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Wie Daimler seine Autoflotte klimatauglich machen will

17.09.2019
Sachsens Zulieferer sehen das als Riesenaufgabe. Aber auch als Chance.

Bei der jüngeren Generation und damit potenziellen Kunden kommt das Autofahren in klassischen Verbrennerfahrzeugen wegen der Verschmutzung der Luft durch Kohlendioxid (CO2)-Emissionen, Feinstaub und Dieselabgase immer mehr in Verruf. Die deutschen Autobauer brauchen also ein neues Kundenversprechen, mit dem sie die Jungen auf die Internationale Automobilausstellung nach Frankfurt locken können. Bei VW lautet es so: „VW ist auf dem Weg zu emissionsfreier Mobilität für alle“ und der in Zwickau produzierte ID.3 sei das erste bilanziell CO2-freie gefertigte Elektroauto weltweit. Bei Konkurrent Daimler klingt es ganz ähnlich.

„Unsere Aufgabe ist heute, für individuelle Mobilität ohne Emissionen zu sorgen“, betonte Ola Källenius auf seiner ersten IAA-Pressekonferenz als Daimler-Chef. Bis 2022 strebt der Premiumhersteller eine klimaneutrale Produktion in seinen Fabriken an, bis 2039 soll die gesamte Flotte klimaneutral werden. Um diese Ziele zu erreichen, muss die Lieferkette nachhaltiger werden. Källenius kündigte an, dass künftig mehr Bauteile aus recyceltem Kunststoff verwendet werden und der Klimaschutz zum Vergabe-Kriterium für die Lieferanten wird. „Insbesondere bei der Batterieproduktion ist noch viel zu holen“, betonte Källenius. Im Rahmen einer Nachhaltigkeitspartnerschaft mit einem Batteriezellenlieferanten bezieht die Marke Mercedes Benz erstmals Batteriezellen aus CO2-neutraler Produktion und wird damit über 30 Prozent des CO2-Fußabdrucks der Gesamtbatterie einsparen.

Zusammengebaut werden die Batterien etwa für den vollelektrischen Mercedes-Benz EQC in Kamenz. Dort hat Daimler 500 Millionen Euro in den Bau einer zweiten Batteriefabrik der Tochterfirma Deutsche Accumotive investiert. Einen öffentlichkeitswirksamen Starttermin für die Produktion gab es bislang noch nicht. Auf Nachfrage erklärte eine Sprecherin: „Mit dem Anlauf des EQC im Mai 2019 startete in Kamenz auch die Produktion der Batterien für den EQC.“ Parallel begann am Standort mit mehr als 1.000 Beschäftigten auch die Produktion für Plug-in-Hybrid-Modelle von Daimler.

Umstellung wird teuer

Weder bestätigen noch dementieren wollte sie Medienberichte, nach denen es beim Hochlauf der Produktion in Kamenz offenbar Probleme gibt. Nach einem Bericht der Automobilwoche funktionieren noch nicht alle Anlagen wie gewünscht, da die „Anlagenbauer nicht hinterherkommen“ würden. Auch soll es wohl Schwierigkeiten bei der Lieferung von Batteriezellen durch CATL und LG Chem geben, heißt es in dem Artikel. Das führe zu einer verzögerten Verfügbarkeit elektrischer Modelle, so die Automobilwoche. Von Daimler hieß es dazu: „Der Standort leistete mehrere Anläufe parallel und fokussiert sich daher zurzeit auf den erfolgreichen Hochlauf der Produktion unserer neuen Produkte.“

Källenius schloss nicht aus, dass sein Konzern die strengen EU-Vorgaben zur Emission der Fahrzeugflotte im Jahr 2021 verfehlen könnte. Man habe zwar die richtigen Elektro-Fahrzeuge im Angebot, wisse aber nicht, was die Kunden tatsächlich wünschten. Im nächsten Jahr treten die neuen CO2-Grenzwerte der EU in Kraft. Dann dürfen neu verkaufte Autos eines Herstellers im Durchschnitt nur noch 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen. Für jedes Gramm darüber werden 95 Euro Strafe pro verkauftem Auto fällig.

Nicht nur Daimler, auch VW und BMW machen die umweltschonende Produktion von Zulieferteilen zur Bedingung für künftige Aufträge. Dirk Vogel, Geschäftsführer des sächsischen Automobilzuliefernetzwerks AMZ, findet es konsequent, diese Forderung jetzt auch an Lieferanten weiterzugeben, nachdem Fahrzeughersteller seit 2016 ihre Strategien auf die Herstellung umweltschonender Autos ausgerichtet haben. „Aber für die Zulieferer in Sachsen ist dies eine große Herausforderung“, gibt er auch zu. Auch wenn viele Zulieferer schon ein Energiemanagementsystem nach der ISO-Norm 50001 eingeführt hätten, sei es doch für die meisten Firmen sehr schwierig, die Umweltbilanz für die Herstellung jedes einzelnen Teils in der Produktion und Logistik aufzustellen. Auch werde die Einführung neuer Erfassungssysteme zusätzliche Kosten verursachen. Der Klimaschutz kann aber auch eine Chance sein. „Wenn die CO2-schonende Produktion in Zukunft ein Kriterium in der Auftragsvergabe wird, können unsere sächsischen Zulieferer die Chance für neue Aufträge nutzen, wenn sie schnell reagieren“, so Vogel.

Hier könnte die neue Landesregierung helfen, in dem sie zum Beispiel den Schwerpunkt Umweltmanagement der sächsischen Mittelstandsrichtlinie um diesen Punkt erweitert“, regt der AMZ an. „Genauso wichtig ist es, dass für die kommenden zwei Jahre auch große Mittelständler diese Umstellung gefördert bekommen können“, betont Vogel. Das wäre ein klarer Beitrag zum Erhalt von Arbeitsplätzen und Wettbewerbsfähigkeit der Zulieferer im Autoland Sachsen.

 

Von Nora Miethke  

Foto: © Boris Roessler/dpa

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