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Warum es für Nudossi in der Corona-Krise so gut läuft

07.04.2021
Nudossi-Produkte aus Radebeul verkaufen sich super. Geschäftsführer Karl-Heinz Hartmann erzählt, was das Unternehmen auch in der Krise stark macht.

Herr Hartmann, beschleunigt das Osterfest Ihre Süßwarenproduktion?

Da wir kein spezielles Produkt für Ostern herstellen, hat das Fest auf uns nur bedingt Auswirkungen. Wir konzentrieren uns auf das ganze Jahr.

2020 stand im Zeichen der Pandemie. Die Lebensmittelindustrie hat davon profitiert. Wie fällt Ihr Resümee aus?

Wir konnten unseren Umsatz 2020 um 20 Prozent steigern. Der Netto-Jahres-Umsatz lag bei zwölf Millionen Euro. Das ist auch Resultat des Lockdowns, denn viele Menschen mussten sich über Monate intensiver zu Hause versorgen. Wir hatten zudem keinerlei Schwierigkeiten bei der Zulieferung von Rohstoffen und somit keinen Produktionsausfall. Aber die Entwicklung allein darauf zu schieben, wäre sehr kurz gedacht.

Sie gehörten nach einer Umfrage des Branchenblattes Lebensmittelzeitung 2020 zu den 100 erfolgreichsten Marken in Deutschland. Haben Sie damit den Sprung aus der Ost-Produktnische geschafft?

Das ist eine schöne Anerkennung. Ich habe zu DDR-Zeiten gelernt, dass sich Qualität durchsetzt. Das scheint zu stimmen.

War die Entscheidung, in Nudossi-Produkten auf Palmöl zu verzichten, der Grund für Ihre positive Entwicklung?

Das war auf jeden Fall ein wichtiger Grund. Palmöl gilt weltweit als das billigste Fett. Es geriet im Lauf der Zeit in Verruf, weil für dessen Anbau in Asien immer mehr Wälder gerodet wurden. In Gesprächen mit Kundinnen und Kunden stießen wir auf dieses Thema. Wir suchten nach einer Alternative.

Was haben Sie gefunden?

Wir benötigen für die Herstellung ein geschmacklich neutrales und lagerfähiges Fett. Die Lösung fand ein Labor mit der in Indien heimischen Salnuss. Die Herstellung ist teuer, aber der Absatz steigt. Dank der Neuerung sind wir auch in Westdeutschland wesentlich präsenter.

Ihr Unternehmen konnte von 2017 bis 2020 die Produktion verdoppeln. Welchen Anteil hat daran der Markt in den alten Bundesländern?

Im Westen haben wir unseren Umsatz in der Zeit verdoppeln können. Natürlich ist es auch 30 Jahre nach der Wende für Ostprodukte nicht so einfach, im Westen Fuß zu fassen. Wir müssen einfach besser und vor allem innovativ sein. Einerseits spielt da der genannte Verzicht auf Palmöl eine Rolle, aber zugleich die Umstellung von Plastikbechern auf Gläser. Das Glaswerk in Freital produzierte 2020 etwas über drei Millionen Gläser für uns. Jetzt sind wir in Supermärkten ab 1.000 Quadratmeter deutschlandweit präsent. Nachhaltig zu sein, zahlt sich aus und wirkt auf unsere Region positiv zurück.

Wie groß ist der Unterschied beim Verkauf zwischen Ost und West?

Im Osten sind die Produkte billiger als im Westen. Ein Beispiel: Die klassische Nudossi Nuss-Nougat-Creme 200-Gramm kostet im Osten 1,39 Euro, im Westen 1,59 Euro. Im Übrigen produzieren wir auch für die Eigenmarke von Aldi-Nord. Kalten Hund liefern wir an Aldi-Nord und Süd. Somit sind wir hier ebenfalls in ganz Deutschland, aber auch in Dänemark und Portugal mit dabei.

Am Rezept für die Nuss-Nougat- Creme hat sich bis heute nichts geändert. Der Haselnussanteil liegt bei 36 Prozent, ist damit zweieinhalb mal so hoch als bei Marktführer Nutella mit 13 Prozent. Sehen Sie sich als Konkurrenz für Ferrero?

Nett, dass Sie das fragen, aber das wäre absolut vermessen. Ferrero ist ein weltweit agierender Konzern. Wir sind ein Familienbetrieb und nach wie vor ein Nischenproduzent. Wir haben keine Konkurrenz und sind keine.

Bei Wettbewerben im Wintersport, wie zum Beispiel beim Biathlon, werben deutsche Sportler mit dem Namen „Nudossi“. Zeigt die Markenpräsens Wirkung?

Absolut. Wir haben die klassische Werbung in Printprodukten fast komplett eingestellt und sind jetzt vor allem bei Winterwettkämpfen im Fernsehen präsent. Dafür investieren wir im Jahr rund 350.000 Euro. Wir sind jetzt deutlich bekannter, und das nicht nur lokal, sondern national und international.

2005 mussten Sie Insolvenz anmelden. War dieser Schritt damals heilsam?

Es war auf jeden Fall ein Neuanfang, den wir als Familienunternehmen mit meiner Frau und meinem Sohn genutzt haben. Wir sind schuldenfrei, keine Bank redet uns mehr rein. Außerdem konzentrierten wir uns auf unser Kerngeschäft sowie auf einen statt auf mehrere Standorte. Unsere Produktionsstätte befindet sich zentralisiert auf einem 15.000 Quadratmeter großen Grundstück in Radebeul.

Das Bittere der Insolvenz waren die Entlassungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, von 129 sank die Zahl der Beschäftigten auf 34. Mit ihnen stellen wir inzwischen sechs verschiedene Produkte mit Nougat her, vier verschiedene Produkte mit Kaltem Hund sowie acht Produkte im Weihnachtsbereich, allein 3,5 Tonnen Stollenkonfekt pro Tag.

Was ist von Ihnen demnächst an neuen Produkten zu erwarten?

Wir lassen gerade ein rundes Glas herstellen. Darin soll künftig statt in Plastikbecher unser Nudossi Duo, also die Nuss-Nougat und Magermilch-Creme, abgefüllt werden – alles ohne Palmöl. Außerdem entwickeln wir gerade ein neues Produkt mit Kokos. Aber das ist noch nicht spruchreif.

Das Gespräch führte Peter Ufer

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