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Was bei Bombardier in Görlitz los ist

Landkreis Görlitz 05.11.2019
Zum Jahresende läuft der Kündigungsschutz aus, doch aktuell sind noch viel mehr Kollegen da als vereinbart. Gibt es also Anfang 2020 blaue Briefe?

Es ist eigentlich paradox. Die Schienenfahrzeugbranche boomt, es existieren gerade „märchenhafte Voraussetzungen“ für die Branche, wie René Straube, der Chef des Görlitzer Bombardier-Betriebsrates sagt. Der Bedarf für rollendes Material ist groß, die Konkurrenz wie Siemens, Alstom oder Stadler gut ausgelastet. All das sind eigentlich beste Voraussetzungen für Bombardier. Vor Kurzem kam aus Dresden der Auftrag für neue Straßenbahnen – diese werden im Rohbau in Görlitz gefertigt. Dennoch müssen viele von René Straubes Kollegen in Görlitz um ihren Arbeitsplatz fürchten.

Grund sind die Vereinbarungen zwischen Arbeitnehmerseite und Konzernführung im Zuge des weltweiten Stellenabbaus, den Bombardier seit 2015 umsetzt. Für Görlitz bedeutete das die Reduzierung zu einem Kompetenzzentrum Wagenkästen und die Abgabe des Innenausbaus an Bautzen. Damit einhergehend der Personalabbau: Demnach hätte Görlitz seine Belegschaft zum Ende dieses Jahres bereits auf 780 Kollegen reduziert haben müssen, so lautete das Abbau-Ziel. Aber aktuell sind es noch 1 250. René Straube erklärt, dass darin alle eingerechnet sind: Leiharbeiter und Azubis genauso wie Kollegen in Alterszeit oder mit Austrittsvereinbarungen bis Ende 2020. Die aktuell beschäftigten Kollegen werden gebraucht, betont Straube, schließlich gilt es, Aufträge abzuarbeiten. Perspektivisch wird es Mitte, Ende 2020 ruhiger – wenn nicht neue größere Aufträge kommen.

Diese Hoffnung ist nicht unbegründet, neben den verbesserten Aussichten am Markt erhoffen sich die Kollegen noch die restlichen Abrufe zum Rahmenvertrag DO2010 (Doppelstock DB) in Höhe von 104 Fahrzeugen von dann insgesamt 800. Eine weitere große Unbekannte ist, wie es mit dem Doppelstock-Auftrag für die Schweizer Bundesbahnen weitergeht.

Dies alles spreche für eine Verlängerung der Vereinbarungen zu Kündigungsschutz und Standortsicherung, so Straube. „Das würde uns wieder etwas Luft verschaffen.“ Und den Kollegen die Ängste nehmen. Je näher das Jahresende kommt, umso mehr werde der Görlitzer Belegschaft bewusst, was sich da anbahnt.

Und es gibt noch weitere Teile der Vereinbarung, die sich verzögern und weswegen eine Verlängerung wichtig wäre. Die versprochenen Investitionen in Höhe von acht Millionen Euro zum Beispiel. Hier hatte Bombardier Deutschland-Chef Michael Fohrer bei den Feierlichkeiten zum 170-jährigen Bestehen des Görlitzer Waggonbaus im Mai versprochen, dass das Geld im nächsten Jahr fließen soll. Und er hatte klar und deutlich eine Zusage an den Standort Görlitz gemacht – Bombardier werde in Görlitz das Kompetenzzentrum Wagenkästen für alle Werke der Kanadier weltweit einrichten.

Doch dafür bräuchte es endlich einen neuen General Manager. René Straube zufolge wäre ein wichtiges Zeichen für den Standort, wenn es einen neuen General Manager gäbe. Seit Mai 2018 ist dieser Posten unbesetzt, immer wieder gab es Zwischenlösungen. Seit Sommer führt Carsten Liebig die Geschäfte. Eigentlich war er der Mann für die Finanzen, aktuell aber hat er die Gesamtleitung inne. Straube zufolge macht er das sehr gut, aber: „Wir brauchen stabile Verhältnisse, also einen starken General Manager.“

 

Von Daniela Pfeiffer

Foto: © Pawel Sosnowski

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