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Was kaufen Tschechen in Altenberg, was Deutsche in Teplice?

12.09.2022
Riesige Unterschiede bei den Preisen gibt es dies- und jenseits der Grenze nicht mehr. Doch bestimmte Sachen lohnen sich für Tschechen, andere für Deutsche.

Von Siiri Klose

Zwei Flaschen Wodka hat der ältere Herr aus Teplice im Altenberger Edeka eingekauft, dazu Schnitt- und Scheibenkäse, Quark und Wein. "Das haben wir zu Hause auch", sagt er in perfektem Deutsch, "aber teurer."

Damit spiegelt er genau die Unterschiede im deutsch-tschechischen Preisniveau wider, die das Statistische Bundesamt in Zahlen beschreibt: Tschechen kaufen in Deutschland um 22 Prozent billiger, wenn sie zu Alkohol greifen. Bei Milchprodukten sparen sie um die 8 Prozent, bei Kleidung und Schuhen wären es 12 Prozent - für Investor Thomas Grimmer wird das bei Planung des neuen Einkaufszentrums am Altenberger Bahnhof eine Rolle spielen.

Mehr tschechische Kunden im Altenberger Supermarkt

Nicht nur die Deutschen haben mit steigenden Lebensmittelpreisen zu kämpfen, auch in Tschechien klettern sie seit Anfang des Jahres nach oben. Im Juli erreichte der tschechische Verbraucherpreisindex (VPI) 17,5 Prozent im Vergleich zum Juli letzten Jahres, der deutsche VPI stieg um 7,5 Prozent. Manches ist in Deutschland nun billiger als in Tschechien.

"Wir haben eine leichte Steigerung an tschechischen Kunden feststellen können. Dabei wurden die Einkaufskörbe etwas mehr gefüllt", stellt Tony Clausnitzer, der Betreiber des Altenberger Edekas, fest. Nach seiner Beobachtung sind die Dauerbrenner die gleichen geblieben: Molkereiprodukte aus der Frischetheke und Drogerieartikel.

Misstrauisch gegenüber europäischen Herstellern

Wie zur Bestätigung verstaut Irena Szturcová aus Litvinov gut gelaunt zwei Flaschen Weichspüler und ein Haarfärbemittel im Auto und greift als Nächstes den Heidelbeerwein im Einkaufswagen. "Sehr gut", sagt sie lachend dazu. Der Apfelessig wäre im tschechischen Supermarkt ein paar Cent teurer, vor allem gibt es ihn nicht überall. Der Rest ihres Einkaufs besteht aus Apfelsaft und Obstbrei-Kindernahrung.

"Kindernahrung und Waschmittel, das ist typisch für tschechische Einkäufe in Deutschland", sagt Jana Kozlerová, die nur knapp 100 Meter vom Edeka entfernt in der Altenberger Tourismus-Information arbeitet. Als Tschechin kennt sie die Skepsis ihrer Landsleute vor einigen westlichen Produkten in tschechischen Supermärkten: "Viele sind der Meinung, dass die gleichen Produkte in Deutschland eine höhere Qualität haben als bei ihnen", sagt sie.

Nicht ganz grundlos: 2017 stellten Chemiker der Universität Prag tatsächlich fest, dass international verfügbare Produkte in Osteuropa häufig Palmfett statt Butter, Süßstoff statt Zucker und auch sonst die weniger hochwertigen Inhaltsstoffe enthielten. Eine weitere EU-Untersuchung im Jahr 2019 stellte zwar nicht mehr solche Unterscheide fest, doch das Misstrauen sitzt offensichtlich tief.

Deutsche profitieren in Tschechien bei anderen Produkten

Nichtsdestotrotz fahren auch die Deutschen regelmäßig auf einen billigen Einkauf nach Tschechien. Laut Statistischem Bundesamt sparen sie beim Fleisch 25 Prozent, bei Zigaretten, Fisch und Obst und Gemüse zwischen 16 und 17 Prozent. Am meisten natürlich bei Benzin und Diesel: Energie kostet 23 Prozent weniger.

Um den Verbraucherpreisindex zu ermitteln, führt das Statistische Bundesamt die lange, lange Liste des berühmten Warenkorbs. Darin stecken alle Ausgaben, die die Menschen so haben - für Einkäufe, fürs Wohnen, für Gesundheit, Transport, Kinder- und Altenbetreuung. Alles zusammengerechnet, liegt der VPI in Tschechien bei 82 Prozent des deutschen Niveaus.

Für den Einkauf allein lohnt sich die Fahrt nach Tschechien nicht

"Für den Einkauf alleine lohnt sich das nicht", sagt Werner Rupprecht aus Dresden, der seinen Einkaufswagen gerade durch die Getränkeabteilung des riesigen Albert-Hypermarktes in Teplice manövriert. "Wir sehen immer zu, dass wir auf einer Tour mehrere Sachen machen", ergänzt seine Frau Monika, "Friseur, Tanken, Essengehen. Außerdem ist es total schön hier." Alle sechs bis acht Wochen macht das Ehepaar aus Dresden einen Ausflug ins Tschechische.

In ihrem Einkaufskorb liegen Kinley-Flaschen: "Ginger-Ale, Tonic und Bitterlemon, das schmeckt genauso wie von Schweppes." Gerade sind die Flaschen im Angebot für 28.90 Kronen - 1,18 Euro also beim Umtauschkurs von 24,60 Kronen für einen Euro.

Tanken in Teplice ist zuverlässig billiger

Zwei Tüten mit Körnerbrötchen und Baguettes haben die Rupprechts ebenfalls eingepackt: die Rosenbrötchen für 65 Cent, die Viertel-Baguettes im Angebot für 36 Cent. "Außerdem kaufen wir immer sauer Eingelegtes: saure Gurken, Weißkraut oder Pickles." 1,79 Euro kostet heute ein Glas saure Gurken.

Richtig gespart haben die Rupprechts an der Petrol-Tankstelle gegenüber: Dort kostete der Liter Benzin letzte Woche noch 37,90 (1,54 Euro), Diesel 43,90 Kronen (1,79 Euro). Inzwischen ist beides im Preis leicht gestiegen: Benzin auf 1,63 Euro, Diesel auf 1,86 Euro. Doch gegenüber der Altenberger Tankstelle mit 1,89 Euro pro Liter Benzin und 2,13 Euro für Diesel lohnt sich das Tanken in Tschechien immer noch.

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