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Wie die Inflation Görlitzer Wirte zu Preiserhöhungen zwingt

22.07.2022
Görlitzer Gastronomen versuchen in der Inflation zu sparen - doch am Ende müssen sie steigende Preise an Gäste weitergeben. SZ hat nachgefragt, wie sich das auswirkt.

Von Marc Hörcher

Im Restaurant "Lucie Schulte - Die neue Essklasse" am Görlitzer Untermarkt kostet ein Lachsgericht mittlerweile 26,50 Euro. Vor der Inflationszeit waren es etwa 22 Euro, berichtet Inhaber Bernd Schade. Der Einkaufs-Preis für diesen Fisch sei besonders angezogen, aber auch der Preis für Butter und andere Produkte steigt nicht nur für Privat-Verbraucher, sondern logischerweise auch auf dem Großmarkt. "Wir versuchen schon, die weiteren Preiserhöhungen für Gerichte abzufedern", sagt er. So habe der Betrieb beispielsweise auf LED-Lampen umgestellt und setzt Zeitschaltuhren ein, damit auch wirklich nur dort Strom verbraucht wird, wo es unbedingt nötig ist. Aber irgendwann ist das Einsparpotenzial eben erschöpft, dann landet der höhere Preis bei den Restaurant-Gästen auf der Speisekarte.

Bei "Lucie Schulte" am Tisch sitzt Gast Christian Pursche aus Eckernförde. "Ich persönlich esse so etwas Exklusives heute zum ersten Mal", sagt er über seinen Tappas-Teller, der 18,50 Euro kostet. Mit höheren Preisen ist er einverstanden, wenn die Qualität den Preis rechtfertigt, sagt er, und deutet dabei beispielhaft auf den Teller seiner Begleitung Pia Grabow. Sie hat Currywurst mit Pommes frites bestellt, Kostenpunkt 9,50 Euro. "Ich war vergangene Woche beim Marine-Ehrenmal an der Kieler Förde. Dort gibt es einen Kiosk, an dem die Currywurst bereits jetzt einen ähnlichen Preis hat", erklärt der Görlitz-Tourist - aber eben in eher profaner Standard-Imbissbuden-Qualität und nicht wie hier im Restaurant mit hausgemachter Soße.

Am Nebentisch sitzen Andreas Kreipl aus Hamburg und Martina Beer. Die beiden gehen etwa alle zwei Wochen gemeinsam essen, bislang haben sie das trotz steigender Preise nicht zurückgefahren. Die Getränke seien überall wesentlich teurer geworden, gerade bei Kaffee und Bier falle das auf - "Beim Essen gar nicht unbedingt überall", sagt Kreipl. Martina Beer ergänzt: "Wir unterstützen die Gastronomie gerne, weil die so gebeutelt ist und schränken uns dafür eher beim Einkaufen ein." Marine Tschirner aus Weißwasser, ebenfalls Restaurantgästin, meint: "Natürlich merkt man die Preissteigerungen in jedem Restaurant, ganz besonders bei den Fischgerichten und bei besonderem Fleisch." Sie und ihr Ehemann Herbert gehen trotzdem mindestens zwei- bis dreimal im Monat essen, heute mit einer fünfköpfigen Gruppe - ein Luxus, den sie auch in der Inflation nicht einsparen möchten.

Das griechische Restaurant Athos an der Görlitzer Klosterstraße hat als Reaktion auf die Inflation seine Speisekarte verkleinert. "Ein paar Gerichte mit Rindfleisch, ein paar mit Lammfleisch" habe sie streichen müssen, berichtet Geschäftsführerin Scyridulla Tsiachti. Die Preise sind in ihrem Betrieb bereits um 10 Prozent gestiegen, erklärt sie. Neben Lebensmitteln schlagen auch die höheren Stromkosten zu Buche. Bei den Gästen habe es bislang noch keinen Unmut darüber gegeben - die hätten Verständnis, sagt die Wirtin.

Auch im Restaurant des Hotels Tuchmacher habe man eine Preiserhöhung von 10 Prozent an den Gast weitergeben müssen, erläutert Geschäftsführer Martin Vits. Nicht so dramatisch bewertet Tom Hockauf, Inhaber von "Jakobs Speiselokal", die Situation. Die Inflation sei "schon bemerkbar, aber nicht drastisch", sagt er auf Nachfrage. Dadurch, dass er beim Einkauf ausschließlich auf Bio-Lebensmittel aus Deutschland setze, habe er seine Preise bislang nicht erhöhen müssen. David Wojciechowski, Manager des Restaurant Horschel am Untermarkt, setzt momentan noch auf minimale Preisanhebungen im Bereich von "50 Cent bis einen Euro". Zwar seien die Kosten höher. "Wir verlieren jeden Monat" - aber es gehe noch gut, lautet sein Fazit. Die Kunden ließen es insgesamt ruhiger angehen - die Zeit, in der Weine für 100 Euro bestellt wurden, sei eben vorbei.

Sami Shmayess, Inhaber des Restaurants Mosaik an der Jakobstraße, spricht von "monatlich etwa 30 Prozent weniger Gästen als im vergangenen Sommer". Viele Gäste hätten die Preiserhöhungen gar nicht bemerkt, manche einfach hingenommen und wieder andere seien sogar positiv überrascht, weil sie dachten, dass es noch teurer werde. Beim Personal hat Shmayess bislang noch nicht einsparen müssen, ebenso wenig bei der Größe der Portionen. Das versicherten auch alle Gastronomen in Görlitz.

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