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Weniger Geld für mehr Startups

14.07.2020
Die Corona-Pandemie macht Finanzierungsrunden für Gründer härter. In Berlin brechen Investitionen ein. Ganz anders sieht es in Sachsen aus.

Von Rolf Obertreis 

Frankfurt. Die Folgen der Corona-Pandemie bekommen auch Startups in Deutschland zumindest zum Teil zu spüren. Zwar erhielten im ersten Halbjahr acht Prozent mehr und damit 360 Unternehmen frisches Geld. Die Gesamtsumme schrumpfte aber von 2,8 Milliarden um 22 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Im zweiten Halbjahr 2019 war es 3,4 Milliarden Euro sogar ein neuer Halbjahres-Rekord. 

In Deutschlands Startup-Hauptstadt Berlin wurde das Investitionsvolumen sogar um fast die Hälfte auf 1,1 Milliarden Euro gekappt, obwohl mit 149 nahezu 14 Prozent mehr Unternehmen unterstützt wurden. In Bayern dagegen kletterte die Zahl der Vereinbarungen zwischen Januar und Juni um 60 Prozent auf 83 und die Investitionen vervierfachten sich auf 773 Millionen Euro. 

Der Startup-Standort Baden-Württemberg rutschte dagegen weiter ab: Nur noch 17 Unternehmen und damit ein Drittel weniger als im ersten Halbjahr 2019 wurden finanziert, das Volumen schrumpfte um 30 Prozent auf nur noch 105 Millionen Euro.

Das sind die zentralen Ergebnisse des Startup-Barometers der derzeit wegen des Wirecard-Skandals umstrittenen Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY. „Es gibt eindeutig einen Corona-Effekt bei den Risikokapitalinvestitionen“, sagt EY-Partner Thomas Prüver. Vor allem die Zahl großer Finanzierungen mit mehr als 100 Millionen Euro sei deutlich zurückgegangen - von sieben auf nur noch zwei. 

Mit 218 Millionen erhielt den Münchner Flugtaxi-Entwickler Lilium den höchsten Betrag, dahinter rangiert den Verleiher von Technikgeräten Grover aus Berlin mit 195 Millionen. Die Smartphone-Bank N26 konnte 91 Millionen Euro einsammeln. 73 Millionen gingen an Content ebenfalls in Berlin und 68 Millionen an das Software-Startup Personio in Bayern.

In Ostdeutschland sticht neben Berlin, wenn auch mit deutlichem Abstand Sachsen heraus. Dort gab es der Studie zufolge im ersten Halbjahr eine Verdoppelung der Finanzierungen von 9 auf 17. Das Volumen kletterte von 29 auf 40 Millionen Euro. Thüringen kommt auf fünf und fünf Millionen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg auf je vier und Mecklenburg-Vorpommern auf je zwei mit immerhin elf Millionen Euro. 

Im Westen rangiert Nordrhein-Westfalen mit 32 - bei einem allerdings von 133 auf 60 Millionen abgerutschten Volumen - hinter Bayern auf Platz zwei vor Hamburg (26 Millionen) und Baden-Württemberg mit je 17. Niedersachsen und Bremen kommen zusammen auf elf Finanzierungen über 20 Millionen Euro, in Hessen wurden neun Startups mit sechs Millionen Euro unterstützt, in Rheinland-Pfalz acht (13 Millionen Euro) und in Schleswig-Holstein zwei.

Im Januar vor der Krise waren es noch 90, im März dann nur noch 49 und im Juni gerade noch 34 Finanzierungen. Immerhin seien nur wenige geplante Finanzierungen komplett abgesagt worden. Die Folgen der Krise werden nach Angaben von Prüver erst noch sichtbar werden. Bei den Standorten sieht er München auf dem Vormarsch. „Da bildet sich nach Berlin ein zweiter großer Startup-Standort heraus.“ 

München sei vor allem im Technologiebereich stark. Noch aber ist Berlin mit einem Anteil von 41 Prozent an allen Abschlüssen deutlich vorne. Bayern kommt auf 23, Nordrhein-Westfalen auf neun und Baden-Württemberg auf nur fünf Prozent.

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