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Wie das Carolus von neuen Eigentümern profitieren kann

Landkreis Görlitz 07.01.2020
Die Malteser wollen das Görlitzer Krankenhaus verkaufen. Ein solcher Schritt muss kein Nachteil sein. Auch das Sozialministerium in Dresden sieht keinen Anlass zu Panik.

Der Verkauf des Görlitzer Carolus-Krankenhauses zusammen mit weiteren Kliniken im Rheinland und in Sachsen schlägt immer noch Wellen. Bundesweit. So kam Elmar Pankau, Vorstandschef des Malteser Hilfsdienstes, auch in der Weihnachtsausgabe des "Malteser Magazin" nicht um das Thema herum. "Vielen von uns ist das Herz schwer", schreibt Pankau. Doch führe kein Weg an dem Verkauf herum, um zwei Ziele zu erreichen: die medizinische Versorgung an allen Standorten sowie die Arbeitsplätze und die Standorte selbst langfristig zu sichern.

Es ist zugleich das Eingeständnis, dass der Malteser Hilfsdienst als große und eine der ältesten karitativen Organisationen weltweit, dazu nicht mehr in der Lage ist. Das ist keine Schande. So geht es vielen Trägern von vornehmlich kleinen Krankenhäusern mit bis zu 250 Betten.  Selbst größere Häuser haben Probleme, die Kosten zu decken. Das Klinikum Niederlausitz in Senftenberg und Lauchhammer vermeldete vor Kurzem,  in diesem Jahr ein Minus von 4,5 Millionen Euro einzufahren. Schon im Vorjahr lag das Defizit in ähnlicher Höhe. Das Krankenhaus hat rund 500 Betten. Für solche und andere Fälle hatte die Bundesregierung einen Krankenhaus-Strukturfonds aufgelegt. Bis 2022 stellt der Bund jährlich 500 Millionen Euro zur Verfügung, um Kliniken umzustrukturieren -  vor allem aber stillzulegen.

Ministerium sieht stabile sächsische Krankenhäuser

Wenn schon solch große Häuser ins Trudeln kommen, dann haben es kleinere oftmals noch schwerer. Die Kosten für den medizinischen Fortschritt, für neue Behandlungstechniken und -geräte, sind für sie kaum zu stemmen. Zudem müssen die Personalabteilungen immer mehr bieten, um profilierte Fachärzte an die Häuser zu binden. Schließlich reichen die Zuschüsse des Landes für Investitionen nicht aus. 

So wird mitunter an der Pflege gespart, um sich das eine oder andere wenigstens leisten zu können. Nicht umsonst haben die neuen Partner CDU, SPD und Bündnisgrüne in Sachsen in ihren Koalitionsvertrag höhere Investitions-Zuweisungen an die Krankenhäuser aufgenommen. Grundsätzlich sagt aber das Sozialministerium in Dresden auf SZ-Nachfrage: "Die sächsischen Krankenhäuser verfügen im Vergleich zu Krankenhäusern in einigen anderen Bundesländern über eine deutlich stabilere wirtschaftliche Situation." Überkapazitäten hätte der Freistaat bereits in den 1990er Jahren deutlich an den Bedarf angepasst.

Carolus schreibt rote Zahlen

Dass das St.-Carolus-Krankenhaus in Görlitz seit Jahren rote Zahlen schreibt, ist aber auch bekannt und zum Teil auch in den Jahresberichten der Malteser nachzulesen. Während die Chirurgie und die Urologie viele Patienten behandeln, liegt die Innere Medizin zurück. Deswegen gab es schon seit Jahren immer wieder Überlegungen, das Carolus völlig umzukrempeln: Chirurgie und Urologie sollten ans Städtische Klinikum gehen, das wiederum die geriatrischen Stationen an die Malteser abgibt. Doch spruchreif wurden diese Pläne nie. Als im Herbst 2018 die Situation am Carolus richtig dramatisch wurde, war gar von einem Altenheim die Rede. Wie ernst die Lage war, zeigte sich auch beim Neujahrsempfang des Görlitzer Bistums Anfang Januar 2019. Das Bistum ist eng verbunden mit dem Carolus. Dessen Zukunft war da heiß diskutiertes Thema, und mancher Gast machte sich ernsthaft Sorgen über den Bestand des Hauses.

Schließung ist aber im Moment keine Option

Eine Schließung scheint im Moment für die Malteser keine Option zu sein. Sie wollen den Standort erhalten. Das sieht auch das Dresdner Sozialministerium so: "Aktuell gibt es keine Hinweise darauf, dass die beiden Standorte in Kamenz und Görlitz in Bezug auf die Krankenversorgung kurzfristige Veränderungen erfahren werden oder ein Versorgungsengpass zu befürchten wäre."

Über den Verkaufsprozess selbst halten sich die Malteser bedeckt. Diskretion ist dabei durchaus auch wichtig, räumt das Dresdner Sozialministerium auf SZ-Nachfrage ein. Vieles spricht dafür, dass das Carolus mit dem Krankenhaus in Forst zusammengeht und zusammen mit dem Carl-Thiem-Krankenhaus in Cottbus eine enge Zusammenarbeit pflegt. Das würde die Linie fortsetzen, die der Generalbevollmächtigte für das Carolus, Hans-Ulrich Schmidt, seit einem Jahr fährt. Er ist auch Geschäftsführer des Forster Krankenhauses. 

Zudem weist Schmidt auch immer wieder auf den gültigen Versorgungsauftrag hin, den das Carolus von der Landesregierung erhalten habe. Den stellt momentan das Ministerium nicht in Frage: "Ein Trägerwechsel ist in erster Linie ein zwischen zwei Unternehmen auszuhandelndes Geschäft", erklärt ein Sprecher des Sozialministeriums. "Ein neuer Krankenhausträger bekommt also einen Feststellungsbescheid des Sozialministeriums als Krankenhausplanungsbehörde und hat in die Rechte und Pflichten auch hinsichtlich des Versorgungsauftrages einzutreten." So geschah es auch beim Emmaus-Krankenhaus in Niesky, das nun zum Diakonissen-Krankenhaus Dresden gehört. Und der neue Eigentümer investierte gleich groß in die Chirurgie, wobei hilfreich war, dass vier Ärzte um Chefarzt Dr. Nils Walther vom Carolus zum Emmaus wechselten.

Hoffnung auf Trendwende 2020

Damit ist grundsätzlich die Existenz des Carolus selbst mit einem neuen Eigentümer gesichert. Dass es trotzdem in der Bevölkerung Sorgen über die Zukunft des kleineren Görlitzer Krankenhauses gibt, kommt auch immer wieder in den Leserbriefen an die SZ zum Ausdruck. Denn kleinere Häuser, davon ist auch Hans-Ulrich Schmidt überzeugt, können eine besondere Qualität entwickeln. Wenn es beispielsweise mit größeren oder spezialisierten Häusern zusammenarbeitet, die Vorteile der Telemedizin nutzt und so die Vorteile verschiedener Kliniken zu nutzen weiß. Für 2020 erwartete Schmidt vor der Verkaufsankündigung der Malteser die Trendwende für das Carolus. Der muss ein neuer Eigentümer nicht im Wege stehen.

 

Von Sebastian Beutler 

Foto: © Nikolai Schmidt

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