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Wer kümmert sich um Wehlens Seifen?

Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 08.02.2020
Die Wehlener Seifenstube ist eigentlich eine kleine Goldgrube. Doch die Betreiber gehen in den Ruhestand. Nun wird ein Nachfolger mit Fai­ble für Bio-Seife gesucht.

Zehn Jahre lang hat Wolfgang Schiedeck gemeinsam mit seiner Frau die Wehlener Seifenstube direkt am Markt geführt. Stammkunden in ganz Deutschland schwören auf seine natürlichen Seifenprodukte, sagt er. Doch nun verabschieden sich die Ladenbesitzer altersbedingt in den Ruhestand. Im Frühsommer braucht der Laden einen Nachfolger.

Aber das scheint schwieriger zu sein als gedacht. Der Grund ist das Saisongeschäft: "Unsere Seifenstube hat ab April geöffnet und schließt im Oktober. Im Winter lohnt sich der Laden nur mäßig, da wir von den vielen Wanderern und Sommerbesuchern leben", erklärt Wolfgang Schiedeck. Doch das sehr gut. Das Geschäft mit Bio-Seifen würde brummen. "Man kann davon schon leben, doch die fünf Monate im Winterhalbjahr müssen trotzdem finanziell überbrückt werden", sagt er. Und dazu käme, dass vielen potentiellen Nachfolgern auch nicht klar sei, dass die Seifenstube vor allem an den Wochenenden und an Feiertagen gut mit Kundschaft gefüllt sei. "Die Gäste besuchen Wehlen vor allem zu Ostern, Pfingsten, an Brückentagen und den Wochenenden", zählt der Unternehmer auf. Freie Wochenenden würde es für die Betreiber deshalb in der Saison kaum geben.

Dafür sei die Nachfrage enorm. In den letzten Jahren kamen viele Kunden wieder, um Seifen für die ganze Familie und für Freunde zu kaufen. "Selbst Postkarten und Weihnachtskarten schicken sie uns", sagt der gelernte Schaufensterdekorateur und begründet das mit der guten Qualität. "Wir haben 160 verschiedene Seifenarten im Angebot, vom Bienenprodukt Propolis über Badekugeln, Haarseifen, Parfüm- und Blütenseifen, rück-fettende Seifen bis hin zu Seifenschalen", verrät der Ladeninhaber. 

Alle Seifen werden in Blöcken geliefert. Familie Schiedeck arbeitet mit sechs Lieferanten zusammen. Die Blöcke werden dann per Wellenschneider in 60, 80 oder 100 Gramm schwere Stücke geteilt und liebevoll verpackt. Chemische Zusatzstoffe hätten die Seifen nicht. Zudem könnten die Kunden alle Produkte vor dem Kauf testen. Dafür gibt es Probestücke. "Natürlich würde ich meinen Nachfolger einarbeiten. Die Lieferanten haben eine weitere Zusammenarbeit bereits zugesagt", sagt Wolfgang Schiedeck. Den rund 40 Quadratmeter großen Laden, der sich im Wehlener Rathaus befindet, hat er von der Stadt angemietet. Dazu gehören ein Lager sowie eine Toilette.

Zwei Interessenten hat es bereits gegeben. Die seien jedoch wieder abgesprungen. Zwei weitere Gespräche stehen noch an. Vielen sei nicht klar, dass sie alleine von den sieben Monaten Geschäftszeit nicht leben könnten. "Der Job macht wirklich Spaß, aber man müsste das - wie wir - als Rentner machen oder als Nebenjob", sagt der Seifenstuben-Inhaber. Wolfgang Schiedeck war mit seinen Produkten auch auf Weihnachtsmärkten dabei. "Dieses Geschäft lief so gut, dass wir fast so viele Einnahmen hatten wie den ganzen Sommer über hier in Wehlen." 

In diesem Jahr wollen sie die Seifenstube in Stadt Wehlen ab dem 4. April erneut öffnen. Ab dem 1. Juli soll dann aber Schluss sein. "Wir wollen uns noch die Welt anschauen", kündigt Wolfgang Schiedeck an. Seine Frau und er stammen eigentlich aus Soest in Nordrhein Westfalen. Nach dem Mauerfall bereisten sie Ostdeutschland und waren von der Landschaft und den Menschen begeistert. Nachdem Wolfgang Schiedeck in den Ruhestand ging, beschlossen seine Frau und er, nach Sachsen auszuwandern. Eine Wohnung wurde gesucht, auch in Wehlen. "Als ich das erste Mal hier war, mitten im Sommer, sah ich die Elbe, ein Raddampfer fuhr gerade entlang, die Kirche strahlte im Sonnenschein. Ich war sofort verliebt", schwärmt der Senior. Der Umzug nach Stadt Wehlen folgte 2008.

Da sich das Paar seit vielen Jahren für natürliche Seife begeisterte und im Urlaub nie an Seifenläden vorbeigehen konnte, kam eins zum anderen. Die Schiedeck bewarben sich mit ihrem Seifenkonzept für die freie Geschäftseinheit in Stadt Wehlen. Seit April 2010 verkaufen beide die Bio-Seifen. Sie hoffen, dass auch ab Juli dieses Jahres die Kunden in Wehlen noch im Seifenladen nach Souvenirs suchen können. 

 

Von Siri Rokosch

Foto: © Daniel Schäfer

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