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Wenn Roboter Brötchen backen

Landkreis Görlitz 13.02.2020
Forscher der Dresdner Universität haben einen Bäcker bei Görlitz mit modernster Technologie ausgestattet. Sieht so die Zukunft des Handwerks aus?

Sie brauchen keine Pause, sind niemals unkonzentriert und verlangen keinen Lohn: Roboter sind in der Großindustrie längst Standard. Ihre Spezialität ist es, immer und immer wieder den gleichen Arbeitsschritt zu tun. Ihr Einsatz in kleineren Betrieben ist noch selten. Doch Bäckermeister Michael Tschirch aus Ober Neundorf leistet wichtige Pionierarbeit. 

Im vergangenen Jahr kam das Dresdner Start-Up Wandelbots auf Tschirch zu und regte eine Zusammenarbeit an. Die Ingenieure wollten austesten, ob sich die von ihnen entwickelte Technologie auch auf einen kleineren Bäckerbetrieb anwenden ließe. Das Start-Up ist in der Szene eine Größe: In der Gesellschafterliste stehen einige bekannte Namen wie Unternehmer Felix Haas oder SAP-Manager Christian Dahlen. Mehrere Millionen ist das 2016 gegründete Unternehmen schwer, die Liste an Preisen ist lang.

Das Grundkonzept ist dabei einfach: Wandelbots stellt mit Sensoren ausgestattete Kleidung her. Roboter lernen dann von den menschlichen Bewegungen und machen diese nach. Der Vorteil: Das Programmieren von Robotern wird deutlich einfacher und auch für Menschen ohne Kenntnis der komplexen Informatik möglich.

Vorbehalte gegen die Technik

Im Fall der Backstube ist der Anwendungsbereich denkbar einfach: Der Roboter wurde darauf trainiert, Brötchen-Teiglinge, die aus einer Maschine purzeln auf ein Blech zu heben. Mehrere Wochen wurde getestet. Die Erkenntnis: "Es funktioniert definitiv", sagt Projektmitarbeiter Gunther Mielke. Auch sei der Einsatz sinnvoll gewesen, an manchen Tagen sei ein Mitarbeiter acht Stunden lang mit dieser repetitiven Arbeit beschäftigt gewesen. Perfektes Einsatzgebiet für einen Roboterarm. Trotzdem ruht das Projekt derzeit.

Denn ein Problem trat auf: Manche der Teiglinge, die der Roboter auf das Blech legte, waren fehlerhaft, hatten das falsche Gewicht oder waren unförmig. Nun arbeitet das Start-Up an einer Lösung durch eine Kamera, welche die rohen Brötchen kontrolliert und nur die Guten auf das Blech legt. Ein Hauch von Aschenputtel. 

Ein weiteres Nadelöhr sei der 5G-Container der Universität, der sich gerade noch im Aufbau befinde. 5G ist ein modernes Mobilfunknetz, dass Datenübertragung fast ohne Verzögerung möglich macht. Damit könnte der Roboterarm aus der Nachbarschaft gesteuert werden - die Technik könnte aus der Backstube verschwinden. Gunther Mielke ist zuversichtlich, noch in diesem Jahr weitermachen zu können.

Nachwuchssorgen adé?

Noch ein Problem: Es gebe Vorbehalte gegen diese Art des Sendens, die jedoch nicht belegbar seien. "5G ist nichts gefährliches, wenn das so wäre, würden Leute in Flugzeugen reihenweise krank werden", sagt Mielke. Tatsächlich gibt es  keinerlei Beweise für eine Gefahr durch 5G. Es handelt sich um elektromagnetische Strahlung, wie beim normalen Mobilfunk auch. Deren Ungefährlichkeit wurde durch zahlreiche Studien bestätigt.

Doch ist das alles nötig? Wenn die Universität nicht für die Forschung zahlen würde, wäre die Technik absolut unerschwinglich für einen Bäcker aus der Lausitz. Und im Ernstfall kostet sie Arbeitsplätze. Doch das ist kein Argument dagegen, viel eher dafür. Denn die Branche plagen handfeste Nachwuchssorgen, auch Bäcker Tschirch, der im November mit einem Gedicht in sozialen Netzwerken um Nachwuchs warb.

"Wenige Leute haben Lust, Bäcker zu werden", sagt Gottfried Paul, Bäckerobermeister der Bäckerinnung Oberlausitz-Niederschlesien. Außerdem sei es ein sehr vielseitiger, und deswegen anspruchsvoller Beruf. "Da kann nicht jeder dastehen", sagt Paul. Brot und Brötchen zu backen sei zwar ein Trend, er habe sich jedoch noch nicht auf den Berufsstand ausgewirkt. Im Ernstfall könnten fehlende Arbeitskräfte durch Roboter ersetzt werden.

Niemand muss mehr arbeiten

Doch ob das alles so gut funktioniert, wie die Dresdner Gründer nachvollziehbar  behaupten, daran hat Gottfried Paul seine Zweifel. "Jeder Teig ist anders", sagt er. Maßgeblich sei dabei vor allem die Qualität des Getreides, die sich vor allem nach der Wetterlage im Jahr richtet. Das ist ein Problem für Roboter, die sich anders als Menschen nur schwer auf Schwankungen der Materialien einstellen können. "Man muss sich auf jeden Teig einlassen", nennt Paul das, mit der Hingabe eines langjährigen Bäckermeisters.

In der Industrie komme es deshalb häufiger vor, dass mehr Weizen zugemischt wird und die Teige allgemein etwas fester seien. "Roggen ist klebrig, damit haben Maschinen oft Probleme", sagt der Obermeister. Das mache die Produkte im Endeffekt trockener und weniger bekömmlich.

Die Wandelbots-Gründer sind derweil voller Enthusiasmus und sehen sich als Pioniere. "Irgendwann werden Menschen gar nicht mehr arbeiten", ist sich Gunther Mielke sicher. Ob das so funktioniert, bleibt abzuwarten. Der Anfang wird in Ober-Neundorf zumindest erprobt.

 

Von Maximilian Helm
Foto: ©  Ronald Bonss

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