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Weihnachtsgeschäft: Pirnaer Einzelhändler ächzen unter 2G

16.12.2021
Unternehmer in der Innenstadt klagen allerdings nicht nur über Umsatzeinbußen. Es kommt auch zu verbalen Attacken.

Von Mareike Huisinga 

Die Einführung der 2G-Regelung für den Einzelhandel mit nicht-täglichem Bedarf führt bei den Unternehmen zu schweren Umsatzeinbrüchen. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Handelsverbandes Deutschland (HDE) unter 1.100 Händlern. Demnach blicken mehr als 70 Prozent der Handelsunternehmen mit negativen Erwartungen auf die restlichen Tage des Jahres. Auch die Pirnaer Einzelhändler ächzen unter den aktuellen Regelungen und klagen über Umsatzeinbußen. Einmal mehr, da jetzt das Weihnachtsgeschäft ansteht. Sächsische.de hat sich in der Pirnaer Innenstadt umgehört.

Mitarbeiter werden von Ungeimpften beleidigt

Steffi Jähnichen spricht klare Worte. "Eigentlich ist jetzt unser Hauptgeschäft. Aufgrund der 2G-Regelung haben wir Umsatzeinbuße von bis zu 50 Prozent", sagt die Leiterin der Buchhandlungs-Filiale Thalia in der Jacobäerstraße. Es sei kein Weihnachtsgeschäft in dem eigentlichen Sinn, fügt sie hinzu. Sie und ihre Mitarbeiterin dürfen nur Genesene und Geimpfte in den Buchladen hereinlassen. "Das sind bei der Impfquote im Landkreis lediglich 50 Prozent", so Jähnichen. Die derzeitige Impfquote im Landkreis Sächsische Schweiz Osterzgebirge beträgt laut Staatsregierung 53,3 Prozent (Stand 14. Dezember). Die vorgegebenen Einlasseinschränkungen werden in der Thalia-Buchhandlung eingehalten. "Wir kontrollieren strikt und gelegentlich kommt es zu Schlangenbildung", sagt Jähnichen. Nicht nur das, es käme auch zeitweilig zu verbalen Ausfällen. "Zwar haben die meisten Kunden Verständnis für die Maßnahmen und sind geduldig, aber wir hatte auch schon heftige Diskussionen mit ungeimpften Kunden", berichtet die Filialleiterin. Wut und Aggressionen seien ihren Mitarbeitern ins Gesicht geschleudert worden. Die Polizei musste allerdings noch nicht gerufen werden. "Glücklicherweise blieb es bei verbalen Attacken. Aber die Situation ist beschämend und belastet unsere Mitarbeiter", sagt Steffi Jähnichen.

Solche Diskussion muss Steve Gladrow, Inhaber der gleichnamigen Buchhandlung in der Pirnaer Innenstadt mit seinen Kunden nicht führen. "Unsere Stammkunden bleiben uns treu, auch unter den geltenden Regeln", so der Geschäftsmann. Dennoch klagt auch er über weniger Kunden und geringeren Umsatz. "Man sieht sehr deutlich, dass in der Stadt wesentlich weniger los ist, als sonst", sagt der Pirnaer. Die Laufkundschaft fehle komplett.

Umsatzeinbruch im Spielwarengeschäft

Was wird außer Büchern am meisten in der Weihnachtszeit gekauft? Geschenke für Kinder. Das weiß Claudia Dorner nur allzu gut. Sie ist die Mithaberin von dem Spielwarengeschäft Spielaxie in der Dohnaischen Straße/Ecke Schuhgasse. "Eigentlich hätten wir in den vergangenen vier Wochen 40 Prozent unseres Jahresumsatzes gemacht. Jetzt haben wir massive Einbußen", sagt die Unternehmerin. Eine Kompensation sei nicht möglich. Im Gegenteil. "Die Betriebskosten laufen bei sinkendem Umsatz weiter. Außerdem haben wir steigende Kosten, weil wir jemanden für die Einlasskontrolle abstellen müssen und Desinfektionsmittel im Laden bereitstellen", erklärt Dorner. Einige Kunden seien aufgrund des langen Lockdowns im zurückliegenden Jahr und der aktuellen Regelungen ins Internet gewechselt."Diese Kunden haben wir verloren. Andere bleiben uns aber treu und machen viel Mut. Das sind warme Worte, die guttun", sagt Dorner.

Auch andere Branchen im Einzelhandel betrifft die aktuelle 2G-Regelung. Leander Köllner führt das Herrenbekleidungsgeschäft Männersache(n) in der Dohnaischen Straße. "Wir sind glücklich, wenn wir im Weihnachtsgeschäft 50 Prozent der Einnahmen erhalten im Vergleich zu den Jahren vor der Pandemie. Die aktuellen Umsatzeinbußen sind enorm", sagt der Geschäftsmann. Immerhin: Die meisten Kunden hielten sich an die aktuelle 2G-Regelung. "Nur vereinzelt kommt es zu Diskussionen", berichtet Köllner. Kurzarbeit für seine Mitarbeiter oder verkürzte Ladenöffnungszeiten stünden für ihn aber nicht zur Debatte. "Wir versuchen, den Dezember zu wuppen." Wie die Lage im Januar beziehungsweise im Februar sich gestalte, kann er indes noch nicht sagen.

Citymanagement Pirna appelliert an Kunden

"Diese Vorweihnachtszeit ist unvergleichbar und in Summe sehr verhalten, was den Publikumsverkehr in der Innenstadt betrifft", bedauert auch Dina Stiebing vom Citymanagement Pirna. Für die ansässigen Händler gebe es einen enormen Umsatzeinbruch und das ursprünglich hervorragende Weihnachtsgeschäft gestalte sich sehr zurückhaltend. Die allgemeine Situation gehe den Gewerbetreibenden an die Substanz, sowohl monetär, als auch seelisch. "Hinter den einzelnen Geschäften stehen Menschen mit Ideen und Engagement, Familienbetriebe mit jahrelanger Erfahrung und Familien mit Verpflichtungen. 2G wird nicht ansatzweise das kompensieren können, was im regulären Weihnachtsbummel umgesetzt würde", führt die Projektleiterin vom Citymanagement aus und appelliert an die Kunden, regional zu kaufen, um somit die Händler vor Ort zu unterstützen.

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