am hiesigen Energieversorger Enso. In dieser Position verhandelt er derzeit die geplante Fusion von Enso und Drewag mit.

Der Sebnitzer OB legt Wert darauf, dass es sich bei seinem Wechsel um eine langfristig vorbereitete Entscheidung handele. Bereits im Frühjahr 2020 habe er sich um die ausgeschriebene Stelle beworben. Sein persönlicher Entschluss, nicht für eine weitere Amtszeit zu kandidieren, sei schon Ende 2018 gefallen. 

Mike Rucks letzter Arbeitstag im Sebnitzer Rathaus wird der 30. September 2021 sein. Danach wechselt er in die Dresdner Geschäftsstelle der KBE. Sächsische.de hat mit dem OB über die Gründe für seinen Rückzug gesprochen und darüber, was bis dahin noch ansteht.

Herr Ruckh, Sie haben erklärt, Ihre Entscheidung, nicht noch einmal zur Wahl anzutreten, ist bereits Ende 2018 gefallen. Was hat den Ausschlag gegeben?

Ich werde im nächsten Jahr mein 30-jähriges Bürgermeisterjubiläum feiern und 40 Jahre im öffentlichen Dienst sein. Ich denke, nach dieser Zeit ist es Zeit für Veränderung. Ende 2018 war genau die Hälfte der aktuellen Wahlperiode vorbei, da macht man sich dann schon mal Gedanken. Ich hab für mich festgelegt, dass ich 2022 nicht noch einmal für  sieben Jahre zur Verfügung stehen werde. Ich bin jetzt 56, also viel zu jung, um mich in den Ruhestand zurückzuziehen. Also habe ich eine Tätigkeit gesucht, wo ich mich einbringen kann.   

War es Ihr Antrieb, etwas Neues machen zu wollen, oder haben Sie die Nase voll von Ihrem Job in Sebnitz?

Überhaupt nicht. Die Arbeit hat mir jeden Tag Spaß gemacht, und sie wird mir auch noch die nächsten Monate Spaß machen, weil man etwas erreichen kann. Aber letztlich habe ich für mich gesehen, dass ich mal etwas anderes machen möchte.

Werden Sie Sebnitzer bleiben oder werden Sie wegziehen?

Sebnitz hat sich prima entwickelt und bietet eine hohe Lebensqualität. Warum also wegziehen? 

Was genau wird Ihre neue Aufgabe sein?

Ich werde Geschäftsführer der größten Beteiligungsgesellschaft der Kommunen an einem Energieversorger in Ostdeutschland. Das sind 339 Kommunen, die sich von Brandenburg bis ins Westerzgebirge und Teile von Sachsen-Anhalt erstrecken. Meine Aufgabe ist es, die Interessen dieser Kommunen beim Energieversorger enviaM zu vertreten. Da geht es um Wertschöpfung in der Region, Erhaltung der Arbeitsplätze, Verteilung der Gewerbesteuer, um einen gleichmäßigen Dividendenfluss, und es geht um das Thema Energiewende.

War es eine leichte Entscheidung, Ihr Amt als Oberbürgermeister aufzugeben?

30 Jahre Bürgermeister zu sein, das betrifft nicht allein Sebnitz, das gibt man nicht so einfach auf. Das wird mir sicherlich auch noch schwerfallen an vielen Tagen. Auf die neue Aufgabe freue ich mich aber genauso. 

Es gibt einige Großprojekte in Sebnitz und der Region, die in Ihrer verbleibenden Amtszeit nicht zu einem Ende kommen werden: der Bike-Park, die Verlängerung der Kirnitzschtalbahn oder die Sanierung des Sebnitzer Museums. Wie geht es damit weiter? 

Für das Museum werden wir auf jeden Fall den Baustart und die Finanzierung hinkriegen. Bauen müssen es dann die Bauleute. Beim Thema Bike-Park muss man sehen, wie die Politik in Dresden sich generell dazu stellt. Das ist noch völlig offen. Wenn ein Go kommt, werden wir die Finanzierung noch in wesentlichen Teilen bereitstellen. Die Kirnitzschtalbahn ist ein Zehn-Jahres-Thema, das war von vornherein klar.  

Gibt es etwas, was Sie gern noch geschafft hätten?

Ich gehe davon aus, dass die Projekte, die ich gern noch machen wollte, alle noch kommen.

Welche sind das?

Über einige Dinge werden wir in der Klausurtagung des Stadtrats im Januar reden, dem will ich nicht vorgreifen. Sie können sicher sein, ich habe eine ganze Menge an Projekten im Kopf und auch schon auf dem Papier. Aber ich rede immer nur über gelegte Eier. Mein Prinzip war immer, aus den gegebenen Möglichkeiten das Maximale rauszuholen. Dem werde ich bis zum letzten Arbeitstag treu bleiben. 

Im Pirnaer Kreistag sind Sie Fraktionschef der CDU. Werden Sie Ihr Mandat behalten? 

Ich werde mein Kreistags-Mandat bis zum Ende der Legislaturperiode 2024 ausführen. 

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