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Warum Sand ein nur scheinbar endloser Rohstoff ist

21.01.2020
Sand und Kies sind die wichtigsten Baustoffe. In Sachsen ist genug davon vorhanden – trotzdem drohen Engpässe.

Autobahn, Solarmodul, Hauswand, Computerchip und Anti-Aging Creme: Für alles wird Sand benötigt, in unterschiedlicher Qualität und Zusammensetzung. Sand besteht hauptsächlich aus Quarz, also aus Siliziumdioxid. Silizium ist nach Sauerstoff das zweithäufigste Element der Erde. Die Wirtschaft spricht von „Sand und Kies“, wobei es sich um das gleiche Material handelt. Kies sind nur die Körner, die größer als zwei Millimeter sind.

Die Menschheit benötigt immer mehr davon, Sand und Kies sind Hauptbestandteil von Beton. Der anhaltende Bauboom verschlingt vor allem in Afrika und Asien riesige Mengen. Schätzungen zufolge werden im Jahr 40 Milliarden Tonnen Sand verbaut. Das ist genug, um ganz Sachsen mit einer anderthalb Meter starken Sandschicht zu bedecken. Und das ist mehr, als derzeit durch Erosion entsteht.

Umweltschäden durch Sandabbau

Die endlosen Sandbestände an Küsten und in den Wüsten sind ungeeignet. Bausand braucht eine bestimmte Struktur und Größe. Wüstensand ist zu fein, Meersand zu salzig. Der beste Sand stammt aus Flüssen oder ehemaligen Flussbetten. 

Das hat globale Folgen. Sand wird über immer weitere Distanzen transportiert, ganze Strände werden abgebaggert. Entlang des Mekongs wird so viel Gestein abgebaut, dass Meerwasser immer weiter den Flusslauf hinaufdringt und Felder versalzt. Das Mekong-Delta ist die wichtigste Agrarregion Asiens.

Doch gilt das auch für Sachsen? Wird Bausand in den kommenden Jahren unbezahlbar, ein Sandkasten im Garten zu größtem Luxus? Bert Vulpius vom Unternehmerverband Mineralische Baustoffe gibt Entwarnung. „Sachsen hat ausreichend Lagerstätten“, sagt er. Im Freistaat gibt es zahlreiche, teils vor Millionen Jahren ausgetrocknete Flussbetten. Die größten Fördergebiete befinden sich in der nördlichen Hälfte des Freistaats, entlang der Elbe und Mulde, sowie in der Lausitz.

Das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie schätzt die Menge der jährlich in Sachsen geförderten Kiese und Sande auf 14 Millionen Tonnen. Es sei anzunehmen, dass „die Sächsische Bauindustrie ihren Bedarf aus den eigenen sächsischen Lagerstätten deckt“, sagt Amtssprecherin Katrin Bernhardt. Die 14 Millionen Tonnen werden also auch in der Region verbaut.

Export von Kies und Sand ist eher die Ausnahme, weil ein Transport weiter als 50 Kilometer wirtschaftlich und ökologisch kaum sinnvoll ist. Eine Ausnahme ist Berlin: Die noch immer fleißig wachsende Bundeshauptstadt hat in ihrem Umkreis zwar Sandlagerstätten, aber kaum Kies. Optimal für die Herstellung von Beton seien jedoch Korngrößen von 8 bis 16 Millimeter, so Bert Vulpius. Deshalb kommen Lieferungen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und dem südlichen Brandenburg.

Doch so muss in Berlin der Transport jedes Sandkorns mitbezahlt werden. Deshalb kostet dort die Tonne Sand oder Kies fast doppelt so viel wie hierzulande. Doch das ist bundesweit längst nicht das Maximum. 

Im Raum Stuttgart, auch seit Jahren eine stark bebaute Region, liegt der Preis drei Mal über dem sächsischen. Das treibt Baukosten in die Höhe – vor allem für den Staat, den größten Auftraggeber. Die Listenpreise für Kies ab Werk liegen im Raum Dresden bei 14 bis 15 Euro.

Doch die Preise könnten steigen. Denn dass geologisch genug vorhanden ist, bedeutet nicht, dass auch ausreichend gefördert wird. Bert Vulpius vom Unternehmerverband warnt vor einem kommenden Mangel. „In den nächsten Jahren müssen allein in der Region Chemnitz zwölf Lagerstätten geschlossen werden“, sagt er. 

Sie seien nach teils 30 Jahren Abbau schlicht erschöpft. Gleichzeitig werden aber kaum neue Flächen für den Abbau zugewiesen. „In den nächsten zehn Jahren würden zwei Millionen Tonnen an Baustoffen fehlen.“

Material aus anderen Teilen Sachsens zu verwenden ist auch nicht denkbar, weil auch die Regionen um Leipzig und Dresden mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben. Berechnungen zufolge werden die Kieswerke Borsberg, im Elbknick zwischen Pirna und Dresden, in wenigen Jahren ausgekiest sein. Zu Ersatzlagerstätten laufen Genehmigungsverfahren mit ungewissem Ausgang. „Das Thema ist keines, womit sich die Politik gern beschäftigt“, sagt Bert Vulpius.

Lebensraum Sandgrube

Das Landesamt bestätigt diese Einschätzungen. „Vor allem hochwertige kiesreiche Lagerstätten erschöpfen sich in absehbarer Zeit“, sagt Katrin Bernhardt. Vor allem die zu DDR-Zeiten erkundeten Lagerstätten gingen zur Neige. Man arbeite jedoch bereits an Lösungen. Derzeit stehe die Erfassung von genauen sachsenweiten Daten im Mittelpunkt. Dann sollen rechtzeitig Ersatzlagerstätten gesucht werden, um den „aller Voraussicht nach anhaltenden Bedarf an Kies und Sand auch in Zukunft zu decken“.

Die Schwierigkeiten bei der Erschließung neuer Abbaustätten entstehen häufig durch Bürgerprotest. Beim Abbau von Sand und Kies entstehen Lärm und Staub, Mutterboden wird abgetragen und Lebensräume für Tiere und Pflanzen gehen verloren. 

Damit sind Anwohner in den seltensten Fällen einverstanden. In Deutschland gelten jedoch hohe Umweltstandards. Unternehmen und neue Projekte müssen sich vor der Genehmigung einer Umweltprüfung stellen. Dabei spielt vor allem die Belastung des Grundwassers eine Rolle.

Auch der Umweltverband Nabu verteidigt den Sand- und Kiesabbau. „Wenn die Verträglichkeit für die Umwelt gegeben ist, gibt es kein Problem“, sagt Joachim Schruth vom sächsischen Nabu-Landesverband. Schließlich seien Sand und Kies unverzichtbar für die Bauwirtschaft.

Nach dem Ende des Abbaus entstehen in einigen ehemaligen Lagerstätten sogar neue Ökosysteme. Viele davon stehen heute unter Naturschutz. Davon profitieren auch Tiere, zum Beispiel die stark gefährdete Kreuzkröte. Sie braucht kleine, vegetationslose Gewässer, ehemalige Steinbrüche sind dafür ideal. Und so lebt dort heute die kleine Amphibie, die es ohne den Sandabbau wohl längst nicht mehr in Sachsen geben würde.

Wie viel Sand verbraucht Sachsen?

Sachsen fördert jährlich rund 14 Millionen Tonnen Sand und Kies. Schätzungen zufolge wird diese Menge auch verbaut, hauptsächlich in Form von Beton oder als Untergrund für Straßen. Im Norden Deutschlands gibt es kaum Kies, weshalb Sachsen in seltenen Fällen auch Kies exportiert, vor allem nach Berlin. Im Raum Dresden liegt der Listenpreis für eine Tonne Sand bei rund 16 Euro.

Was ist Sand?

Sand besteht hauptsächlich aus Quarz, also Siliziumdioxid. Silicium ist nach Sauerstoff das zweithäufigste Element der Erde. Gesteine, beispielsweise Granit, bestehen zu einem wesentlichen Teil aus Quarz. Durch Temperaturschwankungen und Feuchtigkeit bricht der Stein in kleine Teile (Erosion) und wird abgetragen. Deshalb befinden sich die größten Sandlagerstätten entlang von Flüssen. Bei Sand und Kies handelt es sich um die gleichen Stoffe - sind die einzelnen Steine größer als 2mm werden sie Kies genannt.

Wofür wird Sand verwendet?

Sand ist der wichtigste Lieferant für Silizium, einem Halbleiter, der in der Herstellung von Computerchips und Solarmodulen Verwendung findet. Darüber hinaus ist er der wichtigste Baustoff: Beton besteht zu 75% aus Sand und Kies. Ideal für die Betonherstellung sind Korngrößen zwischen 8 und 16 Millimeter. Deshalb fallen einige offensichtliche Sandlager aus: Wüstensand ist zu fein, Meersand zu salzhaltig. 

Wie viel Sand verbraucht Sachsen?

Sachsen fördert jährlich rund 14 Millionen Tonnen Sand und Kies. Schätzungen zufolge wird diese Menge auch verbaut, hauptsächlich in Form von Beton oder als Untergrund für Straßen. Im Norden Deutschlands gibt es kaum Kies, weshalb Sachsen in seltenen Fällen auch Kies exportiert, vor allem nach Berlin. Im Raum Dresden liegt der Listenpreis für eine Tonne Sand bei rund 16 Euro.

 

Von Maximilian Helm

Foto: © Marko Förster

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